„Wir müssen wissen, was wir mit der Technologie erreichen wollen“

Das Bild, das Michelle Shi-Verdaasdonk während ihres Vortrags an die Wand projizierte, ist irritierend. In einer Küche steht ein humanoider Roboter am Herd und bereitet Essen zu. Den meisten dürfte diese Vorstellung schwerfallen, und so geht es auch Shi-Verdaasdonk. Allerdings, so räumt die Produktmanagerin der Electrolux Group ein, liege es immer noch an den Menschen, ob diese Szenarien Wirklichkeit werden. „Wir müssen sehr genau wissen, was wir mit Technologie erreichen wollen“, betont sie.
Gerade in letzter Zeit investierten USA und China massiv in künstliche Intelligenz. Sowohl im US-amerikanischen Markt als auch in Europa gehe die Konsumgüternachfrage runter, die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und die dafür notwendige Energieversorgung gehen deutlich nach oben, was sich laut Shi-Verdaasdonk unter anderem an den Transporten entsprechender Güter aus Asien heraus zeige. Die technologische Entwicklung lasse sich nicht stoppen und die Frage sei, wie sie genutzt werde. Der Roboter im Haushalt könne in einem anderen Zusammenhang ja durchaus sehr sinnvoll sein, gibt Shi-Verdaasdonk zu bedenken, beispielsweise bei der Versorgung älterer Menschen.
Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen und vor allem von KI wird weiter zunehmen. „Das verunsichert Menschen, und sie fragen sich zurecht, ob ihr Job gefährdet ist“, weiß die Electrolux-Managerin. Mit dieser Dynamik und den damit einhergehenden Befürchtungen müssen Führungskräfte umzugehen lernen. Interessanterweise gibt es trotz einer deutlichen Zunahme des Technologieeinsatzes keine signifikante Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität in den vergangenen Jahren.
„Manchmal“, so empfiehlt Shi-Verdaasdonk, „kann es sinnvoll sein, nicht nur auf die Supply Chain zu schauen, sondern den Fokus zu weiten und den Blick auf das große Ganze zu lenken.“ Denn die Welt ist vielfältig vernetzt und es bestehen unzählige Informationsquellen, die alle in bestimmten Kontexten relevant sein können. Daher könne heutzutage ein Weg nicht mehr unbedingt geradlinig von A nach B beschritten werden. „Man muss immer bereit sein, den Weg zu ändern.“ Resiliente Führungskultur sei in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, schnell entscheiden zu können. Und nicht zuletzt benötige heutzutage jeder auch ein gewisses Maß an persönlicher Resilienz.



