Vom Schmid-Spirit gepackt

Fragt man Thomas Schledorn nach dem speziellen „Schmid-Spirit“, muss er nicht lange überlegen. Seit Mitte Januar ist er im Vorstand der Andreas Schmid Group als COO für das operative Geschäft zuständig. In den ersten Wochen hat er sein Büro in Gersthofen nicht allzu oft gesehen – bis Mitte März hat er bereits fast alle der 30 Standorte in Deutschland, Tschechien, Rumänien und der Slowakei besucht. Ungarn steht noch auf dem Programm. Er hat sich umgeschaut, viele Hände geschüttelt und zugehört. „Ein wahnsinniger Zusammenhalt“ sei ihm aufgefallen, berichtet der 39-Jährige. „Das ist fast schon familiär.“ Er traf viele Beschäftigte, die schon seit 30 oder gar 40 Jahren dabei sind, manchmal schon in zweiter Generation.
Verantwortung mit Transparenz
Es sei ein gutes Gefühl, in dieser Atmosphäre zu arbeiten. „Logistik ist nun mal ein People Business, das macht die Arbeit so spannend“, sagt Schledorn. Zudem sei es hilfreich, wenn die internen Netzwerke, zu denen auch der „Flurfunk“ gehört, funktionieren. Was an einer Stelle gesagt wird, gehe schnell im Unternehmen herum. „Da hilft nur eins: Authentisch und transparent bleiben“, betont der Manager, der bereits in verschiedenen Führungsfunktionen internationale Erfahrung gesammelt hat. Bei DBV Schenker leitete er zum Beispiel den Bereich Business Development und war zugleich für die Distributionsverkehre in Europa zuständig. Bei Cargo-Partner hingegen verantwortete er als Chief Operating Officer die Integration in den Nippon-Express-Konzern und die Weiterentwicklung der europäischen Landverkehre und der Kontraktlogistik.
An der neuen Rolle reizt Schledorn die operative Gesamtverantwortung. Die Andreas Schmid Group wächst in Osteuropa, da kann er seine Erfahrungen gut einbringen. „In Gersthofen sind wir der Platzhirsch, aber wir müssen darüber hinaus wachsen.“ Dieser Prozess habe schon vor längerem begonnen - organisch und über Zukäufe. „Einerseits errichten wir neue Niederlassungen auf der grünen Wiese“, sagt Schledorn. Das sei ein sicherer, aber langwieriger Weg. Zukäufe hingegen seien kostenintensiv, würden aber ein schnelleres Wachstum versprechen. 2024 hatte Andreas Schmid erstmals ein Logistikunternehmen in Osteuropa übernommen, Karnool, mit Sitz in Prag, Brno und Ústí nad Labem. Für die Zukunft werde es darauf ankommen, den richtigen Mix für ein gesundes Wachstum zu finden.
Aha-Moment am Infotag
Solche Aufgaben findet der neue COO reizvoll. Dabei wurde ihm die Logistik nicht in die Wiege gelegt. „Als ich 2006 kurz vor dem Abi stand, wusste ich noch nicht so richtig, wo die Reise hingehen sollte.“ Meteorologie hätte ihn gereizt. Doch bei einem Infotag erlebte er Prof. Uwe Barwig (+2016), vielen in der Branche bekannt als engagierter Vertreter der Branche und als Autor des Standardwerks „Kosten- und Leistungsrechnung in der Spedition“. Der damalige Leiter des Studiengangs BWL – Spedition, Transport und Logistik an der Berufsakademie Mannheim warb mit einem leidenschaftlichen Vortrag für die Branche. „Er sprach von der Königsklasse der kaufmännischen Berufe“, erinnert sich Schledorn. Das habe ihn so angesprochen, dass er nach einer Last-Minute-Bewerbung bei Wincanton direkt das duale Studium startete. Später hängte er noch ein Master-Studium in Lörrach an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg an.
Weil Schledorn Herausforderungen nicht fürchtet, nimmt er in Kauf, dass sich politische Entwicklungen spürbar auch auf die Unternehmen der Branche auswirken. Natürlich macht die aktuelle Entwicklung an den Tankstellen einem Unternehmen wie der Andreas Schmid Group mit eigenem Fuhrpark zu schaffen. Doch Schledorn registriert auch, dass sich das Logistikgeschäft wieder belebt. Er sei also ganz optimistisch.
Sorgen macht er sich hingegen um den Standort Deutschland: „Die Bürokratisierung macht uns immer mehr zu schaffen, trotz aller Versprechungen aus der Politik geht es da kaum voran.“ Ihn ärgert, wie viel Zeit und Ressourcen Unternehmen investieren müssen, um ständig neue Anforderungen in die Praxis umzusetzen.
Doch Schledorn ist keiner, der sich gern in Rage redet. Lieber berichtet er von neuen Projekten, zum Beispiel über die Transformation des Unternehmens. „Auch wir sind auf der Suche nach Fachkräften – und digitalisierte Prozesse können hier für Entlastung sorgen.“ Das Unternehmen arbeite derzeit an einer Automatisierung der Disposition. Damit könnten die Nachtschichten entlasten.“ Denn gerade für die Zeiten zwischen 22 und 6 Uhr sei es immer schwerer, Personal zu gewinnen.
Generationen im Zusammenspiel
Noch kann das Unternehmen auf seine gewachsenen Teams setzen, was für Schledorn ein wichtiger Faktor ist. Dennoch steht auch bei Andreas Schmid ein personeller Umbruch an, denn die Baby-Boomer gehen nach und nach in Rente. Dieser Schwund muss ausgeglichen werden. „Das wird eine weitere Herausforderung für die nächste Zeit“, sagt der COO. Doch die Weichen für die Umstrukturierung sind gestellt: In dem Andreas Schmid Lab werden Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in den Fokus gerückt.
Und wie sieht es bei Schledorn privat aus? „Zeit für Hobbys habe ich gerade nicht so viel. Meine Freizeit gehört meiner Familie.“ Und dann trägt er noch den „Adler im Herzen“ – mit seiner Leidenschaft für Eintracht Frankfurt ist er in der Familie nicht allein. Der Dauerkartenbesitzer feuert sein Team regelmäßig an. „Das ist dann immer ein Drei-Generationen-Ausflug mit meinem Vater und meinem großen Sohn.“
Der 7-Jährige spielt bereits selbst Fußball. Der Kleine ist mit seinen drei Jahren noch zu jung fürs Stadion, freut sich aber auch schon darauf, demnächst zu trainieren. Jetzt in Gersthofen führt für Schledorn natürlich kein Weg am FC Augsburg vorbei, „da wächst vielleicht eine neue Liebe“. Er selbst spielt nicht mehr. „Nach Verletzungen war ich da recht bald raus aus dem Spiel und bin zum Kraftsport gewechselt oder gejoggt.“ Das muss er in Gersthofen nicht allein. Montags 17.30 Uhr trifft sich eine Laufgruppe, angeführt vom Managing Director Konrad Wenninger. „Ich war schon mal dabei, das hat richtig Spaß gemacht.“ Einer seiner Vorsätze für die kommenden Monate: Wenn die Zeit es erlaubt, wird er auch hier wieder dabei sein. (ben)
Zur Person
Thomas Schledorn (39) hat im Januar 2026 als Chief Operating Officer die operative Verantwortung innerhalb der Andreas Schmid Group, Gersthofen, übernommen. In den ersten Wochen hat er die meisten Standorte besucht und die Menschen kennengelernt, mit denen er die Entwicklung vorantreiben will. Der Familienvater und leidenschaftliche Fußball-Fan schätzt faires Teamplay.


