Warum Frauen in der Logistik seltener führen

Frauen sind in der Logistikführung unterrepräsentiert. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, welche Barrieren den Aufstieg bremsen und wo Unternehmen ansetzen können.

Illustration: Carsten Lüdemann / DVZ

Die Logistikbranche zählt zu den zentralen Wirtschaftszweigen Deutschlands – doch in ihren Führungsetagen gibt es noch zu wenig Frauen. Während der Frauenanteil in Führungspositionen branchenübergreifend bei rund 29 Prozent liegt, erreicht er in deutschen Logistikunternehmen lediglich 19,7 Prozent.

Warum diese Lücke so hartnäckig bestehen bleibt und was Unternehmen tun können, um den Anteil weiblicher Führungskräfte nachhaltig zu erhöhen, zeigt eine aktuelle, nicht repräsentative Untersuchung der bayerischen Hochschule Hof.

Zu den Hürden für Frauen in Logistik-Führungspositionen zählen demnach viele verschiedene Fakoren: eine geringe Transparenz im Beförderungsprozess, hoher Leistungsdruck, der Mangel an weiblichen Vorbildern, Diskriminierung und sexistische Strukturen in Unternehmen sowie fehlende Mentoring-Programme und Netzwerke.

Teilzeit als Streitpunkt und als Chance

Die mit Abstand größte Herausforderung sehen die für die Studie befragten Logistik-Master-Absolventinnen (Abschlussjahrgänge seit 2005) jedoch in der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf (rund 70 Prozent) und im Mangel an flexiblen Arbeitszeitmodellen (rund 54 Prozent). Besondere Aktualität erhält die Studie auch vor dem Hintergrund der bundesweiten Debatte über eine mögliche Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit. „Führungspositionen in der Logistik sind nahezu ausschließlich in Vollzeit konzipiert, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich einschränkt“, heißt es in der Studie der Hochschule Hof.

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Prozentpunkte beträgt die Differenz von Frauen in Logistik-Führungspositionen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt.

Quelle: Ergebnispapier der Hochschule Hof

Frauen seien von diesem Problem besonders betroffen, da Teilzeitarbeit in Deutschland bislang stark geschlechtsspezifisch ist. Insgesamt arbeiteten im Jahr 2024 rund 31 Prozent aller Erwerbstätigen in Teilzeit. Bei Frauen ist die Teilzeitquote mit 49,5 Prozent jedoch deutlich höher als bei Männern (13,9 Prozent), zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Zu den zentralen Gründen für Teilzeitarbeit gehört unter anderem die Betreuung von Angehörigen. 23,5 Prozent der Teilzeitbeschäftigten arbeiten in reduziertem Umfang, um Kinder, Menschen mit Behinderungen oder pflegebedürftige Personen zu betreuen. Bei Frauen ist dieser Anteil mit 28,8 Prozent mehr als viermal so hoch wie bei Männern mit 6,8 Prozent.

Um sich grundsätzlich auf eine Führungsposition in der Logistik bewerben zu können, wünschen sich die befragten Logistik-Absolventinnen neben einer guten Work-Life-Balance (79,6 Prozent) in erster Linie hybrides Arbeiten sowie flexible Führungsmodelle wie geteilte Führungsrollen oder Teilzeitarbeit (rund 78 Prozent).

„Die bestehenden Strukturen müssen flexibilisiert werden. Die Logistikbranche sollte das Vollzeitparadigma in Führungspositionen aufgeben und vermehrt flexible Modelle etablieren. Dazu gehören beispielsweise Top-Sharing (Jobsharing in Führungspositionen) und flexible Arbeitszeitregelungen wie Gleitzeit“, heißt es im Ergebnispapier der Hochschule.

Die Studie verweist in diesem Zusammenhang auf das Gesundheits- und Sozialwesen, wo Teilzeitführungsmodelle trotz Schichtarbeit bereits etabliert seien. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Teilzeitanteile in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Altenpflege 2023 mit je 39 und 43 Prozent tatsächlich deutlich über dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen (31 Prozent). Wie viele der Beschäftigten davon Führungsverantwortung tragen, geht aus den Daten und aus der Studie selbst aber nicht hervor.

Wenig Mentoring im Mittelstand

Weitere Ansatzpunkte, um den Anteil weiblicher Führungskräfte in der Logistik nachhaltig zu erhöhen, sehen die befragten Absolventinnen in attraktiven Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmaßnahmen, fairen und transparenten Aufstiegsmöglichkeiten, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, weiblichen Vorbildern im Unternehmen, Mentoring-Programmen und guter Vergütung.

„Die empirischen Befunde zeigen deutlich, dass strukturelle Veränderungen und gezielte Förderinstrumente Hand in Hand gehen müssen“, sagt Prof. Friedwart Lender von der Hochschule Hof. Insbesondere im mittelständisch geprägten Teil der Logistikbranche fehle es noch weitgehend an Initiativen wie Diversity- und Mentoring-Programmen.

Für den potenziellen Führungskräftenachwuchs ist die Logistikbranche dennoch interessant, zeigt eine Befragung unter Studierenden der Hochschule Hof (Männer und Frauen) aus den Masterstudiengängen Personal und Arbeit, Digital Business Management und Global Management: Rund 59 Prozent empfinden eine Führungsposition für Frauen als attraktiv, nur 10 Prozent als unattraktiv.

In den strukturellen Rahmenbedingungen der Branche sieht aber auch die nachrückende Generation ein Problem: Gegen eine Führungsposition im Logistikbereich spricht für über 75 Prozent der Befragten eine männlich dominierte Unternehmensstruktur, Schichtarbeit (47 Prozent) und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf (41 Prozent).

Zur Methodik

Die Untersuchung der Hochschule Hof folgt einem sogenannten Mixed-Methods-Ansatz. Sie basiert neben einer systematischen Literaturrecherche unter anderem auf zwei standardisierten Online-Befragungen von Logistik-Absolventinnen aus den Abschlussjahrgängen 2005 bis 2025 und Masterstudierenden der Hochschule Hof aus den Studiengängen Personal und Arbeit, Digital Business Management und Global Management (n = 105). Die Befragungen sind statistisch nicht repräsentativ.

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