Trotz Niedrigwassers: Thyssenkrupp hält Produktion am Laufen

Trotz des extremen Niedrigwassers erhält das Duisburger Stahlwerk von Thyssenkrupp weiterhin Rohstoffe über den Rhein per Schiff. „Die Kundenversorgung ist nicht gefährdet“, sagte Finanzvorstand Axel Hamann bei der Vorlage der Neunmonatszahlen. Zur weiteren Entwicklung des Niedrigwassers und dessen Auswirkungen auf die Versorgung habe man eine Taskforce gebildet.
Wenn sich die Situation wirklich verschlimmere und die Schifffahrt zum Erliegen komme, könne er einen Effekt auf den Unternehmensertrag nicht ausschließen, so Hamann. „Wir haben natürlich ein paar Möglichkeiten, die Produktion, die Fahrweise unserer Anlagen ein Stück weit anzupassen, um mit den Beständen, die wir haben, länger arbeiten zu können.“ Man habe auch noch Alternativen zur Anlieferung per Schiff. So würde man mehr auf die Bahn setzen. Geprüft werde auch, wie viel über die Straße kommen könne. „Wir sind weit davon entfernt, irgendwelche Hochöfen erkalten zu lassen“, betonte er.
Thyssenkrupp erhält nach eigenen Angaben täglich 50.000 bis 60.000 Tonnen Rohstoffe per Schiff, vor allem Erz und Kohle. „Im Normalbetrieb decken wir rund 5 Prozent unseres Bedarfs an Erz und Kohle über die Schiene ab“, sagte eine Sprecherin. Um die Auswirkungen der aktuellen Lage abzufedern, habe man das Transportvolumen auf der Schiene gegenüber dem Regelbetrieb etwa verdoppelt.
BWVL: Eigenlogistik trägt zur Resilienz bei
Der Branchenverband BWVL hebt den besonderen Wert der Eigenlogistik hervor. Unternehmen mit eigenen Fahrzeugen, eigenem Fahrpersonal und eigenen logistischen Strukturen seien nicht ausschließlich auf kurzfristig verfügbare Kapazitäten am Transportmarkt angewiesen, erklärt BWVL-Hauptgeschäftsführer Markus Olligschläger.
Eigenlogistik sei ein wichtiger Baustein resilienter Lieferketten. Eigene Kapazitäten könnten Unternehmen dabei helfen, ihre Versorgung zumindest teilweise selbst abzusichern, wenn am Markt kaum noch zusätzliche Transportkapazitäten verfügbar seien, betont Olligschläger.
Wie andere Straßengüterverkehrsverbände auch zweifelt er daran, dass das Aussetzen von Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen sinnvoll sei. Ausfallende Binnenschiffskapazitäten ließen sich nur eingeschränkt auf andere Verkehrsträger verlagern. Das gelte insbesondere für Massengüter, deren Mengen nicht kurzfristig durch Lkw oder Bahn ersetzt werden können. Bei Großraum-, Schwer- und Gefahrguttransporten kommen laut Olligschläger infrastrukturelle und regulatorische Grenzen hinzu. Auch im Straßengüterverkehr seien die verfügbaren Kapazitäten begrenzt. Zusätzlicher Laderaum und Fahrpersonal stehe kurzfristig nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, und die Ferien- und Urlaubszeit verschärfe die Situation zusätzlich.
BWVL fordert einheitliche Regeln und zentrale Information
Kurzfristige Sonderregelungen sollten nach Auffassung des BWVL möglichst bundesweit beziehungsweise länderübergreifend einheitlich, zeitlich befristet und unbürokratisch ausgestaltet werden. Zugleich merkte Olligschläger an, das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) als zentrale Informations- und Koordinierungsstelle einzubinden. Unternehmen müssten schnell und verlässlich erkennen können, welche Sonderregelungen wo, für welche Verkehre und für welchen Zeitraum gelten. (dpa/sl)


