Seidenstraßen-Verkehre: Hoffen auf Erholung nach Einbruch in 2022
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat unermessliches menschliches Leid gebracht, er hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und damit die Inflation befeuert, er hat Russland zum Paria gemacht – und er hat eine Erfolgsstory unterbrochen, die seit Jahren fleißig fortgeschrieben wurde. Die Verkehre auf der Seidenstraße zwischen China und Europa haben im vergangenen Jahr einen Dämpfer erhalten, betont Martin Koubek, Direktor für die Seidenstraßen-Verkehre und Zentralasien bei der Metrans in Prag.
Im Januar 2022 sei die Welt noch in Ordnung gewesen, blickt der Manager zurück. Die Mengen seien stabil gewesen und hätten sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegt. „Am 24. Februar hat sich dann aber die Welt geändert“, unterstreicht er. Die Mengen auf der Eisernen Seidenstraße hätten mehr oder weniger aufgehört zu fließen, erst nach etwa zwei Monaten sei eine leichte Erholung spürbar gewesen. Diese habe aber nicht lange angehalten, da dann bereits die Kaufkraftverluste infolge der Inflation in Europa den Konsum beeinträchtigt hätten. Und in der zweiten Jahreshälfte seien die Seefrachtraten gesunken, was zu einer Rückverlagerung von Transporten auf den Seeweg geführt habe. Schlussendlich seien damit auch die Mengen in 2022 niedriger gewesen als 2021.
Konkrete Zahlen nennt Koubek nicht. Und es ist schwierig, verlässliche Angaben zu erhalten. Je nachdem, wen man fragt, sieht man unterschiedliche Zähl- und Betrachtungsweisen. Als halbwegs verlässlich gelten die Zahlen der UTLC ERA, und die zeigen einen Mengenrückgang von rund einem Drittel an.
Nordkorridor blieb trotz aller Vorbehalte bestimmend
Interessant ist zudem, dass es laut Koubek trotz der großen Aufmerksamkeit, welche der mittlere Korridor via Kasachstan, Kaspisches Meer, Aserbaidschan und Georgien erhalten hat, zu keiner größeren Verlagerung von der traditionellen Nordroute via Russland, Belarus und Polen gekommen ist. Dieser Korridor sei auch 2022 weiterhin der wichtigste gewesen, während die Transitzeiten auf der mittleren Strecke nicht konkurrenzfähig gewesen seien. Infolgedessen sei auch die Drehscheibe Malaszewicze, an der auch die Metrans ein Terminal betreibt, weiterhin gut frequentiert gewesen.
Und wie sind die Aussichten für dieses Jahr? Für eine verlässliche Prognose ist es Koubek zufolge noch zu früh. Viel hänge davon ab, wie sich die Produktion in China und der Konsum in Europa entwickelten. „Aber wir sind optimistisch, dass sich im zweiten Quartal eine Erholung zeigen wird“, sagt Koubek. (sr)
