KI ist größter Schmerzpunkt

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Digitalisierung ist in der Breite der Unternehmen angekommen. Die rasante Entwicklung bei künstlicher Intelligenz setzt Logistik- und Supply-Chain-Manager jedoch zunehmend unter Zugzwang.

Foto: gorodenkoff/iStock

Logistiker und Verlader stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen ihre Prozesse digitalisieren und zugleich ihre Daten und Systeme gegen die zunehmenden Cyberrisiken absichern. Wie weit Unternehmen dabei sind, zeigt die aktualisierte Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“ – eine Erhebung im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BVL), erstellt von Forschenden der TU Hamburg und der Hochschule Heilbronn. Demnach prägen Cybersicherheit, Digitalisierung, Kostendruck und deutlich zunehmend auch KI die strategische Agenda.

Weit oben stehen zudem die Trends Automatisierung, Business Analytics sowie Supply-Chain-Transparenz – und damit letztlich weitere Digitalisierungsthemen. In die Studie flossen die Antworten von 202 Logistik- und Supply-Chain-Verantwortlichen aus den Sektoren Industrie, Handel und Dienstleistung, wobei Unternehmen aller Größenklassen berücksichtigt wurden.

KI steht im Fokus

Der Top-Aufsteiger gegenüber der vorherigen Erhebung von 2023 ist KI (siehe Tabelle unten). Künstliche Intelligenz hat aber nicht nur sehr schnell an Relevanz gewonnen, sondern erweist sich zugleich als größter Schmerzpunkt – oder anders ausgedrückt: Hier sehen die Unternehmensvertreter den größten Aufholbedarf. Damit werde KI zum zentralen Investitionsfeld, schreiben die Studienautoren. Generative KI verzeichnet bei den Technologien den stärksten Zuwachs in Sachen Relevanz und Nutzung. Etwas mehr als zwei Drittel der Unternehmen planen in den nächsten fünf Jahren die Einführung oder Skalierung von maschinellem Lernen und/oder generativer KI.

Weiteres Ergebnis: Predictive Analytics, also die systematische Analyse von Daten zur Vorhersage künftiger Ereignisse – entwickelt sich zur Schlüsseltechnik: Predictive Analytics ist 2025 die Technologie mit der höchsten Relevanz, wobei sie bislang nur ein geringer Anteil der Unternehmen umfassend nutzt, nämlich nur rund 10 Prozent. Bei diesem Zehntel kann Predictive Analytics unterstützen, künftige Bedarfe, Engpässe oder Störungen frühzeitig datenbasiert zu erkennen. „Dies stärkt nicht nur die Resilienz der Lieferketten, sondern ermöglicht auch nachhaltigere Entscheidungen, etwa durch effizientere Ressourcennutzung und das Vermeiden unnötiger Transporte“, schreiben die Forscher.

Toprisiko Cyberattacken

Auffällig ist: Die Top-Digitalisierungstrends sind zugleich auch Top-Schmerzpunkte. Cybersicherheit wird dabei noch als vergleichsweise gut beherrschbar wahrgenommen. Wie widerstandsfähig die Unternehmen tatsächlich gegen Angriffe sind, darüber gibt die Studie allerdings nicht wirklich Aufschluss. Das Bewusstsein für die Gefahren scheint aber definitiv vorhanden zu sein: So bewerten 86 Prozent der Unternehmen das Risiko von Cybervorfällen und Datenpannen in den nächsten fünf Jahren als hoch oder sogar sehr hoch.

Systematisches Vorgehen

Bei den Ansätzen zur Umsetzung der Digitalisierung zeigt sich ein geteiltes Bild. So treiben etwa zwei Drittel die Transformation systematisch voran, etwa die Hälfte davon gehe sogar ganzheitlich vor, Change Management inklusive. Das restliche Drittel der Unternehmen setzt bisher eher unsystematisch Einzelmaßnahmen um.

Besonders erschwert wird die Transformation weiterhin durch fehlende personelle Ressourcen. „Viele Unternehmen verfügen schlichtweg nicht über genügend Mitarbeitende, um neben dem operativen Tagesgeschäft digitale Projekte konsequent voranzutreiben“, schreiben die Studienmacher. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten sehen zudem in der eingeschränkten Verfügbarkeit und Qualität von Daten das größte Hemmnis. Das Teilen von Transport-, Qualitäts- und Wareneingangsdaten sei bereits weit verbreitet und bilde eine zentrale Grundlage für transparente, resiliente und vorausschauend gesteuerte Supply Chains. Bei dem Austausch von Bestandsdaten und Bedarfsprognosen sowie Daten über Materialflussstörungen und Nachhaltigkeitsdaten bestehe aber weiterhin größter Handlungsbedarf, heißt es.

Auch Systeminkompatibilitäten, hohe Kosten und eine unzureichende strategische Priorisierung verhindern in vielen Unternehmen eine konsequente und skalierbare digitale Transformation.

 

 

68

Prozent der Unternehmen werden in den nächsten fünf Jahren an der Einführung und/oder Skalierung von KI arbeiten.

Quelle: Studie „Trends und Strategien“

Spürbare Fortschritte

Den Umsetzungsstand bei der digitalen Transformation schätzen die Manager in ihren Unternehmen als „mittel“ ein. Auf einer Skala von 0 (keine) bis 100 Prozent (vollständige Transformation) ergibt sich anhand der Bewertungen ein Durchschnittswert von 52,3 Prozent. Zum Vergleich: 2023 waren es noch 48,1 Prozent. Der Fortschritt von 4,2 Prozentpunkten erscheint eher klein. Die digitale Transformation ist den Studienmachern zufolge aber in der Logistik und im Supply Chain Management fest etabliert und schreitet auch in der Breite spürbar voran. Nicht vergessen werden darf dabei zudem, dass die Anforderungen von Jahr zu Jahr durch die rasante technische Weiterentwicklung sehr schnell viel größer werden. Damit ist der Fortschritt bei der Umsetzung auch immer eine Frage der Geschwindigkeit.

Die Studie unterstreicht letztlich: Ohne Daten keine Digitalisierung, ohne Digitalisierung keine skalierte KI – und ohne Cybersecurity wird beides zum Risiko. Unternehmen wissen um die Relevanz, doch die größten Hebel liegen offenbar weniger in der nächsten Software oder im nächsten KI-Tool, sondern in der Datenverfügbarkeit, einem sauberen Datenaustausch entlang der Lieferkette und belastbaren Sicherheits- und Reaktionsmechanismen.
 

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