Osburg setzt bei DB Cargo zunächst auf Stabilität

Bernhard Osburg beschreibt die Lage als sehr schwierig. DB Cargo befinde sich in einer „substanziellen Sanierung“. Die Frage ist letztlich aber auch, wie das sanierte Unternehmen aufgestellt wird. Wenn der DB-Cargo-Chef ein paar Jahre nach vorn schaue, dann sieht er ein Unternehmen, dass auf einer ganz anderen Kostenbasis als heute insbesondere die europäischen Verkehre für die großen Industrien end-to-end verantwortet.
Sein zentrales Anliegen sei eine stabilere Grundnetzqualität. Osburgs „absoluter Fokus“ liege vorerst auf Stabilität und Zuverlässigkeit im Bestehenden. Er zweifelt, dass das aktuelle Netz kurzfristig deutlich mehr Kapazität aufnehmen kann. Die Trassenpreise, die vor allem den Schwerlastverkehr belasteten, sprächen aus seiner Sicht nicht für eine stärkere Verlagerung auf die Schiene.
Zur Korridorsanierung sagt Osburg, dass bei systemkritischen Verkehren, etwa für die Stahl- oder Chemieindustrie, gelte: „Da kommt Resilienz statt Effizienz auf den Tisch“. Das sei teurer, aber notwendig. Gemeinsam mit Kunden werde frühzeitig geplant, wie Umleitungen und Engpässe abgefedert werden können. „Und das geht so weit, dass auch einige der Kunden für die Zeit des Umbaus ihre komplette Supply-Chain-Strategie ändern.“
Mit Blick auf das jüngste Niedrigwasser des Rheins plädiert Osburg für ein vorbereitetes Konzept, das bei bestimmten Parametern automatisch greift – „statt des Aktionismus, wenn es dann wieder einmal so weit ist“. Die Finanzierung solcher Vorhaltungen könne DB Cargo allerdings nicht allein tragen. Die Moderation des Themas sei grundsätzlich eine politische Aufgabe. Vom Niedrigwasser in diesem Jahr habe die Bahn zwar durch mehr Verkehre profitiert, allerdings sei zugleich die Grundlast der Industrie entlang des Rheins zurückgegangen, fügte Osburg hinzu. Die Effekte hätten sich in etwa ausgeglichen.
Den Einzelwagenverkehr beschreibt Osburg als „industrielle Sortierungsfunktion“, die für die Anbindung von Mittelstand und Industrie unverzichtbar sei. Ohne weitere Förderung werde das System angesichts des noch immer hohen Anteils an händischer Arbeit aber nicht auskommen. Langfristig brauche es dafür einen technologischen Schritt.
Für das laufende Jahr stehen aufgrund ungenutzter Ausgabenreste insgesamt bis zu 384 Millionen Euro statt der regulären 300 Millionen Euro Fördermittel für den Einzelwagenverkehr zur Verfügung. Im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2027 ist vorgesehen, die Betriebskostenförderung um 26 Millionen Euro auf 274 Millionen Euro zu senken. Damit komme DB Cargo zurecht, allerdings nicht mit weiteren Einsparungen, die es dann 2028, 2029 und 2030 geben solle, sagt Osburg. (cs)