Paketmarkt trotz Preisdruck stabil

Der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste trotzt dem wirtschaftlichen Gegenwind – getragen von E-Commerce, Digitalisierung und nachhaltiger Logistik. Doch Inflation, Regulierung und Stadtverkehr fordern die Branche heraus.

Gute Nachrichten für die KEP-Dienste: Der Konsum entwickelt sich stabil und die Reallöhne steigen wieder. (Foto: Hermes Germany/Willing-Holtz)

Nach den vergangenen äußerst dynamischen Jahren mit einer Pandemie und dem Ukraine-Krieg entwickelt sich der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) weiterhin stabil. Darin sind sich Branchenverbände und Unternehmensvertreter einig. „Die Branche ist durch die wirtschaftliche Gesamtlage in Deutschland und die Außenhandelsbeziehungen der EU geprägt“, sagt Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik (BPEX). Insbesondere zum Jahresende 2024 verzeichnete der KEP-Markt aufgrund der schwächelnden deutschen Wirtschaft und der rückläufigen Exporte einen Rückgang bei den B2B-Sendungen. Der Kostendruck ist groß: Inflation, steigende Löhne und hohe Energiepreise machen den Unternehmen zu schaffen. „Trotz positiver Mengenentwicklungen im vergangenen Jahr mussten wir unsere Preise deutlich anpassen“, sagt Dennis Kollmann, CEO von Hermes.

Im B2C-Bereich sieht es besser aus – der private Konsum bleibt stabil, die Reallöhne steigen und der Onlinehandel ziehe wieder an, sagt Bosselmann. Der E-Commerce und damit das B2C-Segment nehme seit einigen Jahren eine konstant wichtige Bedeutung für die Branche ein. Laut BPEX sind bei den nationalen Paketsendungen über 70 Prozent B2C-Pakete. „Nach den Rückgängen in den Jahren 2022 und 2023 sehen wir nun wieder ein stärkeres Wachstum in diesem Bereich“, sagt Bosselmann.

Branche reagiert auf Marktanforderungen

Vor allem der grenzüberschreitende Handel bietet sowohl in der EU als auch weltweit großes Potenzial. „Potenzial, das viele Händler noch nicht ausschöpfen“, berichtet Burak Kilic, Managing Director UPS Deutschland, Österreich und Schweiz. Die wachsende Nachfrage nach flexiblen, nachhaltigen und internationalen Versandlösungen steigt. „Wir beobachten insbesondere eine Zunahme von Direct-to-Consumer-Geschäftsmodellen, bei denen Hersteller den direkten Kontakt zum Endkunden suchen“, ergänzt Moritz Eichhöfer, CEO von GLS Germany.

Die Unternehmen stellen sich auf den sich verändernden Markt ein und bieten schnelle Standard- und Expresslieferungen sowie flexible Zustelloptionen wie etwa die Wunschzustellung. Sie bauen ihre Out-of-Home-Services, also die Lieferung an Paketshops und anbieteroffene Paketautomaten, für eine effiziente Citylogistik und Retourenlösungen aus, um den steigenden Kundenanforderungen an Liefergeschwindigkeit und -qualität sowie Nachhaltigkeit gerecht zu werden.

Automatisierung und Digitalisierung rücken zunehmend in den Fokus. „Die KEP-Branche befindet sich mitten in einer technologischen Transformation“, sagt GLS-Chef Eichhöfer. Minutengenaues Real-Time-Tracking von Paketsendungen oder die digitale Echtzeitkommunikation mit Empfängern sowie die Automatisierung der Standorte spielen dabei eine wichtige Rolle. „Das ist in Zeiten von Arbeitskräftemangel und steigenden Kosten ein entscheidendes Thema“, betont Bosselmann vom BPEX.

Digitalisierung, KI und neue Technologien

Auf dem Markt gibt es viele No-Tech- oder Low-Tech-Unternehmen. „Diese haben immer mehr Schwierigkeiten, kostendeckend zu arbeiten und geben den Geschäftsbetrieb auf“, erläutert Andreas Schumann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP). Anderen mittelständischen Unternehmen, die die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben und neue Technologien einsetzen, eröffne es jedoch Möglichkeiten zur Auftragsakquise. „Deutliche Kostensteigerungen müssen über Effizienzsteigerungen, Technologiewechsel und Preissteigerungen abgefangen werden“, sagt Schumann.

Immer stärker werde daher auch künstliche Intelligenz eingebunden, etwa in Form von modernen Vorhersagemodellen, um die Planbarkeit von Sendungsströmen zu verbessern. „Ergänzend dazu entstehen technische Lösungen zur exakten Messung und zum Reporting von Treibhausgasemissionen, um Nachhaltigkeitsziele besser verfolgen zu können“, sagt Schumann. Auch die Digitalisierung der Zollabwicklung sowie die Integration des digitalen Produktpasses, ein Instrument der europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie mit dem Ziel, Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern, stellen neue Anforderungen an Schnittstellen zwischen Paketdaten und Serviceprozessen.

Langfristig und eher als Nischenprodukte werden darüber hinaus Technologien wie Drohnen, autonome Zustellroboter oder Exoskelette erprobt, die das Potenzial haben, den Prozess der Zustellung weiter zu automatisieren oder Arbeitskräfte körperlich zu entlasten. „Besonders gefragt sind zudem flexible Flottenkonzepte, die sich rasch an veränderte Marktbedingungen anpassen lassen – ein klarer Vorteil in einem Umfeld, das zunehmend von Volatilität geprägt ist“, fügt Schumann hinzu. Elektromobilität spielt hierbei eine zentrale Rolle, insbesondere mit Blick auf den Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Parallel dazu gewinnen autonome Fahrzeuge, etwa für den Einsatz auf nichtöffentlichen Flächen wie Logistikzentren, zunehmend an Bedeutung.

Städtische Zustellung zwischen Hürden und Innovation

Anspruchsvoll bleibt vor allem die Citylogistik. Eines der zentralen Probleme ist die zunehmende Anzahl an Zufahrtsbeschränkungen und die wachsende Komplexität der städtischen Regelwerke, die den Zugang zu Innenstädten erschweren. Gleichzeitig leidet die städtische Infrastruktur vielerorts unter einem Sanierungsstau.

„Ein hohes Verkehrsaufkommen, der Mangel an Park- und Haltemöglichkeiten für die Zusteller sowie an geeigneten citynahen Sendungsumschlagplätzen für die lokal CO2-freie Zustellung etwa per Lastenrad fordern uns heraus“, sagt Kollmann von Hermes. Hier sieht unter anderem der BPEX großes Verbesserungspotenzial. Mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung und dem neuen Verkehrsschild „Ladezone“ wurde die gesetzliche Grundlage für die Errichtung von Ladebereichen geschaffen. „Wir hatten uns dafür seit Jahren eingesetzt. Nun liegt es in der Hand der Kommunen diese auch einzurichten“, sagt Bosselmann.

Die Unternehmen setzen längst auf eine intelligente Kombination von emissionsfreien Zustellfahrzeugen, Routenoptimierungen und der Ausweitung des Pickup- und Paketstationsnetzes. Besonders im urbanen Raum können so Wege verkürzt, Emissionen gesenkt und Innenstädte entlastet werden. „Seit der Einführung unseres ersten E-Fahrzeugs im Jahr 2008 und dem Start unseres City-Logistik-Projekts 2012 in Hamburg haben wir viel gelernt“, sagt Kilic von UPS.

Anteil an E-Fahrzeugen stark gestiegen

Man wisse inzwischen, wie sich derlei Projekte skalieren und effizient umsetzen lassen. Auch habe sich das Angebot an gewerblich ausreichend belastbaren E-Fahrzeugen und Lastenrädern stark verbessert, „so dass wir nun die Mittel haben, um nachhaltige Lösungen für die letzte Meile vermehrt umzusetzen“, stellt er fest. Und so wundert es nicht, dass der Anteil elektrischer Fahrzeuge der KEP-Branche in den vergangenen acht Jahren von 3 auf 21 Prozent gestiegen ist, wie aus der aktuellen Nachhaltigkeitsstudie des BPEX hervorgeht. Demnach werde mittlerweile fast jeder vierte Pakettransporter elektrisch betrieben – ein deutlicher Kontrast zum bundesweiten Durchschnitt, bei dem der Anteil unter 3 Prozent liegt.

Tiefgreifende regulatorische Veränderungen beeinflussen die KEP-Branche zunehmend und damit die operative Praxis, insbesondere im internationalen Geschäft. „So gilt etwa ab dem 1. Juli 2026 die Pflicht für digitale Tachografen im grenzüberschreitenden Verkehr bereits ab einem Gesamtgewicht von mehr als 2,5 Tonnen“, sagt Schumann vom BdKEP.

Hinzu kommt die Novelle des Postgesetzes – inklusive der geplanten 23-Kilogramm-Grenze bei Sendungen –, das Paketbotenschutzgesetz sowie Regelungen zur Cybersicherheit, wie die EU-weite Netzwerk- und Informationssicherheitsrichtlinie (NIS-2), die vor allem größere Marktakteure zu Investitionen in IT- und Datensicherheitsinfrastrukturen zwingen. Außerdem verändern EU-Vorgaben wie das Subunternehmerverbot, die Mindestlohnrichtlinie und strengere Arbeitszeiterfassungspflichten die Rahmenbedingungen für die Branche.

Zentraler Hebel Out-of-Home-Zustellung

Und auch Nachhaltigkeit ist bei den KEP-Diensten kein Nischen- oder Trendthema. „Wir erproben fortlaufend innovative Ansätze, egal ob im Nah- und Fernverkehr oder ganz grundsätzlich in Bezug auf unsere Dienstleistung“, betont GLS Germany-CEO Eichhöfer. Das gemeinsame Ziel: eine effiziente und umweltfreundliche letzte Meile. Auch seien nachhaltige Mehrwegverpackungen und -kartonagen ein konkreter Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft. „Der Paketmarkt wächst und gleichzeitig wird deutlich klimaeffizienter geliefert“, ergänzt Bosselmann vom BPEX.

Die Erweiterung des Out-of-Home-Angebots stellt dabei einen zentralen Hebel dar. Die Netzwerkpartnerschaft zwischen DPD und GLS beispielsweise markiert einen bedeutenden Schritt in diese Richtung. „Durch die Bündelung der beiden bestehenden Paketshopnetze sowie die Errichtung gemeinsamer, anbieterunabhängiger Paketstationen schaffen wir zusammen eines der größten, offen zugänglichen Paketnetzwerke Europas“, teilt DPD auf Anfrage mit. Kooperationen mit namhaften Einzelhändlern sowie dem neutralen Anbieter von Paketstationen Myflexbox ermöglichen flexible Zustelllösungen, reduzieren Zustellfahrten und tragen so wesentlich zur Verringerung von Verkehrsaufkommen und Emissionen in städtischen Gebieten bei.

„Die weitere Emissionsreduzierung ist für die Paketdienste ein wichtiges Ziel“, betont Bosselmann. Bis 2040 will die Branche seiner Aussage zufolge auf der letzten Meile emissionsfrei zustellen. Damit das gelingen kann, benötigen sie neben Flächen für Mikrodepots auch einen weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die entsprechende Anschlussleistung für das nächtliche Laden der E-Fahrzeuge in den Depots. „Hier erhoffen wir uns in den nächsten Jahren mehr Fortschritt“, sagt er. Jedenfalls habe die neue Koalition diesen wichtigen Punkt erkannt und in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen.

„Die Zukunft gehört den Mittelständlern, die ihre Prozesse im Griff haben, Kosten und Erlöse kennen, Compliance-Vorgaben nachvollziehbar umsetzen und bereit sind, neue Technologien klug einzusetzen“, lautet das Fazit des BdKEP-Vorsitzenden Schumann. (fw)

Messe-Tipp: KI-Einsatz

In einer einstündigen Diskussionsveranstaltung am 4. Juni ab 15 Uhr (Forum Halle B1), die der Branchenverband BPEX ausrichtet, wird die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Paketbranche beleuchtet.

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