Neuer Grieshaber-Chef mit Mut zum Ausprobieren

Sven Kronenberg, der neue Grieshaber-Chef, hat spannende Ideen, wie er das Unternehmen in die Zukunft führen will. Er setzt dabei auch auf die große Motivation der Mitarbeitenden.

Sven Kronenberg leitet Grieshaber. (Foto: Grieshaber Logistik)

Sven Kronenberg ist gut gelaunt. „Ich bin hier richtig gut angekommen“, sagt er. Hier, das ist die Grieshaber Logistik GmbH mit Hauptsitz in Weingarten, bei der er vor sieben Monaten seine neue Position als Geschäftsführer angetreten ist. Von seinem Büro aus blickt er auf die Lkw-Waschstraße und die Werkstatt. Ein Traum für den 53-Jährigen, der sich während des Studiums als Autobastler sein erstes Geschäft aufbaute. „Anfangs habe ich am eigenen Auto geschraubt, einem VW Polo, Baujahr 1987.“ Doch bald schon musste eine Halle her und eine Hebebühne finanziert werden. „Ich war damals gut beschäftigt“, erinnert sich Kronenberg.

Gut beschäftigt war der neue Grieshaber-Chef auch in den letzten Wochen und Monaten. Um sich für seine neue Position warmzulaufen, hat er zwölf Standorte besucht, viele Arbeitsplätze gesehen und auch mal einige Zeit bei der Reifendistribution und der Abrechnung zugeschaut, um ein Gefühl für die Bedingungen vor Ort zu bekommen. „Ich mag Menschen“, sagt er, und wer Zeit mit ihm verbringt, glaubt das sofort. „Das ist aus meiner Sicht eine ganz wichtige Eigenschaft für Führungskräfte“, betont er und fügt hinzu: „Es ist gut, sich das zu bewahren, auch wenn im Laufe des Lebens natürlich Enttäuschungen und Überraschungen nicht ausbleiben.“

Menschen mit Motivation

Überraschungen erlebt er derzeit vor allem in positiver Hinsicht. „Ich hatte eine familiäre, freundliche Atmosphäre im Unternehmen erwartet“, blickt der Geschäftsführer auf seine ersten Wochen zurück. „Schon die Kontakte in den Vorstellungsgesprächen waren angenehm.“ Nach den Visiten an den Standorten und vielen Gesprächen stellt er fest: „Die Initiative der Mitarbeitenden ist riesengroß, es ist zu spüren, wie sie sich mit dem Unternehmen identifizieren.“ Und das führe dazu, dass sich die Menschen fragen, was sie besser machen können. Diese Bereitschaft, sich selbst zu entwickeln und Prozesse zu verbessern erlebe er als „wahnsinnige Stärke des Unternehmens“. Basis dieser Motivation ist seiner Ansicht nach der spezielle Spirit des Familienunternehmens.

Neben Kronenbergs Büro liegt das Büro von Gabriele Grieshaber, ehemalige Inhaberin und Stifterin der beiden Grieshaber-Stiftungen, die ihn unterstützt und mit der er sich austauschen kann. Das Wissen aus den letzten Jahrzehnten helfe ungemein, Strukturen zu verstehen, Entscheidungen nachzuvollziehen und ein eigenes Netzwerk zu knüpfen.

Erfahrungen aufgreifen

An Erfahrungen anknüpfen, aber unbedingt auch nach vorn schauen und bei Bedarf Veränderungen anstoßen – mit diesem Ansatz hat Kronenberg seine neue Aufgabe übernommen. Er bringt internationale Erfahrung aus der Handels- und Immobilienbranche mit. „Logistik spielte vor allem im Handel eine große Rolle“, erklärt der Geschäftsführer, der es als Vorteil ansieht, die Logistikdienstleistung auch aus Kundensicht gut zu kennen. Es ist ihm wichtig, das Unternehmen datengetrieben voranzubringen. In seiner Antrittsrede sprach er davon, Grieshaber zu einer „datengesteuerten, aber menschlich handelnden Organisation“ weiterzuentwickeln. Dabei geht es letztlich nicht allein darum, die Prozesse zu optimieren, sondern auch Transparenz zu schaffen. Dies sei wichtig, um Ängste zu zerstreuen und alle Führungskräfte und Beschäftigten auf den Weg der Veränderung mitzunehmen.

Die Initiative der Mitarbeitenden ist riesengroß. Sven Kronenberg, Grieshaber-Chef

„Wir erheben jede Menge Daten – wie viele Unternehmen der Branche.“ Jetzt komme es darauf an, klare Strukturen zu schaffen und die relevanten Informationen besser zu erkennen. Und auch schon in Verträgen mit Kunden deutlicher festzuhalten, wer welche Informationen braucht, auf welchem Weg und in welcher Form. „Wenn von Tausend Puzzleteilen am Ende eins fehlt, gibt es kein gutes Ergebnis“, sagt er. „Das ist wie bei Grieshaber. Hier kommt es auf jeden Einzelnen an.“

Aus Fehlern lernen

Er nutzt häufig Sportmetaphern: Für ihn gewinnt man eine Meisterschaft nur mit einem echten Team und einer cleveren Taktik. Mit solchen Formulierungen will er sich nicht anbiedern. Es spricht vielmehr eine echte Affinität zum Sport daraus. Heute findet er Ausgleich beim Joggen, gern zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls eine sportliche Läuferin ist. Laufen könne er immer, im Herzen sei er aber ein Mannschaftssportler. Als Jugendlicher spielte er auf hohem Niveau Fußball und träumte von einer Karriere als Profi. Doch eine Verletzung beendete diese Träume. „Das war für mich eine sehr schmerzliche Erfahrung, aber aus heutiger Sicht auch eine sehr lehrreiche Lektion.“ Denn Kronenberg zog sich nicht in die Schmollecke zurück, sondern suchte neue Ziele, begann ein Studium, entwickelte Qualitäten als „Schrauber“. Und startete seine berufliche Laufbahn, die schnell zu Führungspositionen führte.

Fehlerkultur pflegen

Es ist ihm dabei wichtig, dass man aus Fehlern lernt. Das nimmt er für sich selbst in Anspruch und wünscht es auch für alle Beschäftigten. „Wenn wir vorankommen wollen, brauchen wir unbedingt eine Unternehmenskultur, die Mut zum Ausprobieren macht“, betont er. „Bei Fehlern dürfen wir nicht nach den Schuldigen fragen, sondern nach den Ursachen, um daraus zu lernen. Auf die Lösungen kommt es an.“ Keine Angst vorm Scheitern – darin sieht er eine gute Methode, um mit neuen Ideen auf die zahlreichen Herausforderungen der Gegenwart zu reagieren. (ben)

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