Containerverkehre: Die Box wird schlau

Lange Zeit waren Wechselbrücken Black Boxes – Stahlbehälter, die mehr oder weniger gut ausgelastet im Transportsystem von Logistikdienstleistern kursierten. Nicht selten landeten solche Behältnisse zwischen ihren Einsatzzielen im Nirgendwo am Straßenrand, während Disponenten nach den ‚aufgestelzten‘ Kisten suchten wie nach der Nadel im Heuhaufen. Doch Stahl ist heute knapp. Und jeder WAB heiß begehrt.

Foto: Istock

Beim Trailer sind Telematiklösungen schon lange als Steuerinstrument für effizientes Tourenmanagement im Einsatz. Jetzt rüsten aber Transsportunternehmen auch das mobile Transportequipment mit Hochdruck nach. Wir können es uns nicht leisten, Zeit mit der Suche nach unseren Wechselbrücken zu verschwenden und dringend benötigten Laderaum ungenutzt zu lassen“, sagt zum Beispiel Christoph Kersting, Geschäftsführer von Kersting Transport aus Witten. Von den über 100 Stahlboxen, die der KEP-Dienstleister bei der Seaco International Leasing angemietet hat, sind daher nahezu alle Boxen mit Telematikeinheiten ausgerüstet.

Der Boom im E-Commerce beschert den Kep-Dienstleistern nicht nur ein außergewöhnliches Mengenwachstum, sondern auch eine hundertprozentige Auslastung. Die Folge: Wechselbrücken für den Transport von Paketen zwischen den Depots sind Mangelware. Und aufgrund der globalen Stahlknappheit auch ein Problem für die produzierende Industrie. Bis zu fünf Monate müssen Kunden mittlerweile bei marktbekannten Herstellern auf eine neue Wechselbrücke warten.

Eine Lösung des Problems liegt darin, vorhandenes Equipment besser auszulasten. Das wirkt sich auch auf die technischen Anforderungen von Wechselbehältern aus.

„Wir haben große Paketdienste als Kunden, für die mittlerweile jede Wechselbrücke, die wir bereitstellen, ausschließlich mit Telematik vom Hof geht“, sagt Stephan Richter, Direktor Nationale Vermietung bei Seaco International Leasing. Mehr als 13.000 Einheiten hat das Hamburger Unternehmen in Deutschland und Österreich im Markt. Die Nachfrage nach Telematiklösungen steige seit drei Jahren kontinuierlich, berichtet Richter. Wer seine Wechselbrücken nicht mit GPS-Sendern ausgestattet hat, dem falle es nicht nur schwer, den aktuellen Standort seines Equipments zu bestimmen. Auch die zeitnahe Bedarfsplanung sei im Grunde nicht zu machen.

Ohne Bewegungsortung keine Digitalisierung

„Ohne Bewegungsortung ist keine Digitalisierung der Kernabläufe in Logistikunternehmen möglich“, sagt Stefan Heimerl, Vorstand der Mecomo AG. Dies gelte für Trailer und Wechselbrücken gleichermaßen, nur, dass die GPS-Ortung von Trailern in den vergangenen Jahren schneller vorangeschritten sei. Der Anbieter von Telematiklösungen für „nicht stromversorgte Logistikobjekte“ sieht den Container zunehmend als intelligenten Baustein der digitalen Informations- und Prozesskette. „Die Logistiker wollen das Tourenmanagement weiter optimieren und durch Sensoren auch den Ladezustand der Wechselbrücke digital erfassen“, so Heimerl.

Er geht davon aus, dass die Box in Zukunft noch sehr viel schlauer werden wird. „Erwartet werden exakte Verladetorzuordnungen, damit autonome Stapler in den Depots die richtigen Logistikobjekte verladen.“ Kunden würden zukünftig darüber hinaus auch die Bewegungsortung von Ladungsträgern wie Corletten, IBC oder Paletten innerhalb des Depots bis zum Abladen am Zielort erwarten.

Möglichkeiten dank KI

„In international vernetzten, modularen Supply-Chain-Prozessen wird es immer wichtiger, zu wissen, wo sich die Ware befindet und noch viel wichtiger, in welchem Zustand sie wann ankommt“, sagt Jens Zeller, Geschäftsführer von Idem Telematics. „Um in diesen Transportprozessen Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten, ist eine Online-Überwachung der einzelnen Transportbehältnisse und Transportpartner unverzichtbar.“ Damit meint Zeller auch die durchgehende Kontrolle über Verkehrsträger, Ladevorgänge und Transportmittel hinweg: „Mit dem Wissen, wo sich die Ware befindet, können operative Entscheidungen besser getroffen werden.“

Keinen Zweifel haben die Telematik-Spezialisten daran, dass sich die durchgehende Vernetzung und Digitalisierung der Transportmanagementprozesse weiter beschleunigen wird: „Die Kundenanforderungen nach Echtzeitverfolgung und sensorischer Warenüberwachung werden steigen“, beobachtet Mecomo-Chef Heimerl. Ins Spiel kommt dabei nach Ansicht von Idem Telematics immer stärker die künstliche Intelligenz. „KI gibt uns gerade in der Logistik ungeahnte Möglichkeiten“, betont Zeller. Käuferverhalten analysieren, Bedarfe früh und präzise ermitteln, Risiken rechtzeitig qualifizieren: „Ich glaube wirklich fest daran: Wir erkennen die vielfältigen Möglichkeiten der KI noch gar nicht. Deshalb forscht die ganze Welt auf diesem Feld“, so Zeller. Prozesse könnten besser geplant werden, wenn Schnittstellen beherrscht und verstärkt künstliche Intelligenz genutzt werde.

Bis zu 15 Prozent weniger Kosten

Und wie rechnet sich Telematik für Wechselbrückenflotten? „Im ersten Jahr der Einführung können bei größeren Wechselbrückenflotten 10 bis 15 Prozent der Kosten reduziert werden, weil zum Beispiel der Bestand besser genutzt und dadurch weniger Wechselbrücken angeschafft werden müssen“, schätzt Heimerl. Mittelfristig lägen die größten Optimierungspotenziale in der Verbindung des Telematikportals mit den Backendsystemen des Logistikers wie beispielsweise TMS- und ERP-Systemen. Dadurch werden das Tourmonitoring, automatische Rechnungsauslösung und viele andere digitale Workflows möglich.

Auch Idem Telematics beziffert den Effizienzgewinn mit durchschnittlich 15 Prozent, dank Echtzeitinformation ließe sich die Auslastung sogar um 20 Prozent erhöhen. „Telematik ist mehr und mehr Standard und zunehmend unverzichtbar“, betont Zeller, dessen Unternehmen über das „Internet of Transport“ Fracht, Fahrer und Fahrzeug – und damit auch die Wechselbrücke besser vernetzen will.

Bei Seaco International Leasing macht man Kunden den Zugang zu Lösungen, mit denen die Box in den digitalen Workflow von Transportprozessen integriert werden kann und damit schlauer wird, so einfach wie möglich. So liegt der Mehrpreis für eine Wechselbrücke, die mit einem solargetriebenen GPS-Sender ausgestattet ist, im Cent-Bereich. Auch die Nachrüstung sei jederzeit möglich. (ben)

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