Wissenschaftspreis Logistik geht an Timo Lehmann

Der Wissenschaftler ist auf der Supply Chain CX für seine Dissertation ausgezeichnet worden. Darin liefert er Modelle, mit denen sich die Durchsatzkapazität mehrfachtiefer automatisierter Lagersysteme schon in frühen Planungsphasen präzise abschätzen lässt.

Timo Lehmann erhält für seine Dissertation „Throughput Models and Performance Evaluation for Multi-Deep Automated Storage Systems“ den Wissenschaftspreis Logistik. (Foto: BVL/Thomas Rafalzyk)

Timo Lehmann ist auf der BVL Supply Chain CX in Berlin mit dem 35. Wissenschaftspreis Logistik 2026 ausgezeichnet worden . Die Jury entschied nach einem öffentlichen Pitch der Finalistinnen und Finalisten.

In seiner Dissertation hat Lehmann analytische Modelle entwickelt, mit denen sich die Durchsatzkapazität automatisierter Lagersysteme mit mehreren Lagertiefen, etwa AS/R- und RCS/R-Systeme, präzise abschätzen lässt. Lagerplaner können damit Anlagen- und Steuerungskonzepte schon in frühen Planungsphasen vergleichen, ohne für jede Variante aufwendige Simulationsmodelle aufbauen zu müssen. Erstmals werden 13 Betriebsstrategien systematisch modelliert und verglichen, darunter die als marktführend geltende Autostore-Strategie.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahl der Betriebsstrategie erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit eines Lagers haben kann. Insbesondere eine klassenbasierte Lagerung in Verbindung mit produktspezifischen Entnahmeregeln kann den Durchsatz gegenüber Standardansätzen um bis zu 48,5 Prozent steigern. Damit liefert die Arbeit konkrete Entscheidungsgrundlagen für Unternehmen, die neue automatisierte Lagersysteme planen oder bestehende Anlagen leistungsfähiger gestalten wollen.

„Die systematische Analyse verschiedener Betriebsstrategien zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in einer intelligenten Steuerung dieser Systeme liegt. Damit leistet die Dissertation einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der Intralogistik“, sagt der Juryvorsitzende Prof. Wolfgang Kersten.

Besonders hervorgehoben wird der hohe Praxisbezug: Die entwickelten Modelle wurden mit realen Industriedaten aus einem Ersatzteillager der Automobilbranche validiert. Sie seien damit unmittelbar für die Auslegung und Bewertung künftiger Lagersysteme nutzbar – von der Auswahl geeigneter Lagerstrategien bis zur Abschätzung der erforderlichen Kapazitäten.

Die Arbeit entstand am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unter Betreuung von Prof. Kai Furmans sowie an der Rotterdam School of Management unter Prof. René de Koster. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde erneut vom Logistikdienstleister Dachser gefördert. (cs)

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