Lutz Lauenroth: Immer nah dran und auf Augenhöhe

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – für Lutz Lauenroth bedeutet das: Der langjährige stellvertretende Chefredakteur startet in eine Zeit ohne die DVZ. Ende dieses Monats geht der allseits geschätzte Fachjournalist in Rente. Er hinterlässt eine Lücke – in der Redaktion wie auch in der Logistikbranche.
Fast 42 Jahre hat er recherchiert, berichtet, eingeordnet und kommentiert. Er hat exklusiven Nachrichten nachgejagt, die Logistikwelt bereist und die Veränderung der Branche über vier Jahrzehnte hautnah begleitet. Dabei hat er stets einen nüchternen Blick behalten, sich nicht vereinnahmen lassen und eines an die erste Stelle gestellt: die Informationsbedürfnisse der DVZ-Leserinnen und -Leser.
Er hatte in all den Jahren einen untrüglichen Kompass dafür, was wirklich zählt in der stark mittelständisch geprägten Transport- und Logistikbranche. Die Top-Personalie aus der Stückgutbranche war ihm stets näher als große Namen, die handfeste Übernahmemeldung war ihm wichtiger als die neueste Trendgeschichte. Damit hat er die Ausrichtung der Fachzeitung und viele Kolleginnen und Kollegen geprägt.
Sohn eines Spediteurs
Dieses Schnörkellose liegt auch in seiner Vita begründet. Lauenroth ist der Sohn eines Spediteurs und Güterkraftverkehrsunternehmers. Er ist selbst gelernter Speditionskaufmann, seine Ausbildung absolvierte er von 1979 bis 1981 bei der Firma Hermann Ludwig in Bremen. Selbstverständlich hatte er einen Führerschein Klasse II und fuhr für den elterlichen Betrieb, wenn Not am Mann war.
Nach der Ausbildung zog es ihn zunächst an die Uni, zum Jura-Studium. Nach einem Jahr wusste er allerdings, dass Planen-Lkw dann doch eher sein Ding waren als Paragrafen. Es folgte ein zweijähriges Betriebswirtschaftsstudium an der Deutschen Außenhandels- und Verkehrs-Akademie (DAV). Es wäre auch eine gute Grundlage für die Übernahme des elterlichen Betriebes gewesen, schlussendlich entschied sich Lauenroth aber für den Fachjournalismus. Am 1. November 1984 begann er bei der DVZ als Redakteur.
Sein erstes Themenfeld bot ihm gleich die weite Welt: Seeschifffahrt und Seehäfen sowie die Betreuung der damals noch regelmäßig veröffentlichten Nordamerika-Seiten in der DVZ. Auch die internationale Spedition beschäftigte ihn. 1990 kam ein landgebundener Verkehrsträger hinzu: Binnenschifffahrt und Binnenhäfen. Dort ist er bis heute ein geschätzter Ansprechpartner und Moderator von Branchenveranstaltungen.
Von 2003 bis 2005 wirkte Lauenroth als stellvertretender Chef vom Dienst. Es war der Einstieg in das Redaktionsmanagement und Vorbereitung für den nächsten Karriereschritt. Denn im Frühjahr 2005 wurde er stellvertretender Chefredakteur und verantwortete zudem fortan das Ressort Straßengüterverkehr in der DVZ. Zurück in die Zukunft, sozusagen.
In den vergangenen gut zwei Jahrzehnten hat Lauenroth die Berichterstattung über Straßengüterverkehr und Spedition geprägt wie sonst niemand. Er galt als hervorragend vernetzt, kenntnisreich und bis zum Schluss als sehr informationshungrig. Als Chefredakteur des wöchentlich erscheinenden Führungskräfte-Newsletters DVZ-Brief hat er dafür in den vergangenen Jahren ein journalistisches Gefäß selbst verantwortet, das ihm wie auf den Leib geschnitten war.
Lauenroth war bei Konzernmanagern und mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern gleichermaßen geschätzt. Er war zwar ein hartnäckiger Rechercheur und Nachfrager in Interviews, blieb dabei aber stets vertrauenswürdig und fair. Dies mag ein Grund gewesen sein, weshalb ihm manch einer Dinge erzählt hat, die andere nicht erfahren haben. Oft hat er früher Bescheid gewusst, als manchem lieb war, dieses Wissen aber nie missbraucht. Anhaltende vertrauensvolle Beziehungen zu den vielfältigen Branchenakteuren waren ihm stets wichtiger als eine knallige, aber flüchtige Headline.
Wichtige Formate initiiert
Als großen journalistischen Innovator hat sich Lauenroth selbst nie gesehen – und dabei doch Formate geschaffen, die für die DVZ prägend sind. Die stets im Frühjahr erscheinende Stückgutumfrage hat sich über die Jahre zu einer essenziellen Informationsquelle für alle Akteure in dem Logistiksegment entwickelt. Die im jährlichen Wechsel im Herbst stattfindenden DVZ-Konferenzen Stückgut-Symposium und Ladungsverkehrs-Forum tragen seine Handschrift. Zudem war er Laudator bei den DVZ-Branchen-Awards LEO.
Ein besonderes Faible hatte Lauenroth für die nächste Generation in Spedition und Logistik. Als langjähriger Juror des gemeinsam vom Logistikverband DSLV und der DVZ verliehenen Young Freight Forwarder Germany Award hat er manchem Nachwuchsspediteur auf den Zahn gefühlt. Auch dort hat er stets hartnäckig nachgefragt, sich nichts vormachen lassen und schlussendlich doch seine Begeisterung für die Branche und ihre Menschen zum Ausdruck gebracht.




