Hannes Voigt: Mit klarem Kurs unterwegs

Hannes Voigt hat Überzeugungen. Er sieht seine besondere Aufgabe nicht nur darin, das Familienunternehmen solide am Markt zu positionieren, sondern will es auch zukunftsfest machen. Vor diesem Hintergrund treibt der 31-Jährige, der vor dreieinhalb Jahren in die Geschäftsführung des in Neumünster ansässigen Logistikdienstleisters eingestiegen ist, vor allem die – wie er es formuliert – transformativen Themen voran. Dazu zählt die Digitalisierung der Geschäftsprozesse genauso wie der Umstieg auf alternative Antriebe im Fuhrpark und der Einsatz künstlicher Intelligenz.
Bei diesen Themen herrschte allerdings zu Beginn nicht immer Einigkeit zwischen Vater Henning, der nach wie vor im Unternehmen aktiv ist, und Sohn Hannes – doch Streit gab es nie. „Mein Vater sagt in solchen Gesprächen oft, er habe volles Vertrauen zu mir, und wenn ich das so sähe, dann sei das schon richtig“, erzählt Hannes Voigt, und er ist stolz darauf, dass sie eine so gute Beziehung hätten und sich im Büro nicht auf den Geist gehen würden.
Zum guten Verhältnis trägt auch bei, dass sich die beiden Unternehmer ihre Aufgaben klar aufgeteilt haben. Während sein Vater sich nach wie vor um die operativen Abläufe in der Spedition kümmert, befasst sich der Sohn mit den Themen Import/Export-Abwicklung, Vertrieb und Lagerlogistik. Doch er sieht die einzelnen Geschäftsfelder nicht getrennt voneinander, sondern als sich gegenseitig ergänzend. „Heutzutage können wir die komplette Supply Chain abbilden. Das beginnt zum Beispiel beim Import von Waren aus China über die Verzollung und die Überführung der Container in unser Lager, wo sie entladen, eingelagert und konsolidiert werden, um sie anschließend über das Stückgutnetzwerk europaweit zu versenden.“
Der offene und von Vertrauen geprägte Umgang in der Familie machte es Hannes Voigt auch leichter, die Strukturen im Unternehmen zu verändern und an moderne Erfordernisse anzupassen. Eine dieser Veränderungen initiierte er schon kurz nach dem Einstieg in die Geschäftsführung im Jahr 2022. Damals hatte er sich selbst eine 100-Tage-Frist gegeben, um sich die vielen Bereiche der Firma anzuschauen und in verschiedenen Abteilungen mitzuarbeiten. In diesen drei Monaten wurde Voigt klar, dass er die zweite Führungsebene stärken wollte. „Wir haben ein Leadership-Team aufgebaut, das mir zur Seite steht und dem ich vertraue.“
Diese Unterstützung im Haus hilft, um das große Thema Digitalisierung stemmen zu können. „Da hat sich sehr viel in den letzten Jahren verändert und das Tempo wird immer schneller“, beschreibt Voigt seine Wahrnehmung, aber er ist auch überzeugt, dass die großen Disruptionen in der Logistik noch vor der Tür stehen. „Wer dann dabei sein will, muss heute die Grundlagen schaffen. Deshalb haben wir sämtliche Systeme – von TMS über das Warehouse Management System bis zum Customer Relationship Management – erneuert und bauen gerade im Hintergrund unser Data Warehouse auf.“ Ganz klar: Hannes Voigt will sein Unternehmen und auch die Belegschaft so gut wie möglich auf die kommenden KI-Entwicklungen vorbereiten.
Das Unitrans-Netz, an dem Voigt Logistik beteiligt ist, ist leistungsfähig: Auch wenn der Standort Neumünster nicht im Zentrum Europas liegt, könnten Waren innerhalb von 24 bis 48 Stunden an jeden Ort in Deutschland oder Europa befördert werden, sagt Voigt. Für ihn sind dieses Leistungsversprechen und die Breite des Angebots wichtig: „Dadurch, dass wir Gesamtlösungen anbieten können, sind wir für die Kunden, die mehrere unserer Angebote nutzen, weniger austauschbar, als wenn wir nur Stückgut oder die reine Einlagerung anbieten würden.“ Als „Idealkunden“ bezeichnet er diejenigen, die die Verantwortung für die Supply Chain komplett an sein Unternehmen abgeben. „Das ist für beide Seiten sinnvoll“, sagt er selbstbewusst.
Doch wie ist der junge Chef in das Familienunternehmen hineingewachsen? „Ich bin als Junge mit meinem Großvater und meinem Vater am Wochenende im Lkw über den Firmenhof gefahren und hab dann auch schon meine ersten Runden gedreht“, erinnert er sich. „Die Firma war immer omnipräsent, aber es gab nie den Druck, diesen Weg einschlagen zu müssen.“ Doch Voigt sah auch eine gewisse Verantwortung, das Lebenswerk der älteren Generationen weiterzuführen – und hat den Schritt bisher keinen Tag bereut.
Was ihm dabei geholfen hat, war, dass er einige Schritte außerhalb des Unternehmens gegangen ist. „Als ich zurückkam, hatte ich eine Ahnung davon, wie es in der Geschäftswelt läuft. Diese Abkapselung war noch mal wichtig, um dann direkt als Geschäftsführer wieder einzusteigen.“



