Iran-Krieg beeinträchtigt Handelsschifffahrt und Luftverkehr

Der Kriegsherd im Nahen Osten umfasst zentrale Seefahrtgebiete wie den Golf von Oman, den Persischen Golf, das Mittelmeer und das Rote Meer. Die Folgen für Lieferketten und Welthandel sind nicht absehbar. Die Lage im Überblick.

Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“: Die Vereinigten Staaten und Israel starteten am Samstagmorgen gemeinsame Angriffe auf den Iran. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Msgt. Kulani Lakanaria/U.S. Navy)

Der Krieg im Nahen Osten führt zu massiven Störungen in der Seeschifffahrt. Die Gemini-Kooperation von Hapag-Lloyd und Maersk setzt Transitfahrten durch die Meerenge Bab al-Mandab auf einem Dienst zwischen Indien, dem Nahen Osten und dem Mittelmeer bis auf Weiteres aus. Die betroffenen Reisen werden um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet. Der Dienst läuft bei Maersk unter der Bezeichnung ME 11 und bei Hapag-Lloyd als IMX.

Maersk und Hapag-Lloyd erklärten zudem, alle Schiffspassagen durch die Straße von Hormus bis auf Weiteres auszusetzen. „Infolgedessen kann es bei Diensten, die Häfen im Arabischen Golf anlaufen, zu Verzögerungen, Umleitungen oder Fahrplanänderungen kommen“, teilte Maersk mit.

CMA CGM wies alle Schiffe im Golf oder mit dem Ziel dorthin an, Schutz zu suchen. Zudem werde die Durchfahrt durch den Suezkanal bis auf Weiteres ausgesetzt, und die Schiffe würden über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet.

Kriegsrisiko-Zuschlag

Hapag-Lloyd erklärte, ab dem 2. März einen Kriegsrisiko-Zuschlag für Fracht von und in den Oberen Golf, den Arabischen Golf und den Persischen Golf zu erheben. Auch CMA CGM kündigte am Sonntag an, einen Notfall-Konfliktzuschlag für Fracht von und nach Irak, Bahrain, Kuwait, Jemen, Katar, Oman, den VAE, Saudi-Arabien, Jordanien, Dschibuti, Sudan und Eritrea sowie für den Rotmeerhafen Ain Sokhna zu erheben.

Am Montagmorgen kündigte Hapag-Lloyd zudem an, die Seefrachtraten von Nordeuropa nach Indien und in den Nahen Osten zu erhöhen. Diese Erhöhung gelte für Fahrten, die ab 1. April 2026 beginnen.

Die Mediterranean Shipping Company (MSC) teilte am Sonntag mit, dass sie alle Frachtbuchungen in den Nahen Osten bis auf Weiteres aussetzt. Sie habe alle Schiffe in der Golfregion sowie jene, die sich auf dem Weg dorthin befinden, angewiesen, zu sicheren Gebieten zu fahren. Die Kunden würden informiert, sobald weitere Details zu möglichen alternativen Häfen, in denen die Fracht entladen werden kann, bekannt werden.

Joe Kramek, Präsident und CEO des Verbands World Shipping Council, dem alle größeren Linienreedereien angehören, sagte: „Der Nahe Osten liegt an der Schnittstelle wichtiger globaler Handelsrouten. Wenn Dienste durch die Region ausgesetzt oder umgeleitet werden, beschränkt sich die Auswirkung nicht nur auf die unmittelbare Umgebung. Längere Fahrten und Änderungen der Netzwerkrotationen können zu Verzögerungen und Anpassungen der Fahrpläne auf den verbundenen Handelsrouten weltweit führen.“

Der Maersk-Konzern teilte zudem mit, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Katar zu Beeinträchtigungen seiner Dienstleistungen kommen kann. Demnach würden ab 2. März die Lagerhäuser in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Vorsichtsmaßnahme und gemäß den behördlichen Anweisungen geschlossen. „Auch unsere Partner im Luft- und Landverkehr sind von Beeinträchtigungen betroffen, die sich auf unseren Betrieb auswirken können“, hieß es weiter. Zudem würden die Büros an diesen Standorten bis auf Weiteres für alle außer den unverzichtbaren Mitarbeitern geschlossen. „Wir sind weiterhin online und telefonisch voll erreichbar und werden unser Möglichstes tun, um die Auswirkungen auf die Lieferketten unserer Kunden zu minimieren. Wir haben bei Bedarf Notfallpläne aktiviert“, teilte Maersk mit.

EU stärkt Einsatz gegen Angriffe auf Schiffe

Von dem Krieg gegen den Iran sind deutsche Reedereien mit zahlreichen Schiffen und Besatzungen direkt betroffen. In vielen Unternehmen liefen Krisensitzungen, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) mit. Schiffe würden – soweit möglich – aus Gefahrenzonen herausgeführt, umgeleitet oder warteten außerhalb der Risikogebiete auf neue Anweisungen. „Die aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten und auch die Schiffe deutscher Reedereien, vor allem aber die Menschen an Bord, unmittelbar“, sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. „Für viele unserer Mitgliedsunternehmen ist dies eine akute operative Krise, keine abstrakte geopolitische Entwicklung.“

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat am Sonntag ein Ende der Bedrohung durch den Iran für die Schifffahrt in der Straße von Hormus gefordert und dabei eine Verstärkung der EU-Marineoperation „Aspides“ angekündigt. Es werde ein starker Anstieg von Schutzanfragen registriert, sagte sie nach einer virtuellen Sitzung der EU-Außenminister: „Wir werden sie mit zusätzlichen Schiffen verstärken, um die maritime Sicherheit in der Region zu erhöhen.“

Frankreich werde in Kürze zwei zusätzliche Schiffe für die Operation „Aspides“ bereitstellen, sagte eine ranghohe EU-Beamtin am Abend in Brüssel. Das Land hat bereits heute einen Zerstörer für den Einsatz abgestellt, je ein weiteres Schiff stellen Italien und Griechenland. Die Einheiten sind unter anderem mit Flugabwehrsystemen ausgerüstet. 

Die Straße von Hormus ist einer der weltweit kritischsten Engpässe für die globale Energieversorgung sowie den Container- und Tankerverkehr. Durch die Meerenge werden täglich 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls und ein Viertel der globalen Erdgasfördermenge transportiert. Die Meerenge ist nur etwa 34 Kilometer breit, die Fahrrinne für Öltanker und Containerschiffe nur 7 Kilometer. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.

Angriff auf Schiffe im Golf von Oman

Der Öltanker „Skylight“ sei etwa neun Kilometer vor der omanischen Küste bei Musandam getroffen worden, meldete die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das omanische Zentrum für maritime Sicherheit am Sonntag. Dabei seien vier Personen verletzt worden. Die 20-köpfige Besatzung des Schiffs unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau sei evakuiert worden. 

Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) meldete einen weiteren Vorfall etwa 90 Kilometer nordöstlich der omanischen Hauptstadt Maskat. Ein Schiff sei von einem unbekannten Geschoss angegriffen worden, hieß es. Ein Brand im Maschinenraum sei mittlerweile unter Kontrolle. Weitere Details waren auch hier zunächst nicht bekannt.

Die Vorfälle ereigneten sich nahe der Straße von Hormus. Die iranische Nachrichtenagentur hatte am Samstag gemeldet, dass die iranischen Revolutionsgarden den Schiffsverkehr der strategisch wichtigen Meerenge eingeschränkt haben. Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt wurde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten, hieß es.

Westlich der Straße von Hormus verlaufen – zwischen Israel, der arabischen Halbinsel und Nordostafrika – die stark frequentierten Seewege durch das Rote Meer mit der Meerenge Bab al-Mandab und dem Suezkanal, so der VDR. Diese Verbindung zähle zu den wichtigsten Handelsachsen zwischen Europa und Asien.

Die Kombination aus militärischer Eskalation im Umfeld des Persischen Golfs und anhaltenden Bedrohungen im südlichen Roten Meer schaffe ein durchgehendes Risikoband entlang zentraler Seehandelsrouten zwischen Europa und Asien. Es drohe eine weitere Ausweitung des Konflikts mit erheblichen Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region.

Luftraum weiträumig geschlossen

Iran, Irak, Israel, Bahrain, Katar, Kuwait sowie die Vereinigten Arabischen Emirate inklusive Dubai und Abu Dhabi haben ihren Luftraum ganz oder teilweise gesperrt. Die Flughäfen in Dubai, Doha und Abu Dhabi haben ihren regulären Betrieb weitgehend eingestellt.

Lufthansa und ihre Frachttochter LH Cargo haben den Flugverkehr in die Region stark eingeschränkt. So seien die Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran bis einschließlich 8. März ausgesetzt, teilte LH Cargo am Sonntag mit. Ebenfalls bis dahin würden folgende Lufträume nicht genutzt: Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Qatar, Kuwait, Bahrain, Dammam und Iran. Ausgesetzt seien ferner bis Mittwoch, 4. März, Flüge von und nach Dubai und Abu Dhabi. Der gesamte Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate werde bis dahin nicht genutzt. Und für die Destinationen Dubai (DXB, DWC), Abu Dhabi und Riad gelte ferner ein Embargo für Export, Import und Transit.

Qatar Airways Cargo bestätigte die vorübergehende Einstellung seiner Flüge von und nach Doha aufgrund der Sperrung des Luftraums über Katar. Frachtflüge, die nicht über Doha führen, würden wie geplant abgewickelt. „Sobald der normale Betrieb wieder aufgenommen wird, rechnen wir mit Verspätungen in unserem Flugplan“, teilte die Fluggesellschaft zudem mit.

Oman Air Cargo weist aufgrund der derzeitigen Sperrung des Luftraums in der Region auf Betriebsstörungen hin, die sich auf einige Dienste innerhalb der Golf-Kooperationen auswirken. „Die Dienste nach Europa und in den asiatisch-pazifischen Raum finden weiterhin planmäßig statt, wobei bei Bedarf Umleitungen vorgenommen werden und es in einigen Fällen zu geringfügigen Verspätungen kommt“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Als Vorsichtsmaßnahme wurde die Beförderung verderblicher Güter vorübergehend eingeschränkt, während der allgemeine Frachtbetrieb normal weiterläuft. Es wurden zusätzliche betriebliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Sicherheit der Mitarbeiter, Kunden und Sendungen zu gewährleisten, die für das Unternehmen weiterhin oberste Priorität haben, heißt es weiter. (dpa/rok/ol/sr/cs)

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