Deutsche Verkehrs-Zeitung

14.10.2020 | DVV Webinar-Center

DVZ-Webinar ONE Record – Ein Datenstandard für die Luftfracht

Rückblick

Luftfracht kommt mit Digitalisierung nur langsam voran

Wie kann die Luftfrachtindustrie digitaler werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des DVZ Webinars „One Record – Ein Datenstandard für die Luftfracht“. Teilnehmer der von DVZ-Chefredakteur Sebastian Reimann moderierten virtuellen Gesprächsrunde waren  Henk Mulder, Head of Digital Cargo bei der Iata; Thorsten Friedrich, Head of Global Sales Performance & Business Intelligence bei Lufthansa Cargo; Klaas Kurz, Carrier Connectivity Manager bei DB Schenker sowie Christian Riege, Managing Director und SVP Software Development bei Riege Software.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde waren sich darin einig, dass es das Ziel der Luftfrachtindustrie sein müsse, die Informationsübermittlung per Papierformular abzuschaffen. Henk Mulder führte dabei die Möglichkeiten des Iata-Projekts One Record in den Mittelpunkt der Überlegungen. Mulder betonte, dass das Programm E-Freight die Grundlagen gelegt habe für die Digitalisierung der Luftfracht, die nun bereits bei etwas mehr als Zweidritteln aller Sendungen weltweit einen elektronischen Luftfrachtbrief  verwende. „Dennoch kommen wir nicht wirklich weiter, sondern bleiben bei einem Anteil von 72 Prozent.“ Pro Jahr würden deshalb 7.800 t Papier verbraucht, so Mulder.

Zudem, so Mulder, beruhe die heute verwendete elektronisch angewandte Technik auf einer IT-Infrastruktur aus den Siebzigerjahren. Demzufolge müsse der nächste Schritt darin bestehen, die Data-Sharing-Plattform One Record stärker in der der gesamten Logistik zu etablieren.

Dem stimmten auch die übrigen Teilnehmer zu. Laut Thorsten Friedrich muss nicht die Luftfracht allein digitaler werde, vielmehr muss dies im Zuge eines  multimodalen Ansatzes geschehen. Christian Riege verwies auf die Fortschritte, die die Passagierluftfahrt im Zusammenhang mit der Digitalisierung in den vergangenen Jahren gemacht habe. „Bei der Fracht ist das leider nicht so einfach, weil Fracht nun mal nicht sprechen kann“, so Riege. Dennoch müssten alle Marktteilnehmer verstehen, dass in wenigen Jahren kein Unternehmen mehr am Markt bestehen kann, wenn es nicht digital aufgestellt sei.

Klaas Kurz, der die Perspektive der Speditionen einbrachte, wies darauf hin, dass die Coronapandemie gezeigt habe, dass die Branche überraschend gut in der Lage sei, digital zu operieren. Eine Herausforderung sei nach wie vor die digitale Kommunikation mit Zollbehörden.  Kurz gab Einblicke in den Arbeitsalltag, der teilweise noch immer stark von analogen Prozessen geprägt ist. So müssten, sagte Kurz, teilweise mehre Telefonate geführt, Dokumente nicht nur ausgefüllt, ausgedruckt und archiviert werden, es müssten auch E-Mails verschickt und Papiere an Transportunternehmen physisch übergeben geben. „Das alles kostet viel  Zeit“, so Kurz, der sagte, er wünsche sich eine weitaus höhere digitale Durchdringung der Lieferkette.

Mit die größte Herausforderung, so stellten die Gesprächsteilnehmer gemeinsam heraus,  bestehe im Denken der an den logistischen Prozessen unmittelbar Beteiligten. „Es braucht einen Kulturwandel“, sagte Mulder. Es sei unmöglich, jemandem beizubringen digital denken zu können, so der Iata-Manager. Vielmehr geht es darum, den Menschen klarzumachen, dass sie ihr Erlerntes beiseitelegten und sich auf Neues einließen.

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