Hartmann International steckt sich hohe Ziele in der Batterielogistik

Der Markt für Batterielogistik wächst. Doch wer an diesem Wachstum teilhaben will, braucht mehr als nur Lagerfläche. Das hat Hartmann International aus Paderborn früh erkannt und daraus eine eigene Markenstrategie entwickelt, die inzwischen weit über den ostwestfälischen Heimatmarkt hinausreicht . Mit dem European Battery Hub betreibt das mittelständische Familienunternehmen eines der ambitioniertesten Batterielogistikzentren Europas. Die Ziele sind klar formuliert: „Wir wollen Nummer eins werden”, sagt Geschäftsführer Björn Böhme . „Und wenn uns jemand als Nummer acht bezeichnet, dann nehme ich mir die anderen sieben gerne als Orientierung vor.“
Was Hartmann vom klassischen Kontraktlogistiker unterscheidet, ist nicht primär die Infrastruktur, auch wenn die 20.000 Quadratmeter Lagerfläche, das direkt per unterirdischem Tunnel angebundene 12.000 Quadratmeter große Umschlagterminal und der Anschluss an das Cargoline-Netzwerk mit Lieferzeiten von 24 Stunden innerhalb Deutschlands und 48 Stunden in ganz Europa eine solide Basis darstellen. Laut Böhme ist ein anderer Faktor entscheidend: „Der Schlüssel steckt nicht in der Regalanlage und nicht in der Halle – der steckt in den Prozessen.“
Diese Prozesse umfassen eine strukturierte Wareneingangskontrolle, ein laufendes Zustandsmonitoring, ein digitales Bestandsreporting und einen eigenen Maintenance-Dienst. Drei spezialisierte Elektriker kümmern sich ausschließlich um die Wartung und Zustandspflege der eingelagerten Batteriesysteme. Ein E-Technik-Ingenieur koordiniert ihre Arbeit, erstellt Schulungspläne und dokumentiert alle Abläufe. „Was wir machen, ist schon ein bisschen industrieller als klassische Kontraktlogistik“, räumt Böhme ein.
Sicherheit als Wettbewerbsvorteil
Ein zentrales Differenzierungsmerkmal des European Battery Hub ist sein hohes Sicherheitsniveau. Der Standort Paderborn ist eigenen Angaben zufolge derzeit das höchstversicherte Logistikdienstleisterlager in Europa im Bereich der All-Risk-Deckung. Diese Einschätzung wird laut Böhme von Rückversicherern bestätigt. Dies ist von strategischer Bedeutung, da Unternehmen, die Batteriesysteme mit hohem Warenwert – oft im zweistelligen Millionenbereich – einlagern möchten, diese auch versicherungstechnisch absichern müssen.
Um das Sicherheitsniveau wirtschaftlich darstellbar zu halten, setzt Hartmann auf pragmatische Eigenentwicklungen. So hat das Unternehmen gemeinsam mit dem Kasseler Start-up Doks.Solution eine thermografiegestützte Drohnenüberwachung für das Batterielager entwickelt. Die Drohne fliegt autonom durch die Halle und erfasst mit Hilfe einer Wärmebildkamera den Zustand jedes einzelnen Lagerplatzes. Ergänzend wurde ein automatisiertes Eingangsgate entwickelt, das beim Wareneingang ohne Absetzen des Ladungsträgers Fotos aus allen Richtungen anfertigt und gleichzeitig die Temperatur des Objekts misst. „Wir wollen am Anfang des Prozesses sicher sein, dass nichts Schlechtes ins Lager gelangt“, erklärt Böhme.
Wachstumsfelder jenseits der E-Mobilität
Die derzeit stärkste Nachfrage verzeichnet Hartmann nicht dort, wo man es zunächst vermuten würde. „Das Thema E-Mobilität läuft an uns noch ein bisschen vorbei, muss ich ehrlich sagen“, gibt Böhme zu. Die größten aktuellen Warenströme kommen aus dem Segment der stationären Energiespeichersysteme (Battery Energy Storage Systems, BESS), die für Solar- und Windkraftprojekte eingesetzt werden.
Daneben verzeichnet Hartmann ein dynamisch wachsendes Geschäft rund um Balkonkraftwerke: Wechselrichter, Solarmodule und Heimspeicher werden als Set kommissioniert und über Stückgutnetzwerke distribuiert – ein typisches Kontraktlogistikgeschäft mit technisch anspruchsvollen Produkten und zunehmend direktem Zugang zum europäischen Markt. Denn asiatische Hersteller verzichten hierzulande zunehmend auf Zwischenhändler und vertreiben ihre Produkte selbst.
Business Development Manager Philipp Pinkernell betont die Dynamik des Marktes: „Eine wichtige Erkenntnis auf unserer Reise war, dass es unabdingbar ist, die Anforderungen der Kunden zu verstehen, sich aber auch schon mit den zukünftigen Trends auseinanderzusetzen. Die Batteriebranche ist sehr dynamisch.“ Deshalb pflegt Hartmann den Austausch mit Akteuren aus Forschung und Entwicklung, um frühzeitig auf neue Technologien und Chemien (chemische Zusammensetzungen von Produkten wie Batterien) reagieren zu können.
Die strategische Ausrichtung auf asiatische, insbesondere chinesische, Batteriehersteller ist für Hartmann etablierte Praxis. Nachdem das Unternehmen als erster europäischer Aussteller auf der Logimat im chinesischen Shenzhen präsent war, kommen laut Unternehmensangaben regelmäßig Delegationen nach Paderborn. Die dahinterstehende Markenlogik ist pragmatisch: „In China interessiert es niemanden, ob Hartmann eine Halle in Paderborn frei hat”, sagt Böhme. „Wir müssen dem Einkäufer eine Dienstleistung anbieten, die wirtschaftlich und hochprofessionell ist.“
Die Ambition ist langfristig ausgerichtet. „Wir planen in Generationen und nicht in Fünfjahresplänen“, sagt Böhme. Investitionen in Bereiche wie Second Life und Recycling, die kurzfristig keinen positiven Business Case aufweisen, werden bewusst in Kauf genommen. Das erklärte Ziel ist die europäische One-Stop-Solution für die Batterielogistik – von Import und Lagerung über Wartung bis hin zu Distribution und End-of-Life-Handling.



