Rewe-COO: Handel unter Druck – Technik allein reicht nicht

Peter Maly, COO der Kölner Rewe Group, eröffnete seine Keynote auf der Supply Chain CX mit einer Kernthese: Eine Transformation funktioniere nicht allein mit Technik, sie brauche den Menschen. Denn letztlich solle die Technik ja dem Menschen helfen, nämlich dabei, dass er besser und effizienter arbeiten könne. „Diese gesamte technische Transformation ist deshalb eine immanente Führungsaufgabe“, fügte er später hinzu.
Menschen spielen in der Logistik des Handelskonzerns, der in 13 Ländern präsent ist, trotz zunehmender Automatisierung noch immer eine große Rolle. Rewe beschäftigt laut Maly 380.000 Menschen, davon mehr als 35.000 in der Logistik.
Die Investitionen in die Logistik seit 2020 beziffert Maly mit 2,8 Milliarden Euro. Ein aktueller Schwerpunkt ist das bislang größte Einzelprojekt in der Logistik: die 600 Millionen Euro teure Modernisierung des Lagerstandorts in Wiener Neudorf (Niederösterreich). Dort entsteht ein 150.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum, das fast ein Drittel aller Warenlieferungen Österreichs abwickeln soll. Dank Datenanalysen, Robotiktechnik und einer Kombination aus manuellen sowie automatisierten Systemen soll die Warenkommissionierung effizienter werden.
Rund 120.000 Artikel, sogenannte SKUs (Stock Keeping Units), laufen durch das Logistiknetz von Rewe – verteilt auf fünf Temperaturbereiche. „Das geht längst nicht mehr ohne Technik“, sagte Maly. Und durch KI sei es nun möglich, diese noch besser zu nutzen.
„Der Druck im Handel ist brutal“
Und das scheint eine Notwendigkeit zu werden. Denn den Druck im Handel sei „brutal“, formulierte es Maly. Hier führte er zum Beispiel steigende Rohstoff- und volatile Dieselpreise sowie die mittlerweile permanente Unsicherheit in den Lieferketten an, aber auch den Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel, die hohen Erwartungen an die Warenverfügbarkeit sowie den Trend zum Onlineeinkauf von Lebensmitteln.
In das E-Food-Geschäft hat Rewe ebenfalls massiv investiert. Vom Ergebnis her sei das Geschäft immer noch „schmerzvoll“, sagte Maly. „Aber wir kommen da weiter.“ Der Konzern verfüge inzwischen über 16 E-Commerce-Standorte.
Bei der Automatisierung plädierte Maly für Augenmaß. Sie solle dort ansetzen, wo sie sinnvoll sei. Im E-Commerce zum Beispiel liege der größte Mehrwert eigentlich auf der letzten Meile, weniger im Lager selbst. Denn der mit Abstand größte Anteil der Logistikkosten entfalle in dem Geschäft auf den Warenausgang, während die Anteile von Wareneingang mit 3 Prozent und der Kommissionierung mit 6 bis 8 Prozent vergleichsweise niedrig seien.
IT-Landschaft wird vereinheitlicht
Als Voraussetzung für Digitalisierung nannte Maly Standards. Ein Hemmnis sei etwa, dass die Prozesse über Länder hinweg lange nicht harmonisiert waren. Mit dem großen IT-Transformationsprojekt Neo, das vor drei Jahren startete, sollen unter anderem auch die Lagerverwaltungssysteme vereinheitlicht werden.
Eine weitere Baustelle sei der Lieferservicegrad. Er misst, welcher Anteil der bestellten Menge vollständig und termingerecht in die Filialen geliefert wurde. Vor Corona habe die Kennzahl bei 96 Prozent gelegen. „Das hielten wir damals noch für schlecht, wir wollten lieber 98 oder 99 Prozent“, erinnert sich Maly. „Während der Pandemie waren wir dann irgendwo bei 70 Prozent. Und inzwischen haben wir uns an die 90 Prozent gewöhnt und glauben, dass wir ganz schön gut sind. Aber das ist nicht so, wir sind nicht gut“, räumte er ein.
Rewe setzt auf eine zweistufige Lagerlogistik in Deutschland mit zwei Zentrallagern. Das Netz ist strukturiert nach sieben Regionen. Vernetzung müsse aber über den eigenen Konzern hinausgehen, etwa auch Lieferanten und Dienstleister einschließen. Von den rund 5.000 eingesetzten Lkw gehören etwa die Hälfte dem Konzern selbst, die andere Hälfte wird von externen Dienstleistern bereitgestellt.
Rewe treibt Elektrifizierung voran
Apropos Lkw: „Wir haben im Sommer im internationalen Logistik-Board entschieden, dass wir da, wo es geht, auf E-Lkw umsteigen“, sagte Maly weiter. Das Problem sei die vielerorts noch fehlende Ladeinfrastruktur. Vorreiter sei beim Thema Elektrifizierung die Region Ost, wo Rewe ab nächstem Jahr nur noch E-Lkw bestelle, fügte der Manager hinzu.
Gemeinsam mit Mars wurde Rewe auf der Supply Chain CX mit dem Deutschen Logistik-Preis ausgezeichnet. Mit ihrem wegweisenden Konzept ist es dem Hersteller und dem Lebensmittelhändler sowie weiteren Partnern gelungen, die Lieferkette vom Werk bis zum Supermarkt zu elektrifizieren.



