Ein Stück Zollgeschichte: Schwedens skurrilster Schrottplatz

US-Präsident Donald Trump liebt Zölle, sagt er selbst. Andere würden in Social-Media-Kanälen vielleicht erwidern: „Zölle sind Schrott“ und dazu ein Foto vom Autofriedhof in Båstnäs posten.
Wer in das Nest im schwedischen Nirgendwo fährt, ist abseits der Städte und Hauptstraßen auf unbefestigten Schotterwegen unterwegs, die in Schweden Grusväger genannt werden. Båstnäs hat bei unterschiedlichsten Besuchergruppen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Der Grund dafür ist einer der wohl skurrilsten Autofriedhöfe.
Er zieht nicht nur Nostalgiker an, die sehnsüchtig zwischen den Autos wandern und sich in vergangene Zeiten zurückträumen. Auch Ornithologen, Künstler, Filmcrews, Journalisten, Touristen und natürlich Fotografen haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder den Weg nach Båstnäs gefunden. Sie reisen sowohl auf dem Landweg als auch über den Dalslandkanal an – und schätzen wohl die Mischung aus Natur und Technikverfall, die einzigartige visuelle Ästhetik und die stille, melancholische Stimmung.
Surreale, postapokalyptische Atmosphäre
Die Besucher kommen nicht nur aus Schweden, sondern auch aus Norwegen, Dänemark, Finnland, Polen, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, Italien, Belgien, England und sogar aus den Vereinigten Staaten.
Båstnäs befindet sich an der Grenze zu Norwegen, in der Nähe der Ortschaft Töcksfors in der schwedischen Provinz Värmland. Der Autofriedhof liegt noch immer auf einem Privatgelände, das jedoch für Besucher zugänglich ist. Es gibt keine offiziellen Führungen oder Instandhaltung – der Ort ist weitgehend sich selbst überlassen.
Die Fahrzeuge sind inzwischen halb zerfallen und teils tief im Waldboden eingesunken, Büsche und Bäume wachsen durch die Wracks – was der Umgebung eine fast surreale, postapokalyptische Atmosphäre verleiht. Es handelt sich um Modelle aus den 1930er bis 1970er Jahren, darunter Marken wie Volvo, Ford, Volkswagen, Saab und viele mehr, die für Laien kaum noch zu erkennen sind.
Umweltsünde versus zeitgeschichtliches Denkmal
Hochaktuell angesichts Trumps globaler Zölle ist die einzigartige Geschichte hinter diesem Lost Place. So gab es nach dem Zweiten Weltkrieg in Norwegen einen großen Automangel und man führte Zollbeschränkungen ein, um die heimische Produktion zu fördern. Und wo es Zölle gibt, werden die Menschen erfinderisch, diese irgendwie zu umgehen.
Die Brüder Thore und Rune Ivansson sahen ihre Chance und gründeten 1956 neben ihrem Elternhaus einen Autoschrottplatz. Die Kunden von jenseits der Grenze waren zahlreich, und das Geschäft lief in den ersten Jahren glänzend. Zu Spitzenzeiten parkten fast 2.000 Autos auf dem Gelände rund um das alte Schulgebäude und auf den Feldern, die einst den Lebensunterhalt gesichert hatten.
Demontiert und wieder zusammengesetzt
Bis in die 1970er-Jahre war es für Norweger aufgrund hoher Importzölle und strenger Einfuhrregeln sehr teuer, komplette Autos aus dem Ausland zu kaufen. Daher entwickelte sich ein alternativer Weg, der an die heute bekannten Methoden aus dem Überseegeschäft der Autoindustrie erinnert: Completely Knocked Down (CKD) oder Semi Knocked Down (SKD). Dabei werden Einzelteile, Komponenten oder ganze Baugruppen angeliefert und erst im Importland zum fertigen Fahrzeug zusammengesetzt.
Die Grenznähe machte Båstnäs ideal für diesen „Teilehandel“. Die Brüder begannen, gebrauchte Autos aus Schweden zu zerlegen, insbesondere solche, die nicht mehr fahrtüchtig oder günstig zu erwerben waren. Diese wurden in Komponenten zerlegt – Karosserien, Motoren, Achsen, Getriebe et cetera – und als Ersatzteile nach Norwegen exportiert. Dort wurden die Fahrzeuge dann aus diesen Teilen wieder zusammengesetzt, wodurch die Einfuhr als Ersatzteile und nicht als vollständige Fahrzeuge deklariert wurde – ein Trick, um Zölle zu umgehen.
Noch immer mehrere Hundert Autos
Die Vorschriften in Norwegen änderten sich und das Geschäft ging zurück. Thore fuhr einen Holztransporter, aber Rune blieb für den Rest seines Lebens auf dem Schrottplatz. Nach und nach wurden aus Kunden Enthusiasten, die auf Teile für ihren Oldtimer aus waren. In den letzten Jahrzehnten hat die Natur die rund 800 Fahrzeuge übernommen, die nach Aufräumarbeiten zurückblieben, wie auf der Besuchertafel geschrieben steht.
Umweltfragen wurden immer wieder diskutiert, doch bislang blieb der Ort erhalten, wohl auch weil die meisten Fahrzeuge inzwischen so alt sind, dass sie kaum noch Schadstoffe abgeben – viele Flüssigkeiten sind längst ausgelaufen oder verdunstet.




























