Supply Chain Top 25: Walmart stürmt in die Spitzengruppe

Schneider Electric steht zum vierten Mal in Folge an der Spitze des Rankings. Walmart und JD.com klettern deutlich nach oben, während nur noch ein deutscher Konzern mit den Besten mithalten kann. Über allen aber steht erneut ein Quartett, das seit Jahren den Takt vorgibt.

Der US-amerikanische Einzelhandelskonzern klettert in der diesjährigen Rangliste um zehn Plätze auf den dritten Rang. (Foto: Imago / Pond5 Images)

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner hat die Ergebnisse seiner „Global Supply Chain Top 25“ veröffentlicht. Demnach steht Schneider Electric das vierte Jahr in Folge ganz oben. Der französische Industriekonzern hatte 2023 Cisco Systems verdrängt. Für den Netzwerkausrüster aus Kalifornien, der in den drei Jahren zuvor jeweils den Spitzenplatz belegt hatte, reicht es inzwischen nur noch für Rang vier. Der kalifornische Chipkonzern Nvidia, der es 2024 als Top-25-Neuling direkt unter die Top 10 geschafft hatte, landet erneut hinter dem Erstplatzierten.

Schneider Electric behauptete seine Spitzenposition im letzten Jahr seines dreijährigen Transformationsprogramms „Impact Supply Chain“. Im Fokus stehen generative und agentische künstliche Intelligenz (KI), um Entscheidungsprozesse zu unterstützen, die Transparenz zu verbessern, Prognosen zu schärfen und Maßnahmen entlang der gesamten Lieferkette besser zu koordinieren.

Der Verfolger Nvidia profitiert laut Gartner vor allem von seiner Fähigkeit, Ressourcen in einem hochgradig von externen Abhängigkeiten geprägten Ökosystem zu orchestrieren. Das Unternehmen nutzt unter anderem digitale Zwillinge, um Produktionssysteme zu überwachen und zu verbessern. Der Chip-Gigant nutzt Lieferkettensimulationen, die Produktionsstätten modellieren, in denen Menschen gemeinsam mit Robotern und automatisierten Systemen arbeiten.

Zur Methodik

Für den Supply-Chain-Leistungsvergleich identifiziert Gartner zunächst Unternehmen auf Basis der „Fortune Global 500“ und der „Forbes Global 2000“. Sie müssen einen Jahresumsatz von mehr als 15 Milliarden US-Dollar haben. Zudem fallen Unternehmen raus, die keine Lieferketten für physische Produkte haben oder deren Lieferketten einzigartige Merkmale aufweisen, welche die betrachteten finanziellen Kennzahlen verzerren. Ab 2022 wurden die Aufnahmekriterien allerdings um ein neues Segment erweitert, und zwar um anlagenintensive Serviceunternehmen. Gemeint sind Firmen, die ihre Angebote als Dienstleistung verkaufen, aber auch eine beträchtliche Infrastruktur managen, die eine kontinuierliche Planung, Beschaffung und Logistik durch ein Supply-Chain-Team erfordert. Diese Unternehmen müssen aber auch über physische Bestände von mehr als 1 Milliarde Dollar verfügen, was ein Indikator für eine physische Lieferkette ist.

Das Ranking basiert auf zwei Komponenten: einer quantitativen Messung der Unternehmensleistung und einer qualitativen Darstellung der Analystenmeinungen von Gartner und anderen Experten. Letztere sind in der Regel Supply-Chain-Fachleute, die als Kunden und/oder Lieferanten mit den Unternehmen interagieren und direkte Erfahrungen mit ihnen haben.

Diese Informationen werden auf eine 10-Punkte-Skala normiert und dann gewichtet aggregiert:

  • Befragung von Supply-Chain-Experten und Gartner-Analysten (jeweils 25 Prozent)    
  • ESG/Nachhaltigkeit (20 Prozent)    
  • Veränderung ROPA - Rendite auf physische Vermögenswerte (10 Prozent)    
  • Lagerbestand im Verhältnis zum Umsatz (10 Prozent)    
  • Veränderung der Bruttomarge (5 Prozent)    
  • Umsatzwachstum (5 Prozent)   

Von den Konzernen, die bereits im Vorjahr zu den Top 25 gehörten, stechen vor allem Walmart auf Platz 3 und JD.com auf Rang 16 heraus. Walmart verbessert sich damit nämlich um zehn, JD.com um sechs Plätze.

Für Handelslogistik-Professor und DVZ-Gastkolumnist Christoph Tripp kommt der Aufstieg beider Unternehmen nicht überraschend. „Walmart zeigt, wie automatisierte Logistik konsequent skaliert werden kann“, sagt der Experte von der Technischen Hochschule in Nürnberg. Dem Konzern zufolge erhalten bereits 60 Prozent der US-Filialen Ware aus automatisierten Distributionszentren und mehr als die Hälfte des E-Commerce-Volumens läuft durch automatisierte Systeme. Tripp sieht darin ein Benchmark in einem von Arbeitskräftemangel und Kostendruck geprägten Umfeld.

Walmart hat laut Gartner darüber hinaus in den großflächigen Einsatz von IoT-Technik zur besseren Palettenverfolgung und Kühlkettenüberwachung investiert. „Walmart koppelt zudem Effizienzgewinne eng an Nachhaltigkeitsziele – ein strategischer Mix, der im Ranking sichtbar honoriert wird“, stellt Tripp fest.

Der chinesische E-Commerce-Riese JD.com arbeitet sich Schritt für Schritt in Richtung Top 10 vor. „Das ist Ausdruck einer radikal integrierten, technologisch getriebenen Handelslogistik“, sagt Tripp. Die Kombination aus vertikaler Kontrolle der Supply Chain, starker Automatisierung und datengetriebener Steuerung mache den Konzern robuster gegenüber Störungen. Dies sei auch der Grund, warum JD.com global zunehmend als Benchmark für End-to-End-Exzellenz wahrgenommen werde – „vor allem dort, wo Geschwindigkeit, Transparenz und operative Präzision entscheidend sind“, sagt Tripp.

BVL Supply Chain CX: Transformation wirksam gestalten

Die digitale Transformation ist ein entscheidender Treiber für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Resilienz in der Supply Chain. Im Schwerpunkt „Digitalization of Supply Chains“ geht es auf der BVL Supply Chain CX in insgesamt 17 Sessions darum, wie Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette strategisch weiterentwickeln – von der klaren digitalen Zielsetzung über die konsequente Umsetzung bis zu Automatisierung und innovativen Ansätzen. Im Fokus stehen Lösungen, die Lieferketten transparenter, agiler und zunehmend KI-gestützt autonom machen. Die Beiträge verdeutlichen, wie sich gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten gezielt in Digitalisierung investieren lässt und Risiken in Chancen überführen lassen. Weitere Themen sind die Automatisierung von Planung und Steuerung sowie Erfahrungen aus der Implementierung autonomer Supply Chains und deren Folgen für künftige Organisationen. Zudem geht es um ganzheitliche Digitalisierungsstrategien: Prozess- und IT-Entscheidungen müssen integriert gedacht werden, statt in fragmentierten Architekturen und Silos zu verharren. Co-Creation und Cybersecurity bilden dabei wesentliche Voraussetzungen, um digitale Lieferketten nachhaltig und sicher zu gestalten.

Gartner misst nicht nur klassische Effizienz, sondern kombiniert Reputation und Wahrnehmung in der Fachwelt, messbare wirtschaftliche Entwicklung sowie Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Dadurch wollen die Experten nicht einfach die kostengünstigste oder „schnellste“ Lieferkette auszeichnen, sondern Unternehmen identifizieren, die insgesamt als führend, leistungsfähig und zukunftsfähig gelten.

Nur noch ein deutscher Konzern im Ranking

Während BMW in den vergangenen beiden Jahren noch Platz 23 belegen konnte, ist der deutsche Autobauer nun nicht mehr in den Top 25 vertreten. Das einzige Unternehmen aus Deutschland ist damit nun Siemens, wobei der Mischkonzern sich sogar um zwei Plätze verbessern konnte und nun auf dem 13. Platz rangiert.

Aus den Top 25 herausgefallen sind außer BMW auch PepsiCo, Heineken, Sanofi und Intel. Wieder zurückgekommen sind der spanische Textilkonzern Inditex und der texanische Tech-Konzern Dell. Ebenfalls ins Ranking geschafft haben es der Chiphersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), ein wichtiger Zulieferer etwa für Tech-Konzerne wie Nvidia und Apple, und Johnson Controls, ein weltweit tätiges Unternehmen für Gebäudetechnik mit Sitz in Irland, das aber ursprünglich aus den USA stammt. Den größten Sprung als Neuling macht allerdings der japanische Autobauer Toyota.

Die vier wahren Meister

Gartner hat die Supply Chain Top 25 bereits zum 22. Mal ermittelt. Seit 2015 gibt es auch eine „Masters“-Kategorie. Diese Konzerne gelten quasi als die Besten der Besten. Um als „Masters“ eingestuft zu werden, müssen Unternehmen in mindestens sieben der vergangenen zehn Jahre eine der fünf Top-Bewertungen erreicht haben. Amazon, Apple, Procter & Gamble (P&G) und Unilever haben in diesem Jahr alle ihren Status in der Kategorie „Masters“ behalten.

Amazon punktet laut Gartner vor allem mit einer kundennahen und technologisch stark unterstützten Logistik. Das Unternehmen lagert Bestände gezielt näher an den Kunden und baut zugleich seine Zustellkapazitäten in ländlichen Regionen aus, um Wachstum skalierbar zu machen. In den Distributionszentren setzt Amazon zudem auf neue Automatisierungslösungen wie „Vulcan“, einen Roboter mit Tastsinn, der die Mitarbeiter unterstützt. Auch in der Zustellung spielt Technologie eine immer größere Rolle bei dem E-Commerce-Konzern: smarte Brillen sollen Fahrern das Scannen, Navigieren und den Zustellnachweis freihändig ermöglichen. Als weiterer Pluspunkt wird die Elektrifizierung der Flotte genannt.

Apple stärkt seine Lieferkette laut Gartner durch eine breitere geografische Aufstellung der Produktion. Indem der US-Konzern Fertigung auf mehrere Regionen verteilt, vergrößert er seinen Handlungsspielraum und macht das Netzwerk robuster gegenüber geopolitischen Risiken und Störungen. Gleichzeitig treibt Apple die Diversifizierung bei kritischen Komponenten und Zulieferern voran, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgung abzusichern. In den Fabriken der Lieferanten sorgen Robotik und Automatisierung zudem für höhere Produktionserträge bei niedrigeren Montagekosten. Ergänzt wird das durch ein Reverse-Logistics- und Recovery-Netzwerk, das Materialien über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg besser zurückführt und wieder nutzbar macht.

Auch der US-amerikanische Konsumgüterkonzern P&G setzt auf eine Lieferkette, die stark daten- und technologiegestützt gesteuert wird. Fortschrittliche Planungstools und Echtzeitanalysen ermöglichen laut Gartner präzise Nachfrageprognosen. Zugleich nutzt das Unternehmen Automatisierung, agentische KI und eine unternehmensweite KI-Infrastruktur, damit Mitarbeitende Abläufe mit möglichst wenigen manuellen Eingriffen managen können. Mit seiner „One Supply Chain“-Philosophie stellt P&G zudem Resilienz, Agilität und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Nachhaltigkeitsziele werden dabei laut Gartner systematisch in Prozesse, Produkte und Partnerschaften eingebettet.

Unilever richtet seine Lieferkette auf vereinfachte Prozesse, schnelle Reaktionsfähigkeit sowie Nachhaltigkeit aus – und setzt dabei ebenfalls unter anderem auf KI-gestützte Abläufe. Gleichzeitig bereitet der Konsumgüterkonzern mit Sitz in London seine Beschäftigten mit Upskilling-Programmen wie „DigiOps“ auf neue Rollen in einer zunehmend autonomen Arbeitswelt vor, wie es heißt.

So wird man die Nummer eins

Schneider Electric belegt im globalen Supply Chain Ranking der Marktforscher von Gartner seit 2023 den ersten Platz. Tatsächlich hat die Pandemie bei dem Anbieter von Energie- und Automatisierungslösungen mit Sitz nahe Paris zu einem tiefgreifenden Wandel geführt: mehr Anpassungsfähigkeit, regionale Lieferketten, digitale Kontrolltürme und vorausschauendes Risikomanagement. Thierry Tricot, Senior Vice President Global Supply Chain Europe, erklärt im Gespräch mit der DVZ, wie der Konzern mit 20.000 Zulieferern, einer „Power of Two“-Strategie und neuen Technologien die Lieferkette widerstandsfähiger und klimafreundlicher gestaltet – und warum sich Nachhaltigkeit langfristig auch wirtschaftlich rechnet.

Anm. d. Red.: Diese Artikel erschien erstmals am 18. Juni 2026. Anlässlich der BVL Supply Chain CX im Oktober spielen wir den Beitrag mit dem aktuellen Veranstaltungshinweis noch einmal aus. 

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