Deutsche Verkehrs-Zeitung

Philipp Ortwein

Der ehemalige Unternehmensberater hat 2016 die digitale Landverkehrsspedition mitgegründet. Er glaubt, dass Plattformmodelle die Logistikbranche nachhaltig zum Positiven verändert. Mit Instafreight treibt er nun die Expansion in das europäische Ausland voran. Sein größtes unternehmerisches Vorbild ist Elon Musk.

 

Wie kamen Sie auf die Idee ein Start-Up zu gründen?

Mich begeistert es, Potenziale in Märkten zu identifizieren und erfolgreich umzusetzen. Beruflich bin ich damit zunächst in der Beratung gestartet und entwickelte Strategien für Großkonzerne. Die Umsetzung wird dann jedoch durch den Kunden vorangetrieben, häufig gegen den Widerstand bestehender Konzernstrukturen. Als Gründer steht man hingegen selber in Verantwortung für den Erfolg des eigenen Unternehmens und kann auf einer „grünen Wiese“ gestalten.

 

Was hat Sie dazu bewogen, mit Ihrem Start-up ausgerechnet in die Logistikbranche einzusteigen?

Die Logistik ist ein sehr großer, fragmentierter Markt, der sich heute an vielen Stellen noch sehr ineffizient organisiert und bei der Digitalisierung noch am Anfang steht. Effizienzpotenziale, die Größe sowie die Bedeutung des Logistikmarktes ziehen neue Marktteilnehmer an. Start-Ups wie InstaFreight bringen sowohl neue Technologien als auch neue Geschäftsmodelle in die Logistik und werden den Markt nachhaltig zum Positiven verändern.

 

Was sehen Sie als größte Stärke/Schwäche der Logistik?

Der deutsche Transportlogistikmarkt ist stark durch kleine und mittelständische Dienstleister geprägt, die sich insbesondere über operative Exzellenz differenzieren. Konsequente umgesetzte Digitalstrategien findet man heute bei vielen Transportdienstleistern leider noch selten. Die Anforderungen an Datenqualität, in Echtzeit verfügbare Informationen und Vernetzung werden weiter steigen. Als Logistik Start-Up sehen wir unsere Rolle darin, die Digitalisierung der Transportlogistik mit voranzutreiben und Transportunternehmer in die Lage zu versetzen, auch morgen noch die Anforderungen der Verlader zu erfüllen.

 

Welche Lösung bietet Ihr Unternehmen und wie verändert es die Logistik?

InstaFreight bündelt durch eine Plattformlösung zum einen die Nachfrage der Verlader nach Transportkapazität und zum anderen die verfügbare Transportkapazität der Fuhrunternehmer. Dabei vermitteln wir nicht nur, sondern sind auch fester Vertrags- und Ansprechpartner für beide Parteien. Die Prozesse rund um die Transportabwicklung sind bei InstaFreight digital und ersparen somit beiden Parteien Zeit und Kosten. Verlader erlangen durch InstaFreight Transparenz über ihre Supply Chain. Transportunternehmern können bei InstaFreight pro Transport deutlich mehr verdienen und gleichzeitig ihre Auslastung optimieren.

 

Welches unternehmerische Ziel haben Sie sich für die kommenden zwölf Monate gesetzt?

Unser Ziel ist es, weiterhin stark zu wachsen. Wir expandieren bereits heute in das europäische Ausland und werden unsere Partnerschaften mit kleinen und mittelständischen Fuhrunternehmen aus ganz Europa weiter ausbauen. In Planung sind auch weitere technische Anbindungen in die IT-Landschaften der Verlader und Fuhrunternehmer.

 

Welche Technologien werden Ihrer Meinung nach das Bild der Logistik in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen?

Plattformmodelle natürlich! Zudem wird Künstliche Intelligenz weiter zur Automatisierung und Effizienzsteigerung beitragen. Eine zunehmende Vernetzung verschiedener Logistik-Dienstleister und Softwareanbieter wird die Grundlage für eine bessere Datennutzung und somit Transparenz. Auf der Hardware-Seite werden autonomes Fahren und alternative Antriebe, wie z.B. E-Trucks die Logistik maßgeblich verändern.

 

Welche Hindernisse müssen dafür überwunden werden?

Wichtig ist ein offenerer Umgang mit Daten zwischen den verschiedenen Dienstleistern und Softwareanbietern. Prozess- und Datenstandards müssen eingeführt werden.
Auf der rechlichen Seite muss auch noch einiges Geschehen: Momentan gibt es noch nicht die notwendigen rechtlichen Grundlagen für beispielsweise autonomes Fahren oder die europaweite Einführung des elektronischen Abliefernachweises etc.

 

Wer ist Ihr größtes Vorbild?

Im Kontext „Start-Up“ ist es Elon Musk. Seine Visionen und deren Umsetzung in Unternehmen wie Tesla, SpaceX, The Boring Company und Neuralink finde ich sehr beeindruckend. Ich bin davon überzeugt, dass diese Unternehmen das Potenzial haben, ihre jeweiligen Industrien nachhaltig mitzugestalten.

 

Wenn Sie nicht gerade daran arbeiten, Ihr Start-up voranzubringen, dann…

... verbringe ich viel Zeit auf dem Fahrrad und in der Natur. Wenn man beruflich schon die Straßen voll macht, muss man das nicht auch noch privat machen.

 

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht in der Logistikbranche aktiv wären?

Dann würde ich Lösungen für Herausforderungen in anderen Märkten bauen. Leider werden inbesondere in Deutschland Technologien von etablierten Unternehmen oft als Bedrohung wahrgenommen. Ich sehe darin vielmehr die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu schaffen bzw. Vorhandene Unternehmen weiterzuentwickeln um Herausforderungen am Markt zu lösen. Ob dies in der Logistik, der Automobilwelt oder z.B. der Finanzindustrie ist, ist für mich nebensächlich solange ich mich für die Herausforderung begeistern kann

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