Globale Studie soll Dekarbonisierungslücken in der Logistik sichtbar machen

Die Kühne Logistics University (KLU) hat gemeinsam mit dem Kühne Climate Center die „Global Sustainable Logistics Survey 2026“ (GSLS26) gestartet. Die Umfrage soll den Stand der Dekarbonisierung im Logistik- und Transportsektor erstmals jährlich und global erfassen – nicht auf Unternehmens- oder Regierungsebene, sondern aus der Perspektive individueller Fachleute. Die Datenerhebung läuft derzeit und ist in rund zehn Sprachen verfügbar.
Ein zentrales Konzept der Studie ist der sogenannte „Supply-Demand-Gap“: Damit ist die Lücke zwischen dem gemeint, was Anbieter von Nachhaltigkeitslösungen – etwa Spediteure oder Reedereien – am Markt bereitstellen, und dem, was Nachfrager wie Verlader oder Einzelhändler tatsächlich verstehen und nachfragen. „Verstehen Verkauf und Einkauf diverse Nachhaltigkeitslösungen gleichermaßen? Warum gibt es Reibungen bei der Nachfrage nach Nachhaltigkeitslösungen?“, formuliert Johannes Meuer, Associate Professor of Sustainability Strategy and Operations an der KLU und Wissenschaftler am Center for Sustainable Logistics and Supply Chains, die Kernfragen der Studie.
Die Umfrage untersucht darüber hinaus Kompetenzlücken innerhalb von Unternehmen, um Hebel für Personalentwicklung und strategische Planung zu identifizieren. Dabei stehen auch regionale Unterschiede im Dekarbonisierungsfortschritt im Fokus. Die Forscher erwarten erhebliche Abweichungen zwischen den einzelnen Märkten, die durch unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, die Verfügbarkeit von Infrastruktur und den wirtschaftlichen Entwicklungsstand bedingt sind. Meuer betont: „Wir ‚leiden‘ an einem stark eurozentrischen Blick auf Dekarbonisierung. Unsere Studie hilft, strukturelle Ungleichheiten sichtbar zu machen.“
Die GSLS26 ist eine offizielle Beitragsinitiative zur UN-Dekade für nachhaltige Mobilität (2026–2035), die im November 2025 in New York ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen dieser Partnerschaft hat sich die KLU verpflichtet, die erhobenen Daten nach Aufbereitung auch für externe Forschungszwecke zugänglich zu machen. Das jährliche Erhebungsformat soll dabei nicht nur Momentaufnahmen liefern, sondern auch messbar machen, welche Fortschritte gegenüber dem Vorjahr erzielt wurden – und so eine Grundlage für gezielte Interventionen in Unternehmen und in der Politik schaffen. (fw)


