Hylane strebt europaweite Marktführerschaft an

Seit Dezember vergangenen Jahres bildet der Infrastrukturinvestor Palladio Partners zusammen mit der DEVK ein Joint Venture und ist bei dem auf emissionsfreie Lkw-Vermietung spezialisierten Anbieter Hylane eingestiegen. Dem Unternehmen steht damit ein dreistelliger Millionenbetrag zum Flottenausbau zur Verfügung. „Wir sehen gerade ein extremes Momentum im Markt – die Entwicklung weg vom Diesel-Lkw hin zu emissionsfreien alternativen Antrieben. Daher war es für uns wichtig, jetzt die Basis für weiteres Wachstum zu schaffen“, erklärt Sara Schiffer, Geschäftsführerin von Hylane, warum das Unternehmen im letzten Jahr nach einem Investmentpartner gesucht hat.
In einem wettbewerblichen Vergabeverfahren konnte sich Palladio Partners gegen die Mitbewerber durchsetzen. „Wir haben nach einem Partner gesucht, der ‚Smart Capital‘ mitbringt – also nicht nur Kapital, sondern auch die entsprechende Expertise und Praxiserfahrung, um ein Unternehmen in unserem Markt groß zu machen. Und genau das hat Palladio uns angeboten“, berichtet Schiffer.
Skalierung im Heimatmarkt
Die unmittelbaren Pläne der Zusammenarbeit sehen eine Skalierung im Heimatmarkt Deutschland vor sowie einen Ausbau in den Niederlanden, wo im letzten Jahr eine erste Tochtergesellschaft außerhalb Deutschlands gegründet wurde. „Dort geht bald das erste Fahrzeug auf die Straße“, freut sich die Hylane-Geschäftsführerin.
Die derzeit 150 Fahrzeuge umfassende Flotte emissionsfreier Lkw soll mit Hilfe des Investments bis 2030 auf eine vierstellige Zahl wachsen. Dabei verfolgt das Unternehmen einen technologieoffenen Ansatz, der von Palladio zu 100 Prozent unterstützt wird. „Technologieoffenheit bietet enorme Chancen dadurch, dass Kunden individuell bedient werden können, die je nach den Gegebenheiten vor Ort batterieelektrische oder Wasserstoff-Lkw nachfragen“, führt Steffen Reeser, Partner bei Palladio Partners, aus.
Gerade bei Elektro-Lkw gebe es derzeit eine sehr dynamische Entwicklung im Markt, da auch emissionsfreie Fahrzeuge mittlerweile häufig schon zu Diesel-TCO (Total Cost of Ownership) betrieben werden können. „Die Branche kommt gerade in eine Phase, in der sich auch emissionsfreie Fahrzeuge – egal ob wasserstoff- oder batteriebetrieben – nicht nur in nachhaltiger Sicht, sondern auch wirtschaftlich rechnen“, erklärt Reeser. Und letztendlich sei das für viele Kunden immer noch der ausschlaggebende Punkt: „Das Spiel entscheidet sich am Ende des Tages nicht über die Nachhaltigkeit, sondern über Kosten und Skaleneffekte.“
Wir kommen in eine Phase, in der sich auch emissionsfreie Lkw rechnen. Steffen Reeser, Partner bei Palladio Partners
Leasingmodelle gewännen derzeit an Interesse. „Wir beobachten im Markt, dass Unternehmen asset-light bleiben und Risiken auslagern wollen“, berichtet Schiffer. Hylanes Pay-per-Use-Modell sei daher auch weiterhin der richtige Weg.
Gesamtpaket für emissionsfreies Fahren angestrebt
In Zukunft möchte Hylane gemeinsam mit Palladio und eventuell weiteren Partnern auch den Aufbau von Tank- und Ladeinfrastruktur anbieten. „Bei emissionsfreien Lkw muss auch immer das ganze Ökosystem an Tank- und Lademöglichkeiten mitgedacht werden, da die vorhandene Infrastruktur meist noch nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb ausreicht“, sagt Schiffer. In Gesprächen mit Logistikern habe Schiffer schon oft gehört, dass erst die Infrastruktur gegeben sein muss, bevor über emissionsfreie Lkw nachgedacht werde. „Daher sind wir gerade schon dabei, zu überlegen, wie zukünftig eine Art Gesamtpaket bestehend aus emissionsfreien Lkw und Infrastruktur möglicherweise aus dem Fonds heraus oder durch die Bereitstellung der nötigen Kontakte für Partnerschaften realisiert werden kann“, gibt Reeser Einblick in die Pläne für eine Erweiterung des Hylane-Angebots.
In jedem Fall wolle Hylane weiterhin sowohl große als auch kleine und mittelständische Logistikunternehmen bedienen. „Nur weil der große Investor einsteigt, heißt das nicht, dass jetzt nur noch große Player als Kunden beachtet werden“, betont Reeser. Auch Palladio setze bewusst auf den deutschen Mittelstand, da dieser das „Rückgrat der Logistikbranche“ sei.
Expansion in Europa
Weitere Niederlassungen in anderen Ländern Europas seien in Zukunft nicht ausgeschlossen, vor allem da international aufgestellte Kunden bereits Interesse bekundeten. „Zunächst wollen wir allerdings eine ausreichende Marktdurchdringung in Deutschland und den Niederlanden aufbauen, bevor wir uns anderen europäischen Märkten zuwenden“, so Schiffer. Für junge Unternehmen ist es ihrer Meinung nach wichtig, nicht zu viel auf einmal anzugehen. „Deswegen haben wir uns auch zunächst nur auf Wasserstoff-Lkw als emissionsarme Antriebstechnologie konzentriert. Jetzt, da wir Wasserstoff beherrschen, konnten wir uns auch Elektro-Lkw zuwenden“, erläutert die Geschäftsführerin.
Der langfristige Plan sei aber ganz klar, Hylane zum europaweiten Marktführer im Zero Emission Leasing von Trucking-Lösungen aufzubauen, betonen sowohl Sara Schiffer als auch Steffen Reeser. „Bei der Auswahl weiterer Expansionsmöglichkeiten achten wir auf drei Kriterien: Wie gut ist die Infrastruktur bereits aufgebaut? Wie hoch ist die Nach frage nach emissionsarmen Antriebstechnologien? Und welche Förderprogramme gibt es in den jeweiligen Ländern?“, so Schiffer. Reeser nennt auf Nachfrage der DVZ Benelux, Spanien, Frankreich, Italien, Skandinavien, Polen und die Ukraine – „nach einem hoffentlich baldigen Ende des Krieges“ – als mögliche Länder, wo sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt über eine Expansion nachgedacht werde.


