Deutscher Logistik-Preis: Mars und Rewe verknüpfen E-Lkw-Initiativen

Der Süßwaren- und Tiernahrungshersteller Mars und der Lebensmittelhändler Rewe erhalten den Deutschen Logistik-Preis 2026. Prämiert wird ihr Projekt einer durchgängig elektrifizierten Lieferkette für schnelldrehende Konsumgüter, das sie gemeinsam mit den Partnern Rigterink, L.I.T. und Einride umgesetzt haben. Die Unternehmen wurden am Mittwochabend in Berlin auf der Supply Chain CX von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) ausgezeichnet.
Auf Platz zwei landet die Rüdinger Spedition aus Krautheim. Der Logistikdienstleister zeigte, unter welchen betrieblichen Bedingungen sich E-Lkw im Stückgutverkehr wirtschaftlich einsetzen lässt. Platz drei belegt der Snackhersteller Lorenz mit einem Projekt für den Einsatz vier autonomer Elektrofahrzeuge zwischen Produktion und Zentrallager.
Über das gemeinsame Projekt von Mars und Rewe hatte die DVZ bereits im Juni berichtet. Aus bislang getrennt organisierten Lkw-Transporten wurde eine aufeinander abgestimmte elektrifizierte Lieferkette vom Produktionsstandort bis zur Versorgung der Märkte: Waren aus den Schokoladenfabriken in Veghel (Niederlande) und Viersen (Nordrhein-Westfalen) sowie aus der Tiernahrungsfabrik im niedersächsischen Verden gelangen über das Mars-Umschlagzentrum in Minden zum Rewe-Zentrallager in Oranienburg. Von dort aus werden rund 300 Märkte im Berliner Raum und darüber hinaus beliefert.
In dem Projekt bestand die Aufgabe darin, bei den Elektrifizierungs-Initiativen der Unternehmen – die Mars-Transporte nach Minden und die Rewe-Marktbelieferung ab Oranienburg – eine Lücke zu schließen. „Wir wollten nicht nur einzelne Transporte elektrisch abwickeln, sondern die bereits entstandenen Netze von Hersteller und Handel zu einer gemeinsamen Lieferkette verbinden“, sagt Björn Schlenker, European Supply Chain Transformation Director bei Mars.
Einride bringt E-Lkw, Transportleistungen und digitale Lösungen für das Lade- und Batteriemanagement ein. Hölkemeier, ein Tochterunternehmen der L.I.T. Gruppe aus Minden, stellt am eigenen Standort Lager- und Ladekapazitäten bereit und verantwortet die fachgerechte Kommissionierung der Ware. Rigterink elektrifiziert die Strecke zwischen dem ostwestfälischen Minden und dem brandenburgischen Oranienburg sowie weitere Relationen mit Fahrzeugen aus der eigenen Flotte, die mittlerweile 22 E-Lkw umfasst.
Rewe ergänzt die elektrifizierten Verkehre mit weiteren Fahrzeugen. Ladeinfrastruktur wurde an den Standorten in Veghel, Recklinghausen, Verden, Minden und Oranienburg geschaffen. Der grenzüberschreitende Rundlauf zwischen Veghel beziehungsweise Viersen und Minden bezieht zudem öffentliche Ladepunkte ein.
Enge Abstimmung notwendig
Die Herausforderungen war letztlich nicht die Technik, sondern der Betrieb, den es zu organisieren galt – mit einem gemeinsam abgestimmten Produktions-, Energie- und Transportmanagement. Fabriken, Distributionszentren und Supermärkte waren in Abläufe eingebunden, die nicht auf den ausschließlichen Einsatz von E-Lkw ausgelegt waren. Die Einsatzplanung musste nun nicht nur Lenkzeiten, Fahrzeugverfügbarkeit und Zeitfenster der Kunden berücksichtigen, sondern auch Batterie-Ladezustände. Volatile Warenströme trafen auf feste Ladezyklen und enge Zeitfenster des Handels. Reichweite, Ladeleistung, kostengünstige Stromverfügbarkeit und Standzeiten mussten in die Umlaufplanung einfließen. Gleichzeitig teilten sich mehrere Partner begrenzte Ladeinfrastruktur. Depotladen und öffentliches Laden mussten aufeinander abgestimmt werden, ohne dass der Warenfluss gestört wurde.
Die Beteiligten mussten ihre Planungen verzahnen, statt nur den eigenen Abschnitt zu optimieren. Einride steuerte Software für Lade- und Batteriemanagement, operative Transparenz und die Erfassung von Treibhausgasemissionen bei.
Im Zuge der anspruchsvollen Abstimmung gab es auch Rückschläge: So mussten anfangs beispielsweise elektrische Transporte zeitweise ausgesetzt werden, um das Servicelevel zu halten. Erst nach Prozessanpassungen wurde der Elektrobetrieb wieder aufgenommen.
70 Prozent weniger Emissionen
Bis Ende August 2026 kamen die verbundenen Netze von Mars und Rewe insgesamt auf mehr als 3,7 Millionen elektrisch gefahrene Kilometer. Nach Berechnung der Projektpartner entspricht dies Einsparungen von 3.500 Tonnen CO₂-Äquivalenten und 1,1 Millionen Litern Diesel. Die elektrifizierten Transporte verursachen demnach etwa 70 Prozent weniger Emissionen als vergleichbare Dieselverkehre. Die Berechnung folgt dem Well-to-Wheel-Ansatz, berücksichtigt also nicht nur die Emissionen am Fahrzeug, sondern auch die Kette der Strombereitstellung. Die Kennzahlen beziehen sich auf sämtliche betrachtete elektrifizierte Transporte beider Netze.
Der Wert des Projekts liegt aber vor allem darin, dass die Partner ihre eigenen, regionalen elektrischen Netze nun erstmals miteinander verbunden haben. Die Jury würdigt damit einen Ansatz, der über eine einzelne Flottenumstellung hinausgeht.
Auch wirtschaftlich nähert sich der Transport mit den E-Lkw nach Angaben der Partner dem konventionellen Antrieb an: Auf den meisten Strecken erreiche man bereits mindestens Kostenparität mit Diesel-Lkw. Das Projekt zeigt: In Zeiten unkalkulierbarer Dieselpreise ist die Elektrifizierung nicht nur ein ökologischer Gewinn, sondern auch ein ökonomischer Faktor.
Vorbild für die Konsumgüterindustrie
Die Aufgabe ist damit aber nicht beendet. Prozesse, Ladeinfrastruktur, Software und das operative Modell sollen sich auf weitere Relationen der Konsumgüterindustrie und später auch auf andere Branchen übertragen lassen. Als ersten weiteren Schritt nennen die Partner die bereits erfolgte Anbindung von Rewe-Standorten und Märkten im Raum Dortmund und Wiener Neudorf (Österreich). Zudem prüfen die Unternehmen, welche weiteren Strecken sich elektrifizieren lassen. Ziel ist nicht, möglichst viele E-Lkw einzusetzen, sondern ein Netz aufzubauen, an das sich weitere Routen an einen funktionierenden elektrischen Korridor anbinden lassen. (bo/cs)


