Chancen in unsicheren Zeiten

Verteidigung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Mit diesen Worten wandte sich Generalmajor Jochen Deuer, Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, an 180 Logistiker. Die Rolle der zivilen Wirtschaft ist dabei zentral und unverzichtbar.

Militärfahrzeuge der Bundeswehr werden im Rahmen der Bundeswehrübung Quadriga 24 für die spätere Verladung auf ein Fährschiff nach Litauen vorbereitet. (Foto: dpa)

Deutschland ist auch für multinationale Partner Drehscheibe der Logistik. „Und Sie werden dabei ein wesentlicher Player sein.“ Mit diesen klaren Worten richtete sich Generalmajor Jochen Deuer, Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, an 180 Unternehmer, die zur 1. DVZ Defence Logistics Conference nach Berlin gekommen waren. Einen Tag lang ging es am Montag der vergangenen Woche um globale Bedrohungen, hybride Angriffe auf Unternehmen, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und in dieser Gemengelage um die Rolle der Logistik.

Deuer ist in der Bundeswehr für das Gesamtkonzept Logistik, für Teilbereiche wie Depots und damit für die Versorgung der deutschen Kräfte im In- und Ausland zuständig. „Das bezieht alle Leistungen wie Transport, Ersatzteilversorgung, Instandsetzung von Fahrzeugen mit ein“, erklärt der Generalmajor. Er sei aber nicht allein verantwortlich. Es gebe noch Logistikanteile im Heer, in der Luftwaffe und in der Marine.

(Foto: Dierk Kruse)

 

„Verteidigung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Generalmajor Jochen Deuer, Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr.

Im Konfliktfall sind für Deuer drei Punkte wichtig: Einsatzfähigkeit, Verlegefähigkeit und Durchhaltefähigkeit. Doch die militärischen Kräfte seien begrenzt. Derzeit verfüge die Bundeswehr über 260.000 aktive und 200.000 nicht aktive Mitglieder. Zivile Logistikunternehmen seien für die Versorgung entscheidend. „Verteidigung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Deuer. Dafür sei für ihn wichtig zu wissen: „Wie belastbar sind am Ende Ihre Zusagen?“

Neben Deutschland als Drehscheibe steht für den Generalmajor die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands an erster Stelle. Wichtig für ihn ist eine planbare Finanzierung. Teile der 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr seien im vergangenen Jahr gut geflossen – für Transportfahrzeuge und Umschlaggerät.

Plattform für Dienstleister

Neben Geld ist aber auch Entbürokratisierung notwendig, merkte Hans Christoph Atzpodien an, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV). Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik hat in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem BDSV die Plattform SVI aufgesetzt und sie am 1. Januar 2026 scharf geschaltet. Dort können sich Unternehmen registrieren, die sich in den Lieferketten der Verteidigungsindustrie vernetzen und als potenzielle Lieferanten zur Verfügung stehen wollen.

Mehrmals während der Konferenz wurde 2029 als mögliches Jahr genannt, in dem Wladimir Putin in der Lage sein könnte, die NATO anzugreifen. Russland habe beim Angriff auf die Ukraine in der Logistik einen Fehler gemacht. „Den werden die nie wieder machen“, so Deuer. Deshalb sei er froh, dass sich die Bundeswehr nun besser vorbereite.

Nach seinem Vortrag und einer Podiumsdiskussion bildete sich eine lange Schlange am Rednerpult von Deuer, denn viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten offenbar großen Gesprächsbedarf und noch sehr viele Fragen.

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