Unternehmergespräch mit Johannes Alexander Hödlmayr: „Ich bin optimistischer Realist“

Johannes Alexander Hödlmayr ist 34 und doch schon ein alter Hase beim österreichischen Fahrzeuglogistiker Hödlmayr International. 2019 stieg er bei dem Familienunternehmen ein – als Teil der dritten Generation. Pünktlich zum 70-jährigen Firmenjubiläum im Sommer 2024 wurde er zum CEO ernannt. Kein schlechter Aufstieg und trotzdem machte er sich seinerzeit den Einstieg nicht leicht.
„Ich bin zwar ein Spediteurssohn, trotzdem war das für mich kein No-Brainer“, betont er. „Ich wollte mich auf keinen Fall auf die Logistik fixieren“, weshalb er eigentlich Geschichte habe studieren wollen. „Aber was sollte ich damit werden“, fragte er sich. Also doch die Logistik, aber zunächst nicht im elterlichen Betrieb. Er machte Praktika in anderen Logistikunternehmen und studierte an der FH Wien Logistik- und Transportmanagement. Er war Trainee bei Hermes und stieg 2019 dann doch bei Hödlmayr ein.
Gutes Miteinander mit seinem Vater
Sein Vater Johannes Hödlmayr war damals noch CEO, 2020 wechselte er in den Aufsichtsrat. „Wir haben noch eineinhalb Jahre gemeinsam im Unternehmen gearbeitet. Aber nicht direkt miteinander, und vor allem war er nicht mein operativer Chef. Das hätte ich schwierig gefunden“, sagt Johannes Alexander Hödlmayr. In der heutigen Konstellation funktioniert es allerdings gut, versichert er. Im Aufsichtsrat sitzt zudem sein Cousin Julian, der Sohn seiner Tante Christine Hödlmayr-Gammer. Damit sind beide Familienzweige weiterhin im Unternehmen eingebunden.
Als CEO geht es ihm nun darum, dass Hödlmayr die Wertschöpfungstiefe in der „Automotive-Welt“, wie er es nennt, stetig erweitert. „Wir konzentrieren uns voll auf diese Nische, aber wollen dort möglichst viel abdecken“, macht er die Strategie deutlich. So ist das Unternehmen nicht nur im Neufahrzeug-, sondern mittlerweile auch im Gebrauchtwagensegment aktiv. Zu den Kunden gehören Flottenbetreiber ebenso wie Autovermieter und Privatkunden. Auf Herstellerseite gibt es ebenfalls eine große Vielfalt an Fabrikaten.
Und wie blickt er in diesen geopolitisch angespannten Zeiten auf die Expansion chinesischer Hersteller im europäischen Markt? „Ich sehe darin kein Problem. Solange sie sich fair im Wettbewerb durchsetzen – so be it.“ Zudem seien bereits in der Vergangenheit mit den japanischen und später mit den koreanischen OEMs neue Player hinzugekommen. Selbstredend stehen daher chinesische Autos bei Hödlmayr auf dem Hof. Für BYD und Co. ist ein Logistikspezialist wie der Mittelständler ein interessanter Partner. Denn sie eröffnen zwar zunehmend Werke in Europa, haben aber noch nicht so starke Service- und Hinterlandorganisationen wie hiesige Hersteller.
Die Expertise als Releasing Agent, also das Verkaufsfertigmachen der Fahrzeuge nach der Produktion, nutzen auch die großen deutschen Hersteller – und das im Grunde durch die Bank. Hödlmayr ist an wichtigen Produktionsstandorten wie Graz, Leipzig, Gyor und Zwickau präsent. Für 700.000 Einheiten jährlich bietet das Unternehmen Qualitätsinspektionen, Zwischenlagerung und den Weitertransport etwa zu Autohäusern.
Noch viele Wachstumsmöglichkeiten
Hödlmayr ist in 16 Ländern in und rund um Europa vertreten. Neue Märkte erschließt das Unternehmen in der Regel gemeinsam mit Kunden. Das war etwa in Spanien der Fall – und könnte auch in Märkten wie Saudi-Arabien oder gar in Übersee funktionieren. „Wir sind grundsätzlich offen, würden aber nicht ins Blaue hinein investieren“, macht Hödlmayr deutlich. Partnerschaften oder Joint Ventures seien aber denkbar.
Ein Wachstumsbereich ist ferner das Intermodalsegment. Dort ist das Unternehmen zwar schon seit gut 20 Jahren aktiv und hat seit 10 Jahren die Aktivitäten in einer eigenen Gesellschaft gebündelt. Als „strategischen Hebel für die Zukunft“ sieht der Unternehmer die Aktivitäten auf der Schiene aber dennoch.
Bremsen ihn dabei die Unzulänglichkeiten gerade im deutschen Schienennetz aus? Und erwartet er sich von der Politik ein umsichtigeres Handeln? Die Korridorsanierung macht schließlich vielen Akteuren auf der Schiene Schwierigkeiten. Er halte nichts davon, sich via Medien über die Politik zu beschweren, betont er. Als Unternehmer habe man schließlich viel selbst in der Hand, und es gehöre zum Geschäft, sich an die Gegebenheiten bestmöglich anzupassen. Aber ein paar Dinge, die ihm ein Dorn im Auge sind, nennt er dann doch: fehlende Lkw-Parkplätze beispielsweise und ja, auch die an vielen Stellen ungenügende Bahninfrastruktur. „Aber letztendlich bin ich dann doch ein realistischer Optimist“, sagt Hödlmayr zum Abschied.



