Wenn Logistik mehr ist als Transport: Soziale Projekte und Initiativen aus der Branche

Ob Stammzellspende, eine mobile Herzklinik oder ein Lkw-Konvoi für Kinder: Unternehmen und Beschäftigte aus der Logistik nutzen ihre Netzwerke, Fahrzeuge und Zeit, um Menschen zu unterstützen. Ein Überblick über sieben Projekte und Initiativen.

Die DB beteiligte sich auch an einer Wanderfotoausstellung an deutschen Bahnhöfen, um für den Krieg in der Ukraine zu sensibilisieren. (Foto: DB / Reto Klar)

Logistik ist auf Zusammenarbeit angewiesen. Die dafür benötigten Strukturen und Kompetenzen kommen auch bei sozialen Projekten zum Einsatz. Die folgenden Beispiele zeigen, wie vielfältig das Engagement in der Branche ist.

Gemeinsam gegen Blutkrebs

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Der Verein „Blut transportiert“ vernetzt Logistikunternehmen im Kampf gegen diese und weitere Erkrankungen des blutbildenden Systems. Nach eigenen Angaben beteiligen sich inzwischen mehr als 60 Partnerunternehmen und Institutionen. Sie organisieren unter anderem Blutspenden, Stammzelltypisierungen und Informationsaktionen bei Messeauftritten oder auf Veranstaltungen. Auch Charity-Aktionen gehören zum Engagement.

Die Idee entstand aus einem persönlichen Schicksal. Vor rund 20 Jahren hat der Unternehmer Nicolas Gallenkamp seine Schwester an Leukämie verloren. Zwischen der Diagnose und ihrem Tod lagen nur wenige Monate. Sie wurde 19 Jahre alt. Ihr Tod veränderte alles. Gallenkamp, geschäftsführender Gesellschafter des Logistikdienstleisters Nosta, erkannte: Blut erfüllt im Körper dieselbe Aufgabe wie Logistik in der Wirtschaft – es versorgt und verbindet.

Die medizinische Versorgung herzkranker Kinder in Regionen mit mangelhafter Infrastruktur kann dank der mobilen Kinderherzklinik (MOHKI) erfolgen. (Foto: Kinderherzen)

Eine Klinik aus Containern

MOHKI ist die weltweit erste mobile Kinderherzklinik, die Kindern in Regionen ohne ausreichende medizinische Versorgung lebensrettende Herzoperationen ermöglichen soll. Im Rahmen einer Partnerschaft mit der deutschen NGO Kinderherzen e.V. transportierte DHL Global Forwarding die weltweit erste Einrichtung dieser Art im März 2025 nach Burundi. Sie besteht aus 14 20-Fuß-Containern und verfügt über Operationssäle, eine Intensiv- und eine Pflegestation, medizinisches Equipment, Solarpanels sowie die notwendige Infrastruktur für den Betrieb. Neben der akuten medizinischen Versorgung steht der nachhaltige Aufbau vor Ort im Mittelpunkt: Lokale Fachkräfte werden ausgebildet und medizinische Strukturen langfristig gestärkt.

Ein Konvoi für Kinder

Die Initiative „Bewegen mit Herz“ wurde 2014 von Kraftfahrerinnen und Kraftfahrern, ihren Familien und Freunden gegründet. Heute engagieren sich nach Angaben des Vereins mehr als 400 ehrenamtliche Mitglieder. Herzstück ist der jährliche Benefiz-Lkw-Konvoi „A Happy Day of Life“, bei dem benachteiligte Kinder aus Deutschland in wechselnden Bundesländern besondere Erlebnisse sammeln sollen. Neben den Konvois gehören auch Weihnachtsaktionen, Spendenaktionen für Einrichtungen sowie spontane Hilfseinsätze zur Vereinsarbeit. Möglich wird das durch das Engagement der Fahrerinnen und Fahrer sowie durch Partner aus der Transport- und Logistikbranche. Im nächsten Jahr findet der jährliche Konvoi in Baden-Württemberg statt.

Chancen für den Berufseinstieg

Nicht jedes soziale Engagement der Logistikbranche hat mit Transport zu tun. Go Teach ist ein 2010 gestartetes Jugendprogramm der DHL Group, das jungen Menschen – insbesondere aus benachteiligten Verhältnissen – bessere Bildungs- und Berufschancen eröffnen soll. Mitarbeitende unterstützen sie als Mentoren und Vorbilder, etwa mit Berufsorientierung, Bewerbungstraining und Einblicken in den Arbeitsalltag. Zum 15. Jubiläum hat DHL die Partnerschaften mit den SOS-Kinderdörfern und Teach For All bis 2030 verlängert; inzwischen ist Go Teach in 70 Ländern aktiv.

Ein Nachbarschaftsprojekt der Zufall Logistics Group. (Foto: Zufall Logistics)

Anpacken, wo Hilfe gebraucht wird

Mit ihren sogenannten Nachbarschaftsprojekten unterstützt die in Göttingen beheimatete Zufall-Gruppe Initiativen im direkten Umfeld ihrer Standorte. In Kassel halfen kürzlich beispielsweise rund 15 Mitarbeitende in einem Tierheim, indem sie mit den Hunden spazieren gingen und einen Lagerraum für Arbeitsgeräte und Materialien errichteten. Weitere Teams halfen unter anderem bei einem Sportfest zum Kindertag in Isseroda oder verteilten 20 Kubikmeter Hackschnitzel auf dem Außengelände der Freien Naturschule in Kandel.

Hilfe auf der Schiene

Eine Woche nach Beginn des russischen Angriffskriegs im März 2022 startete DB Cargo die „Schienenbrücke Ukraine“. Gemeinsam mit DB Schenker und dem Technischen Hilfswerk bündelte die Deutsche Bahn Spenden von Bürgern und Unternehmen und transportierte unter anderem Lebensmittel, Verbandsmaterial, Schlafsäcke, Zelte, Generatoren und Feuerwehrfahrzeuge. Die Güter wurden über das europäische Cargonetzwerk an die ukrainische Eisenbahn übergeben. Bis Ende 2023 transportierte DB Cargo nach Angaben der DB Hunderttausende Tonnen an Gütern in die Ukraine und aus dem Land heraus.

Rucksäcke für Kinder in Krisen

Der UPS-Pilot William „Bill“ Vaughan gründete 2022 nach einer Begegnung mit ukrainischen Familien am Kölner Bahnhof die Initiative „Operation BackPack4Kids“. Innerhalb von 30 Tagen sammelte er nach Angaben des Unternehmens 100.000 US-Dollar und mobilisierte mehr als 400 UPS-Mitarbeitende, die Rucksäcke mit Decken, Wasserflaschen, Hygieneartikeln und Spielzeug packten und an geflüchtete Kinder verteilten. Auch heute noch unterstützt „Operation BackPack4Kids“ weltweit Kinder, die durch Krieg, Naturkatastrophen und humanitäre Krisen aus ihrer Heimat verdrängt werden.

Mitarbeit: Kimberley Riese

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