Als erste Frau in der Werkstatt: „Irgendwer muss ja anfangen“

Kimberly Jolina Kies ist Fachkraft für Metalltechnik beim Containerspezialisten Cotac in Hamburg. Ein Praktikum machte aus einem Zufall eine berufliche Perspektive.

Kimberly Jolina Kies (links) führt DVZ-Redakteurin Amelie Bauer durch die Cotac-Räumlichkeiten. (Foto: Hoyer Group)

Manchmal beginnt eine berufliche Laufbahn mit einem glücklichen Zufall. Bei Kimberly Jolina Kies war es ein freier Schulplatz. Die 21 -Jährige aus Hamburg wollte eigentlich in den medizinischen Bereich, zuvor war sie im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in der Altenpflege tätig. Doch die Klasse an der berufsbildenden Schule war voll. Einen freien Platz gab es hingegen im Bereich Metallbau.

„Tatsächlich war das alles überhaupt nicht so geplant“, erinnert sich Kies, die heute als Fachkraft für Metalltechnik beim Containerspezialisten Cotac in Hamburg arbeitet, an ihre Berufsfindung. „Ich bin mitten im Schuljahr neu in die Klasse gekommen, quasi ein Sprung direkt ins kalte Wasser. Und dann stand plötzlich das Praktikum an – und hat alles verändert.“ Das zweiwöchige Pflichtpraktikum im Bereich Metallbau und Schlosserei führte sie zum Unternehmen Cotac, wo ihre Mutter in der Buchhaltung arbeitet, und schließlich zu der Erkenntnis: „Das will ich machen.“

Das Unternehmen

Cotac steht für „Complete Tank Care“. Das Unternehmen ist auf Dienstleistungen für ISO-Tankcontainer spezialisiert. Das Angebot reicht von der Reinigung, dem Heizen und Kühlen bis hin zu Reparaturen, Modifikationen und gesetzlichen Wiederholungsprüfungen. Das Unternehmen ist eine Tochter des Flüssiggüterspezialisten Hoyer und an zwölf Standorten in Europa, Asien und den USA vertreten.

Das Miteinander zählt

Vor allem der praktische Einblick in die Werkstatt habe ihr geholfen, die Entscheidung zu treffen. „Das Praktikum war wichtig, um reinzuschnuppern und zu sehen, wie die Leute sind. Man sollte sich nicht irgendwo reinstürzen, wo man sich nicht wohlfühlt“, ist die junge Frau überzeugt.

Auch heute ist das Miteinander für sie ein entscheidender Teil der Berufswahl: „Das Gehalt sollte natürlich stimmen. Aber am wichtigsten ist das Team. Die Gemeinschaft muss da sein – sonst macht der Job keinen Spaß.“ Bei Cotac, sagt Kies, habe sie „ein super Team erwischt, in dem alle aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit sind. Das ist sicher noch nicht überall so.“

Dass sie selbst ohne einschlägige Vorerfahrung in die Metalltechnik gekommen ist, versteht Kies als Ermutigung für andere: „Vorkenntnisse sind ein Pluspunkt, aber man lernt in der Ausbildung alles, was man für den Beruf braucht. Es ist nicht schlimm, wenn man als Einsteiger kommt.“ Die heute 21-Jährige wurde bei Cotac zur Fachkraft für Metalltechnik in der Fachrichtung Montagetechnik ausgebildet. Im Arbeitsalltag bedeutet das: Tankcontainer müssen geprüft, repariert und für ihren nächsten Einsatz sicher gemacht werden.

„Die Container müssen sicher sein – das ist der Hauptpunkt. Wir transportieren gefährliche Stoffe“, sagt Kies und fügt hinzu: „Wenn etwas nicht dicht ist und ein Produkt austritt, haben wir ein echtes Problem. Das ist das Herz des Unternehmens, und es muss perfekt funktionieren.“

Ihr Arbeitsalltag verbindet Routine mit neuen Aufgaben. Genau diese Mischung liegt ihr: ein Beruf mit Bewegung und Abwechslung statt eines klassischen Bürotags. Besonders angetan habe es ihr das Schweißen, auch wenn es kein offizieller Teil der Ausbildung war: „Das macht Spaß. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal zuschauen und dann selbst probieren durfte.“

Konzentration gehört dazu

Wer in der Werkstatt arbeitet, muss in erster Linie aufmerksam sein. Schutzkleidung und der richtige Umgang mit Werkzeugen sind ebenso wichtig wie der Blick für die Umgebung. Kies hat sich an die Maschinen herangearbeitet und mit der Zeit Sicherheit gewonnen. Das praktische Lernen habe ihr geholfen, ihren Platz zu finden.

Auch Florian Gruner, Operations Manager bei Cotac, war von Kimberlys positiver Art von Anfang an begeistert: „Als Auszubildende und nun als Mitarbeiterin erledigt Frau Kies ihre Aufgaben immer stets mit allerhöchster Sorgfalt, enormen Engagement und beeindruckender Eigeninitiative.“ Trotz „der Schwierigkeiten, die so eine Ausbildung anfänglich birgt“, habe sie „nie den Mut verloren“, sich „immer durchgekämpft“ und „mit ihrer stets positiven Energie immer wieder alle Steine aus dem Weg geräumt“.

Eine Frau unter Männern

Eine jener Herausforderungen war der Schritt in ein männerdominiertes Umfeld: Kies war in der Berufsschule und zunächst auch in der Werkstatt die einzige Frau. Abgeschreckt hat sie das nicht – auch wenn der Einstieg noch Hürden mit sich brachte: „Als ich anfing, gab es zum Beispiel noch keine Damenumkleide, die war gerade noch im Bau. Wir haben ein Besetzt- und Hinweisschild gebastelt, so dass ich vorübergehend die Herrenumkleide in der Bauphase mitbenutzen konnte.“

Mittlerweile gibt es in der Hamburger Cotac-Werkstatt noch eine zweite Frau. „Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, dass noch mehr Frauen in unser Team kommen“, so Kies. Auch anderen jungen Frauen möchte sie Mut machen: „Einfach trauen und ausprobieren. Man ist vielleicht die erste Frau – aber warum sollte man es nicht sein? Irgendwer muss ja anfangen.“

Wie sehr Kies inzwischen zum Team gehört, zeigt nicht zuletzt die persönliche Wertschätzung ihres Vorgesetzten Florian Gruner: „Wir sind alle enorm stolz auf unsere Kollegin und freuen uns jeden Tag, sie bei uns im Team zu haben. Sie ist ein echter Sonnenschein und ein enormer Mehrgewinn für unser Team.“

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