LEO Awards 2026: Logistik-Lenker mit Mut und Menschlichkeit

Die Spätsommersonne und strahlte an diesem Septemberabend mit den rund 300 festlich gekleideten Gästen der DVZ bei ihrer 19. Verleihung der LEO-Awards um die Wette. In der historischen Hagenbeck'schen Dressurhalle wartete ein Who-is-who der Transport- und Logistikbranche gespannt darauf, die streng gehüteten Namen der Ausgezeichneten zu erfahren. Zu Beginn der Gala würdigte DVV-Geschäftsführer Martin Weber den am 23. August im Alter von 89 Jahren verstorbenen Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Der LEO-Preisträger von 2007 habe wie kaum ein anderer das Wohl der Logistik geprägt. Anschließend führte DVV-Verlagsleiter Oliver Detje gewohnt charmant durch den Festabend.
In der Kategorie „Mensch“ ehrte die Jury Johann Killinger, den geschäftsführenden Gesellschafter der Hamburger Buss Group, für sein über die geschäftliche Führungsrolle hinausreichendes gesellschaftliches Engagement. Nach einem Schicksalsschlag – sein 14-jähriger Sohn Oskar lag am 1. September 2019 morgens tot im Bett, verstorben an SUDEP, dem plötzlichen unerwarteten Epilepsie-Tod - gründete der Hafenunternehmer 2021 gemeinsam mit dessen Mutter Iris-Maria die Oskar Killinger Stiftung und die Initiative „Stop SUDEP“. Sie klären Patienten, Angehörige und medizinisches Fachpersonal über die wenig bekannte, lebensgefährliche Komplikation auf. Plakatkampagnen, Informationsmaterial und die Fortbildungsreihe „Explain Epilepsy“ sollen Wissen vermitteln und das Risiko senken helfen. „Oskars Arzt hatte uns in dem Glauben gelassen, dass die Krankheit harmlos wäre“, erinnert sich Iris-Maria Killinger. Dieses Leid wollten die Eltern anderen Familien ersparen. „Bis zu Oskars zehntem Todestag soll jeder von Epilepsie Betroffene die Risiken kennen“, erklärte ein sichtlich gerührter Johann Killinger das Ziel der Stiftung.
Bis zu Oskars zehntem Todestag soll jeder von Epilepsie Betroffene die Risiken kennen. Johann Killinger, Geschäftsführer Buss Group
Unter anderem für ihren Mut erhielten Jochen Geis und Hans-Wolfgang Geis, die geschäftsführenden Gesellschafter der Geis-Gruppe, den LEO in der Kategorie „Unternehmer“. Erstmals ging die Auszeichnung damit zum zweiten Mal an Mitglieder derselben Unternehmerfamilie: Bereits ihre Väter Wolfgang und Hans-Georg Geis hatte die DVZ mit dem Award geehrt. „Wir sind sehr stolz, dass wir 14 Jahre nach unseren Vätern ebenfalls einen LEO bekommen“, freute sich Hans-Wolfgang Geis. Die Cousins führen die Gruppe seit rund zehn Jahren gemeinsam in dritter Generation. Mit der schrittweisen Übernahme der österreichischen Quehenberger Logistics bauten sie ihr Osteuropageschäft aus. Später nutzten sie nach dem Schenker-Verkauf an DSV die neue Konstellation im deutschen Stückgutmarkt für mehrere Übernahmen, darunter Agotrans, Krüger, die Gras-Gruppe und erst in dieser Woche Krage & Gerloff. Der Umsatz der Gruppe verdoppelte sich binnen sechs Jahren auf mehr als 2 Milliarden Euro; sie beschäftigt heute über 10.000 Menschen. „Ohne die Arbeit unserer Väter hätten wir die Dinge nicht tun können, für die wir heute ausgezeichnet werden“, sprach Jochen Geis den anwesenden LEO-Preisträgern von 2012 einen persönlichen Dank aus. Nach der Preisverleihung verabschiedete Moderator Detje auch Laudator Lutz Lauenroth mit einem großen Dank für die langjährige Zusammenarbeit von der LEO-Bühne. Der stellvertretende Chefredakteur geht Ende September nach 42 Jahren bei der DVZ in den verdienten Ruhestand.
Ohne die Arbeit unserer Väter hätten wir die Dinge nicht tun können, für die wir heute ausgezeichnet werden. Jochen Geis, geschäftsführender Gesellschafter Geis Gruppe
Mit dem LEO als „Zukunftsmacherin“ zeichnete die DVZ Sara Schiffer aus, Gründerin und Geschäftsführerin des Kölner Nutzfahrzeugvermieters Hylane. Als Vorstandsreferentin der DEVK Versicherungen erlebte sie, wie Schäden durch Extremwetterereignisse die Folgen des Klimawandels greifbar machten. Zugleich erkannte sie das große Klimaschutzpotenzial im Straßengüterverkehr, das sie zur Gründungsidee machte: Hylane vermietet wasserstoffbetriebene und batterieelektrische Lkw nach einem Pay-per-Use-Modell und nimmt Transportunternehmen damit Investitions- und Technologierisiken ab. Dabei setzt Schiffer nicht auf die eine Antriebstechnologie, sondern auf eine Lösung, die zu den Einsatzbedingungen und der verfügbaren Infrastruktur passt. Um den richtigen Weg selbst zu erfahren, machte sie während des Unternehmensaufbaus auch einen Lkw-Führerschein. „Hier sitzen die Menschen, die unsere Branche prägen, deshalb bedeutet mir die Auszeichnung in diesem Kreis umso mehr“, dankte Schiffer, die ihren neugeborenen Sohn mitgebracht hatte, der Jury.
Hier sitzen die Menschen, die unsere Branche prägen, deshalb bedeutet mir die Auszeichnung in diesem Kreis umso mehr.
Sara Schiffer, Geschäftsführerin Hylane
Für seine logistische Lebensleistung erhielt Harry Seifert, Vorsitzender des Beirats der Seifert Logistics Group, den vierten LEO des Abends. „Mein ganzes Leben besteht aus Logistik“, dankte der glücklich strahlende Unternehmer der Jury, seinen Kunden und nicht zuletzt seinem Team, „dem ich viel zu verdanken habe.“ Der 70-Jährige stieg 1976 mit 20 in das Fuhrunternehmen seines Vaters ein, baute es bald zur Spedition aus und suchte 1990 schon drei Tage nach dem Mauerfall nach Expansionsmöglichkeiten im Osten Deutschlands. Als die Corona-Pandemie 2020 die Wirtschaft bremste, kaufte Seifert trotz großer Unsicherheit ein Grundstück im Ulmer Norden, um das er 25 Jahre gekämpft hatte. Keine zwei Jahre später stand dort bereits ein Logistikzentrum mit 75.000 Quadratmetern und mehr als 120.000 Palettenplätzen. Aus dem Fuhrbetrieb mit fünf Mitarbeitern formte Seifert einen internationalen Transportdienstleister und Kontraktlogistiker mit 3.800 Beschäftigten, 50 Standorten und 360 Millionen Euro Umsatz. „Sie alle wissen: Logistik ist einfach sexy“, freute sich der frische LEO-Preisträger über das immer noch spannende Wirkungsfeld. „Wie sind gemeinsam einfach alle Spitze“, beschloss er die Preisverleihungen unter frenetischer Zustimmung des Publikums.
Sie alle wissen: Logistik ist einfach sexy.
Harry Seifert, Vorsitzender des Beirats der Seifert Logistics Group
Im nachhallenden Applaus für die Preisträger klang die LEO Night zur Musik der Band „The Live Society“ bei Tanz und angeregten Gesprächen erst in den frühen Morgenstunden aus.


