KI als Beschleuniger in der Intralogistik

Auf der Messe Logimat zeigen Forschende, wie künstliche Intelligenz Robotik und Intralogistik künftig entscheidend voranbringen kann.

Zunehmend autonom und fahrerlos: Kuka stellt auch dieses Jahr wieder auf der Logimat aus. Das gilt ebenso für Brightpick aus Bratislava. (Foto: Euroexpo GmbH)

Die Programmierung von autonomen mobilen Robotern (AMR) fällt nicht schwer. Viele Anwender nutzen hierfür intuitive Weboberflächen, einige arbeiten sogar mit selbst entwickelten No-Code- beziehungsweise Low-Code-Anwendungen. Für Prof. Robert Schulz von der Universität Stuttgart geht es jedoch noch einfacher. Über KI-Unterstützung könnten Anwender die Roboter auch per Sprache über Lagerplätze und Lagerrouten informieren. „Solche Lösungen werden die Intralogistik deutlich beschleunigen“, ist der Leiter des Instituts für Fördertechnik und Logistik (IFT) überzeugt.

An ihrem Stand (D40, Halle 5) auf der Logimat machen die Stuttgarter mobile Robotik zum Schwerpunkt. Im Fokus stehen unter anderem sicherheitstechnische Herausforderungen, die Anwender bewältigen müssen, und Kommissionierlösungen, die künftig dank verbesserter Greiftechnik möglich sein werden.

Aus vielen Logistikzentren sind autonome mobile Roboter nicht mehr wegzudenken. Sie müssten nun so weiterentwickelt und an die Anforderungen der Anwender angepasst werden, dass sie die Attraktivität logistischer Arbeitsplätze weiter erhöhen und es gelingt, Fachkräfte langfristig zu binden, sagt Schulz.

„Außer Produktivität ist vor allem Sicherheit wichtig“, betont Schulz. An den Vorgaben von DIN EN ISO 3691-4 führt kein Weg vorbei. Die Norm ist ursprünglich für Flurförderfahrzeuge entwickelt worden und wurde 2023 für fahrerlose Transporttechnologien aktualisiert. Bei der vorgeschriebenen Performance für Fahrzeugüberwachung, Bremssteuerung, Personenerkennung und anderen Funktionen müssen die Hersteller in ihren Programmcodes Steuerungstechnik und Logistik zusammenführen, was lange Zeit eine Herausforderung war. Dies funktioniert dank KI-gestützter Generatoren immer besser.

IML-Studie zu humanoider Robotik

Auf der Logimat wird sich zudem zeigen, dass humanoide Roboter immer stärker in den Fokus rücken. Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) etwa wird eine neue Studie über die Potenziale dieser Roboter für die Logistik vorstellen (Stand 1K61, Halle 1). „Die Robotik übernimmt zunehmend nicht nur Transportaufgaben, sondern auch Handhabungsaufgaben“, sagt Institutsleiterin Prof. Alice Kirchheim. Drei weitere Highlights am diesjährigen IML-Stand:

  • KI für die Lagerplanung: Der sogenannte Warehousedesigner erkennt Funktionsbereiche, Texte, Maße und Strukturen aus Skizzen und erstellt daraus direkt digitale Layoutmodelle.

Logimat 2026: Mehr als 100 Premieren

Am kommenden Dienstag öffnet die Logimat ihre Tore. Vom 24. bis zum 26. März steht das Stuttgarter Messegelände ganz im Zeichen der Intralogistik und des Prozessmanagements. Die mehr als 1.600 Aussteller aus circa 40 Ländern haben im Vorfeld mehr als 100 Welt- und Europapremieren angekündigt. Die FTF- und AMR-Neuheiten sind vor allem in Halle 8 konzentriert. Dort wird zum Beispiel die spanische Firma Artisteril Robotics eine Anwendung demonstrieren, bei der ein humanoider Roboter mit einem AMR in einer industriellen Umgebung arbeitet. In einem solchen geschlossenen Umfeld gelten weniger Regulierungen als in einer offenen Lagerumgebung. „Insbesondere im Bereich der Robotik werden die Weiterentwicklungen Richtung Individualisierung und humanoider Roboter die nächsten Jahre prägen“, ist Logimat-Leiter Michael Ruchty überzeugt.

Weitere Informationen zur Messe

  • Smarte Digitalisierung von Dokumenten: Instascan extrahiert Daten aus papierbasierten Transportdokumenten per KI, prüft ihre Plausibilität und schreibt sie als maschinenlesbare JSONStrukturen (Javascript Object Notation) in angebundene Systeme. So entstehen interoperable Datensätze, die Prozesse wie Rechnungsstellung oder Zollprüfung automatisieren.
  • Intelligentes Sortieren und Aufräumen: Der Roboagent, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) entstanden ist, kombiniert ein Vision-Language-Modell, das Objekte im Kamerabild erkennt – mit einer KI, die Sprachbefehle direkt in Aktionen umsetzt. So kann der stationäre Roboterarm eigenständig sortieren und aufräumen.

GenAI als Turbo für Entscheidungen

Die Forschenden des Bereichs Supply Chain Services am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) wollen mit GenAI Abläufe über die reine Intralogistik hinaus „effizient, resilient und nachhaltig“ gestalten. An ihrem Messestand (F06, Halle 4) werden die Wissenschaftler demonstrieren, wie GenAI klassische KI- und Analytics-Lösungen auf die nächste Stufe hebt – und wie dies schließlich datengetriebene Entscheidungen erleichtern kann.

„Viele Unternehmen spüren, dass in ihren Supply-Chain-Prozessen noch enormes Verbesserungspotenzial steckt“, sagt Paulina Prantl, Abteilungsleiterin Analytics, und fügt hinzu: „Auf der Logimat zeigen wir, wie GenAI klassische Analytics-Methoden ergänzt und Entscheidungen erzeugt, die sich direkt in besseren Abläufen, stabileren Beständen und mehr Transparenz niederschlagen.“ Ausgewählte Entwicklungen können am Stand live getestet werden.

Variantenfertigung neu denken

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) präsentiert am Stand D37 in Halle 5 mehrere Exponate zum Thema personalisierte Produktion. Kunden erwarten heute nicht nur individuelle Produkte, sondern auch kurze Lieferzeiten und wettbewerbsfähige Preise. Zugleich steigen Komplexität und globaler Wettbewerbsdruck. „Unsere Modellfabrik aus Klemmbausteinen macht die Potenziale ganzheitlicher Operations-Konzepte erlebbar – von wettbewerbsfähigen Wertströmen über integriertes Engineering bis hin zu flexiblen Fabriken und leistungsfähigen IT-Plattformen“, sagt Simon Schmidt, am IPA Leiter des Bereichs Automatisierte Systeme.

Der Demonstrator „Pick & Pack“ wiederum zeigt die Leistungsfähigkeit eines Greif- und Packplanungssystems. Der Packplaner benötigt nur einen Scan des zu verpackenden Objekts und einen des Ist-Zustands im Zielbehälter. Anhand dieser Sensordaten wird die optimale Packposition berechnet. Laut IPA können so bis zu 1.300 Objekte pro Stunde gegriffen und ordentlich gepackt werden. (cs)

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