Vielfalt als Zukunftsmotor

Die jüngsten Studien zeigen, wie groß der Handlungsbedarf nach wie vor ist: Laut Bundesvereinigung Logistik (BVL) lag der Frauenanteil in der Branche 2023 bei etwa 23 Prozent, das heißt, nur knapp jede vierte Stelle im Bereich Transport und Logistik ist mit einer Frau besetzt. In den Führungsetagen sind Frauen noch stärker unterrepräsentiert: Bei den 100 größten Logistikunternehmen in Deutschland lag ihr Anteil im Management bei 18,6 Prozent (BVL-Studie 2019, Transport Logistic Status quo 2023). Branchenübergreifende Analysen wie jene von Spencer Stuart zeigen, dass selbst bei neu besetzten Führungspositionen erst etwa jede fünfte mit einer Frau besetzt wird.
Sükran Gencay, Head of Sustainability – Social & Governance bei Hellmann Worldwide Logistics, unterstreicht die Notwendigkeit von Diversität in der Logistik: „Je mehr Frauen wir in Führungspositionen haben, desto mehr begeistern sich auch andere Frauen für die Logistik. Es gilt: ‚What you can see, you can be.‘“ Ihre Motivation ist, aus eigenen Erfahrungen und Branchentrends Impulse für ein Umdenken zu geben.
Kulturwandel als Hebel
Für Gencay ist die Unternehmenskultur der zentrale Faktor. Sie hat das Netzwerkprogramm „HERspace“ für Hellmann aufgesetzt; es verknüpft Mentoring, Weiterbildung und einen Raum für Erfahrungsaustausch. „HERspace ist ein Raum, der Frauen Sichtbarkeit verschafft und gegenseitige Unterstützung ermöglicht, unabhängig von Karrierelevel oder Standort“, so Gencay.
Das Ziel ist messbar: Bis 2027 soll bei Hellmann der Anteil von Frauen in Führungspositionen auf 30 Prozent steigen. Der Pool weiblicher Nachwuchskräfte wächst, aber nur mit gezielten Programmen – durch die Etablierung von Frauennetzwerken und einem Fokus auf Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion im Recruiting-Prozess – werden Frauen zur Übernahme von Führungsaufgaben ermutigt.Noch immer hat die Logistik den Ruf, eine Männerbranche zu sein. Dieses Image wird laut Gencay aber dem breiten Berufsfeld, dass die Branche bietet, nicht gerecht. Das müsse sich ändern. Die Gründe für den geringen Frauenanteil reichen von tradierten Rollenbildern bis zu Alltagshürden in Arbeit und Familie. Gencay setzt bei Hellmann auf flexible Arbeitsmodelle, Teilzeitoptionen in Führung und gezieltes Anti-Bias-Training, um strukturelle Barrieren abzubauen. Auch sie selbst hat davon schon profitiert: „Hellmann hat mich während meiner Familiengründung aktiv dabei unterstützt, mir einen reibungslosen Wiedereinstieg in einer Führungsposition zu ermöglichen. Das schafft nicht nur Loyalität, sondern ermutigt Frauen, Karrierechancen zu realisieren.“
Diversität als Innovationsfaktor
Vielfalt bedeutet für Gencay ausdrücklich mehr als die Balance zwischen den Geschlechtern: Hellmann beschäftigt Menschen aus über 119 Nationen. Während ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland tätig ist, sind die anderen zwei Drittel global verteilt. So treffen verschiedenste Lebenshintergründe aufeinander. Diverse Teams gelten unter anderem auch laut Fraunhofer-Institut und BVL-Trendradar als Innovationsmotor, treffen bessere Entscheidungen und sind erfolgreicher.
„Vielfalt ist wichtig für uns. Je unterschiedlicher die sozialen Hintergründe, die Talente sowie die Fachrichtungen und damit auch die Blickwinkel sind, mit denen Teams auf eine Herausforderung blicken, desto besser sind meistens die Lösungsansätze,“, sagt Gencay. Auch der BVL und Initiativen wie „Ladies in Logistics“ setzen inzwischen branchenweit Maßstäbe; immer mehr Unternehmen erkennen den Wert gemischter Teams und machen Diversity zum Teil ihres Employer Brandings, stellt die Nachhaltigkeitsverantwortliche erfreut fest.
Wenn Logistikunternehmen Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt gestalten wollen, müssen sie Vielfalt und Frauenförderung aktiv und systematisch vorantreiben. Sükran Gencay fasst es so zusammen: „Diversität ist kein Selbstzweck, sondern zentraler Erfolgsfaktor für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Wer diesen Weg konsequent geht, kann sich ihrer Meinung nach nicht nur erfolgreich am Markt behaupten, sondern auch die Logistikbranche nachhaltiger und attraktiver gestalten.



