Winterchaos als Stresstest für Lieferketten

Anhaltende Schneefälle sorgten bereits am Donnerstag für zahlreiche Verkehrsbehinderungen auf Straßen, Schienen und an den Flughäfen. Doch das dicke Ende soll erst noch kommen. Sorgen bereitet vor allem ein Sturmtief im Norden. VW stoppt in Emden die Produktion.

Wintereinbruch in Nordrhein-Westfalen mit dichtem Schneefall. Auf der Autobahn A3 bei Hilden, Höhe Rastanlage Ohligser Heide, läuft der Verkehr teilweise nur stockend. Foto: picture alliance / Jochen Tack

Bereits jetzt kommt es durch das extreme Winterwetter regional zu massiven Störungen im Straßen- und Bahnverkehr, aber flächendeckende, systemische Unterbrechungen von Güterströmen sind bislang nicht erkennbar. Allerdings deuten die Vorsorgemaßnahmen von Bahn und Behörden darauf hin, dass Lieferketten – insbesondere für zeitkritische Industrie- und Handelsverkehre in Norddeutschland – ab Donnerstagabend/Freitag deutlich unter Druck geraten können. Das geht aus regionalen Medienberichten hervor.

Straße

In mehreren Regionen kam es in den letzten Tagen zu witterungsbedingten Lkw-Unfällen und stundenlangen Autobahnsperrungen, etwa auf der A1 bei Hollenstedt (Landkreis Harburg) sowie weiteren Autobahnen in Norddeutschland und Bayern. Querstehende oder verunfallte Lkw blockierten teils komplette Fahrtrichtungen, Umleitungen und Staus führten zu erheblichen Verzögerungen im Güterverkehr. Versorgungsengpässe sind dadurch bislang nicht entstanden.

Auf der Autobahn 7 bei Hamburg ist die Anschlussstelle Volkspark gesperrt worden, weil Lastwagen dort wegen des Wetters nicht mehr weiterkommen. „Die Ausfahrt der Anschlussstelle Volkspark in Richtung Süden ist derzeit gesperrt. Mehrere Lkw haben sich dort festgefahren“, postete die Polizei auf der Plattform X.

Auf der Autobahn 27 bei Hagen im Bremischen geriet ein Lastwagen ins Schlingern, prallte gegen eine Leitplanke und verkeilte sich. Die Fahrerin wurde leicht verletzt, die Autobahn dort zunächst gesperrt. Die Polizei warnte, die Straßen seien stellenweise „sehr glatt“.

Mit Blick auf den morgigen Freitag (09.01.) warnen Meteorologen vor einer brisanten Mischung aus Schnee, gefrierendem Regen und Orkanböen, was das Risiko für erneute Sperrungen und Fahrverbote für Lkw insbesondere im Norden deutlich erhöht.

Schiene

Störungen des Schienenverkehrs betreffen derzeit zwar vorrangig den Personenverkehr, sind aber ein deutliches Signal. Im Schienengüterverkehr wird es sehr wahrscheinlich zu Verspätungen und Kapazitätseinschränkungen kommen. Besonders betroffen könnten Automobil- und Chemietransporte sein.

Luft- und Seeverkehr

Europaweit führen die anhaltenden Schneefälle zu Flugausfällen und -verspätungen. Einzelne deutsche Flughäfen sind in das übergreifende Störungsbild eingebunden.

Für See- und Feederverkehre an Nord- und Ostsee wird vor Sturmböen und Schneeverwehungen gewarnt, was temporäre Einschränkungen beim Fähr- und Kurzstreckenseeverkehr nach sich ziehen kann, etwa durch Hafensperrungen oder erschwerte Abfertigung. Bislang liegen jedoch keine Berichte über gravierende, mehrtägige Störungen in den Container- oder Massengutströmen in den deutschen Seehäfen vor; mögliche Verzögerungen dürften sich vor allem in den Vor- und Nachläufen, also auf Straße und Schiene, zeigen.

Folgen für Lieferketten

Kurzfristig sind vor allem Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Verkehre in der Automobil- und Zulieferindustrie, temperaturgeführte Waren (Lebensmittel, Pharma) sowie der Nonfood-Einzelhandel mit Aktions- und Saisonware störungsgefährdet, wenn sich Lkw-Staus und Bahnverspätungen am Freitag weiter zuspitzen sollten.

Wegen des erwarteten Sturmtiefs Elli lässt VW am Freitag in Emden die Produktion ruhen. Beide Schichten würden entfallen, die Bänder für einen Tag stillstehen, bestätigte ein Sprecher. Zuvor hatte die „Nordwest-Zeitung“ berichtet. Ein eigentlich für Ende Januar in Emden geplanter Ruhetag sei auf diesen Freitag vorgezogen worden. Grund sei die sich abzeichnende Wetterlage und daraus folgende Probleme für Mitarbeiter und Lieferketten. In Emden werden die Elektromodelle ID.4 und ID.7 gebaut. An allen anderen VW-Standorten werde die Produktion „nach jetzigem Strand“ normal laufen, fügte der Sprecher hinzu. Das gelte auch für das Stammwerk in Wolfsburg. Osnabrück und Zwickau seien derzeit ohnehin noch in der Produktionspause zum Jahreswechsel.

Systemische, bundesweite Lieferengpässe sind aktuell nicht absehbar; entscheidend wird sein, wie stark Schneeverwehungen und Orkanböen am Freitag tatsächlich ausfallen und ob es zu größeren, länger andauernden Ausfällen beispielsweise an Weichen, Oberleitungen oder der Stromversorgung kommt. (mit Material von dpa)

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