Im Familienbetrieb mit 40-Tonnern aufgewachsen

Anna Steden-Günther leitet seit vier Jahren zusammen mit ihrem Vater den Familienbetrieb. Mit kluger Modernisierung und einem Händchen für die Belegschaft richtet sie die Firma neu aus. Der Unternehmenskultur hat sie ihre eigenen Impulse gegeben.

Seit 2022 steht Anna Steden-Günther mit an der Spitze von Steden Logistik. (Foto: Jannis Fritsch)

Wenn Anna Steden-Günther an wichtige Orte ihrer Kindheit denkt, kommt ihr vor allem das Gelände des Familienbetriebs in den Sinn, auf dem sie und ihre drei Geschwister viel Zeit verbrachten. „Andere Kinder sind mit Bobbycars aufgewachsen, wir sind mit 40-Tonnern groß geworden.“ Dass aber eines der Kinder in das inhabergeführte Logistikunternehmen Steden Logistik einsteigt, ist für Frank Steden nie selbstverständlich gewesen. „Ihr müsst nicht. Aber wenn ihr wollt, müsst ihr zeigen, dass ihr es könnt“, hat er immer gesagt.

Anna Steden-Günther konnte sich das als einziges der Kinder vorstellen, wollte sich aber ganz sicher sein. Schließlich wusste sie, was damit verbunden ist: „Es ist nicht immer nur strahlender Sonnenschein – man steckt auch viel Zeit und Energie rein.“ Dennoch begeistert sie sich für die Logistik.

Gerader Weg in die Branche

Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Speditions- und Logistikkauffrau, und das bewusst nicht im eigenen Betrieb. „Ich wollte die Branche aus einer anderen Perspektive kennenlernen“, erläutert sie ihre Entscheidung für die Ausbildung bei Rhenus. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaftslehre – und stieg zugleich immer mehr in den 1987 gegründeten Familienbetrieb ein.

„Seit 2022 führe ich das Unternehmen mit meinem Vater.“ Die Aufteilung beim Mittelständler, der mit derzeit 150 Mitarbeitern, 100 ziehenden Einheiten und 150 Aufliegern deutschlandweit Relationen bedient, ist dabei klar geregelt: „Das operative Geschäft – Mitarbeiter, Vertrieb, Digitalisierung – liegt bei mir; mein Vater bringt seine jahrzehntelange Erfahrung ein, pflegt weiterhin die langjährigen Kundenbeziehungen und verantwortet den technischen Bereich.“ Dass bei der Zusammenarbeit von Tochter und Vater auch mal die Emotionen hochkochen können, findet sie normal. „Dann geht es darum, auf beiden Seiten einmal tief durchzuatmen und weiterzumachen.“

Aus ihrer Sicht hat die Zusammenarbeit vor allem Vorteile: „Die Erfahrung, die mein Vater mitbringt, die habe ich mit 32 nicht“, sagt sie und findet: „Und das ist etwas, wofür man immer wieder dankbar sein sollte.“ Sie bringe hingegen ihre Affinität für neue Technologien und moderne Führungskultur ein. So hat sie im Unternehmen etwa das Duzen und wöchentliche Führungsrunden etabliert, in denen das Team hinterfragt, ob mit den richtigen Tools gearbeitet wird und wo noch Nachholbedarf besteht. „Ich sehe mich als eine Person, die klare Entscheidungen treffen muss, die aber gleichzeitig ihre Mitarbeiter so fördert, dass sie selbstständig und erfolgreich in ihrem Job arbeiten können“, beschreibt sie ihr Führungsverständnis.

Zudem sind ihr die Berufskraftfahrer wichtig. Angesichts des branchenweiten Fahrermangels investiert Steden-Günther in moderne Fahrzeuge und digitale Anwendungen, die den Alltag am Steuer erleichtern. Außerdem achtet sie darauf, die Routen so zu planen, dass Fahrer regelmäßig nach Hause kommen. Das hilft auch, um über Mundpropaganda neue Fahrer zu gewinnen. „Manche Fahrerfamilien sind inzwischen in zweiter Generation bei uns tätig.“ Für sie ist das keine Überraschung. „Planbare Zeiten, moderne Technik, Sicherheit und Wertschätzung – das sind für mich keine Wünsche. Das sind gesunde Erwartungen an einen verantwortungsvollen Beruf.“

Geschäftlich hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls einiges getan: „Wir sind mit Kontraktlogistik und Transporten rund um Stahl groß geworden. Inzwischen gehören auch Kunden aus den Segmenten Baustoffe, Hygienepapier und Solaranlagen zu unserem Kundenkreis. Damit sind wir breiter aufgestellt und nicht komplett von einem Markt abhängig.“ Schließlich entwickle sich der Stahlmarkt derzeit „sehr dynamisch“.

Offen für Akquisitionen

Das Geschäftsumfeld sei insgesamt herausfordernd: „Seit Corona gibt es kein Jahr, wo es mal ganz normal läuft.“ Um das Portfolio zu erweitern, erwarb Steden Logistik 2024 erstmals eine Mehrheitsbeteiligung – an der Spedition Geiping. „Wir waren bisher auf regionale Komplettladung spezialisiert“, erklärt Steden-Günther. „Nun können wir auch den innerdeutschen Fernverkehr und Teilladung anbieten.“ Weitere Beteiligungen schließt Steden-Günther nicht aus, betont aber: „Da ist kein Druck dahinter.“ Parallel setzt sie auf organisches Wachstum, etwa in Süddeutschland, wo das Unternehmen bisher nicht vertreten ist.

Ihr Blick ist trotz aller Herausforderungen optimistisch: „Klare Rahmenbedingungen, mutige Entscheidungen und verlässliche Zusammenarbeit können die Krise in einen Neustart für die Transportbranche verwandeln.“ Wenn sie nicht arbeitet, sucht Steden-Günther den Ausgleich im Sattel. Mit ihrem Pferd kommt sie runter, sagt sie – Stallarbeit, Ausritte in den Wald, körperliche Betätigung. Und wenn es die Zeit erlaubt, reist sie mit ihrem Mann am liebsten in ferne Länder. „Wir schätzen es sehr, auf diese Weise neue Orte und Perspektiven kennenzulernen.“ (ben)

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