Strukturwandel in der Lausitz: Wie eine Region den Kohleausstieg meistert

Milliarden Euro fließen in das ehemalige Braunkohlerevier zwischen Oder und Elbe, Zittauer Gebirge und Berlin. Die Veränderungen sind tiefgreifend, die Hoffnungen auf eine blühende Zukunft groß. Die DVZ hat sich bei einem Besuch selbst ein Bild von der Region gemacht.

Die Abraum-Förderbrücke am „Besucherbergwerk F60“ mit Hafen am Bergheider See in Lichterfeld-Schacksdorf. (Foto: picture alliance / ZB / euroluftbild.de / Max Gaertner)

Schwarze Pumpe – ein legendärer Name, ein sagenumwobener Ort und ein Zeichen von Gigantomanie in der DDR. Hier entstand ab 1955 eines der größten Braunkohleveredelungswerke Europas, das Ostdeutschland jahrzehntelang mit Gas versorgte und Millionen Braunkohlebriketts lieferte. „Wir Cottbusser wussten, wann Südwind war“, erinnert sich Roland Peine, Geschäftsführer der ASG Spremberg. Dann wehte der schwarze Staub bis in die Bezirksstadt. Heute verwaltet seine Gesellschaft das 1.122 Hektar große Areal – ein Gelände, das sich gerade neu erfinden muss. Denn 2038 ist in allen deutschen Revieren Schluss. Doch was bleibt von einem Ort ohne Kohle, der auf Kohle gebaut wurde?

Der Industriepark „Schwarze Pumpe“ liegt in der Lausitz, einer Region zwischen Berlin, dem Zittauer Gebirge polnischer Grenze und Elbe, die seit der Wende um Konturen, Identität und Zukunft ringt. Der Übergang von braun zu grün ist teuer, konfliktreich und voller Unsicherheiten. Statt Kohle sollen hier künftig ein Wasserstoffspeicherkraftwerk, ein H2-ready-Gaskraftwerk und im benachbarten Jänschwalde ein innovatives Speicherkraftwerk sowie ein Wasserstoffkernnetz entstehen. Doch wie viel davon wird wirklich Realität?

Die Region in Zahlen

Braunkohle: In der Lausitz befand sich das zweitgrößte Braunkohleabbaugebiet in Deutschland. Die noch aktiven Reviere sind Welzow-Süd und Jänschwalde in Brandenburg und Reichwalde in Sachsen. Vor der Renaturierung wurde auch bei Cottbus, Meuro und Sedlitz Kohle abgebaut. Heute sind diese Standorte Teile des Lausitzer Seenlands, darunter der Cottbuser Ostsee.

Verkehrsinfrastruktur: Drei Autobahnen – die A13 (Berlin–Dresden), die A15 (Spreewald–Cottbus–Forst) und die A4 (Dresden–Görlitz) – bilden die wichtigsten Achsen für den Straßengüterverkehr. Auf der Schiene war die Region als Braunkohlerevier einst dicht erschlossen: Werkseigene Grubenbahnen transportierten Rohkohle, Briketts und Baggerteile über ein Netz von mehr als 1.200 Kilometern. Derzeit will die Region die Schiene ausbauen und für den Personen- und Güterverkehr stärken. Dazu gehören der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecken Cottbus–Görlitz und Dresden–Görlitz. Vier KV-Terminals sind in Betrieb, eines ist geplant. Dazu kommen zwei aktive Railports, ein weiterer befindet sich in Planung.

Bevölkerung: In der deutschsprachigen Lausitz leben knapp 1 Million Einwohner, im polnischen Teil der Lausitz etwa 350.000. Seit der Wiedervereinigung 1990 haben viele Bewohner die Region verlassen. Das Mitteldeutschland- und Lausitz-Monitoring 2024 hatte ergeben, dass sich der Abwanderungstrend leicht abgeschwächt hatte. Das habe unter anderem mit dem laufenden Strukturwandel und dem daraus resultierenden positiven Imagetrend zu tun. Neun von zehn Lausitzerinnen und Lausitzern hätten angegeben, dass ihnen die Region „sehr am Herzen liegt“.

Fachkräfte: Dennoch könnte es mit den Fachkräften in der Region eng werden. Derzeit sind 300.000 Menschen in der Lausitz sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Forscher der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hatten 2024 errechnet, dass bis 2038 – dem angestrebten Kohleausstiegsdatum – rund 55.000 Arbeitskräfte in der Lausitz fehlen werden. Ein Grund ist, dass viele Babyboomer dann in Rente gehen.

Wirtschaftsleistung: Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2019. Damals lag das BIP pro Kopf bei rund 72 Prozent des Bundesdurchschnitts. Die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigem betrug 57.080 Euro, der Bundesdurchschnitt 68.616 Euro.

Menschen wie Roland Peine oder Jens Krause, Generalmanager der IHK Cottbus und Sprecher des Wasserstoffnetzwerks Lausitz, treiben den Wandel voran. Schon wenige Minuten nach der Ankunft am sanierten Cottbuser Bahnhof sprudelt es aus ihm heraus. Das neue ICE-Werk, Baubeginn, Fertigstellung, zusätzliche Halle; ein kurzer Gang über den ehemaligen Güterbahnhof zur neuen Verladestelle. Dann geht es weiter ins Auto, Richtung Schwarze Pumpe. „Das ICE-Werk in Cottbus war eine meiner größten Aufgaben“, sagt Krause.

Der Auftragswert liegt bei einer Milliarde Euro. Die Freude darüber ist gemischt. Die Bahn teilte das Volumen in vier gleich große Lose auf, zu groß für die meisten Mittelständler der Region. Krause sprach mit der Bahn, veröffentlichte auf der IHK-Webseite eine Projektdatenbank: Wer baut was, wann, wo? Am Ende waren 50 Unternehmen beteiligt. „Diese Seite ist bis heute mit 10.000 Zugriffen die meistbesuchte“, sagt er stolz.

Bis zu 1.200 Arbeitsplätze im ICE-Werk Cottbus

Die halbstündige Fahrt zur „Schwarzen Pumpe“ nutzt Krause, um von seiner Heimatstadt und der Lausitz zu erzählen. „Wir machen so viele tolle Projekte, und viele wissen nichts davon“, sagt er. In der Transformation sieht er Chancen für Wirtschaft, Tourismus, Umwelt und vor allem für die Menschen vor Ort. Im ICE-Werk, das wir hinter uns gelassen haben, sind bereits 600 Arbeitsplätze entstanden. Mit der vollen Inbetriebnahme des Werkes im Frühjahr 2027 werden dort 1.200 Mitarbeiter beschäftigt sein, 200 davon Auszubildende.

Für Krause ein sichtbarer Erfolg in einer Region, in der Skepsis und Klage oft lauter sind als Begeisterung. „Der Brandenburger ist sehr zurückhaltend“, sagt der IHK-Manager, aufgewachsen in einem Dorf bei Cottbus. „Wir gehen zum Lachen in den Keller. Freude zeigen, ist nicht unsere Stärke.“

Krause selbst ist anders: offen, eloquent, ungeduldig. Seine Mission ist, den Strukturwandel zu begleiten und sichtbar zu machen. Auf dem Gelände des Industrieparks „Schwarze Pumpe“ läuft dieser Prozess seit Jahren. Rund 100 Unternehmen mit etwa 5.000 Beschäftigten haben sich angesiedelt: die Papierfabrik von Hamburger Rieger, das Verpackungsunternehmen Dunapack Spremberg, der Instandhalter MCR Lausitz für Loks und Güterwagen. Eine Brikettfabrik arbeitet noch. Dazwischen: Brachflächen. Warum so viele Flächen leer bleiben, erklärt Roland Peine später bei Kaffee und Wasser.

Im Besprechungsraum der ASG hängt eine große Karte der „Schwarzen Pumpe“ an der Wand. „Schauen Sie hier“, sagt Peine und fährt mit dem Finger eine grüne Zickzacklinie nach. Sie trennt das Gelände in einen brandenburgischen Teil im Nordwesten und einen sächsischen Teil im Südosten. Und sie verläuft sogar mitten durch die Lagerhalle der Brikettfabrik. Die ASG ist als kommunales Unternehmen für beide Seiten zuständig und will im Süden des Industrieparks weitere Flächen erschließen, obwohl noch Brachen existieren. Denn große Teile gehören weiterhin der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG), die sie für die eigene Unternehmensentwicklung vorhalten will.

Enttäuschung über die Politik

Die ASG nahm ihre Arbeit 1992 auf, kurz nach der Wende. Seitdem kämpft Peine nicht nur mit der LEAG, sondern auch mit der Politik in Potsdam und Dresden. Dort würden zwar Entscheidungen getroffen, die Umsetzung vor Ort bleibe aber oft stecken, kritisiert er. Auf den Start der Planungen für eine Gleiskurve, die den Industriepark an die Bahnstrecke Cottbus–Görlitz anbinden sollte, wartete er vier Jahre. Eine Fabrik für grünes Kerosin ist ebenfalls angekündigt, aber der Bau hat noch nicht begonnen. „Geld, Investoren, Flächen und Wissenschaftler sind da“, sagen Peine und Krause. Was fehlt, ist ein klares Ja aus Berlin. Das könne man den Menschen vor Ort nicht erklären – und manche wählten dann AfD. „Wir ändern alle paar Jahre die Laufrichtung, und das ist Gift für das, was hier vorbereitet werden muss“, sagt Peine.

Bis 2038 soll viel Geld fließen. Mit dem Investitionsgesetz Kohleregionen wurden allen deutschen Revieren 40 Milliarden Euro zugesagt, 17,2 Milliarden davon für Brandenburg und Sachsen. Basis ist das Strukturstärkungsgesetz, das seit August 2020 gilt. Bewilligt wurden 22 Bahn- und fünf Straßenprojekte. Peine und Krause machen sich Sorgen: Die Planungen schleppen sich dahin, während die Zeit bis 2038 läuft.

Der jüngste Bericht der Bundesregierung zum Umsetzungsstand zeigt, wie groß der Rückstand ist: Von 1,9 Milliarden Euro für Brandenburger Schienenprojekte sind erst wenige Millionen abgeflossen, in Sachsen sieht es ähnlich aus. Auf der Straße geht es deutlich schneller voran: Beim Straßenbau liegt der Mittelabfluss in Brandenburg deutlich höher, in Sachsen noch einmal darüber. Die Bundesstraße 178 zwischen Zittau und Niederoderwitz wurde 2025 für den Verkehr freigegeben. Sie verbindet die Autobahn 4 mit dem Dreiländereck Deutschland–Polen–Tschechien und gilt als wichtige Achse mit grenzüberschreitender Bedeutung.

Belastungen durch Lkw-Verkehre

Auch um die „Schwarze Pumpe“ herum ist mit Geldern aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen eine Südanbindung entstanden. Sie entlastet den Ort Spremberg vom Durchgangsverkehr, doch die Verkehre vom und zum Industriepark laufen weiterhin durch die Siedlung. „In den Industriepark fahren jeden Tag 2.700 Lkw rein und wieder raus“, sagt Peine. Die Anwohner spüren den Strukturwandel bisher vor allem als Verkehrslast.

110 dieser Fahrzeuge gehören der Transport- und Speditionsgesellschaft Schwarze Pumpe (TSS). Für das Unternehmen findet der Strukturwandel nicht nur vor der Haustür statt, sondern im eigenen Geschäft. Früher transportierte TSS fast ausschließlich Kohle und Briketts, heute machen sie nur noch rund 60 Prozent aus. Der Rest entfällt auf Zement, Kohle, Klärschlämme und Wertstoffe.

„2038, wenn die Kohleverstromung endet, ist hier Schluss mit Kohletransporten. Doch wir warten nicht, wir bereiten uns vor“, sagt Sven Eichler, seit sieben Monaten TSS-Geschäftsführer. Chancen sieht er vor allem dann, wenn TSS am Standort verstärkt Warenumschlag anbieten kann. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine Aktivitäten außerhalb der „Schwarzen Pumpe“ aus: Zum 1. Januar 2026 wurde eine Niederlassung am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt eröffnet.

Trotzdem geht Eichler der Wandel nicht schnell genug. Ein Beispiel ist der geplante Railport auf dem Gelände der Schwarzen Pumpe, dessen Umsetzung durch Uneinigkeit zwischen Brandenburg und Sachsen verzögert wird, wie er sagt. Das erschwert es, neue Kunden zu gewinnen und die nötige In- frastruktur aufzubauen. Als Manko sieht er auch zweispurige Straßenabschnitte zwischen Industriegebiet und Cottbus sowie die fehlende Autobahn „vor der Tür“. Die Fahrt zur A15 dauert knapp 30 Minuten. Eichler fordert einen Ausbau.

Klares Bekenntnis zur Schiene

Peine und Krause zufolge soll die Bundesstraße 97, die westlich am Industriepark vorbeiführt, ab 2032 für zehn Jahre gesperrt und saniert werden. Für sie ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: „Wir müssen auf die Schiene und die Betriebe hier dafür begeistern, die Anlagen auch zu nutzen.“ Potenzial sei vorhanden, werde aber bislang kaum ausgeschöpft.

Bei einer Fahrt über das Gelände geht es an einer Gleisanlage vorbei. „Schwarze Pumpe ist einer der am besten ausgestatteten Industrieparks – noch mit Gleisen aus DDR-Zeiten“, sagt Krause. Doch der Zustand ist schlecht, und die Gleise gehören der LEAG. Diese setzt andere Prioritäten und will zunächst die Tagebaureviere Jänschwalde und Boxberg restrukturieren. Das Speditionsunternehmen Lobbe, das kontaminierte Böden saniert, würde die Gleise gern nutzen. Bevor etwas passiert, müssten aber Eigentumsfragen und betriebliche Verantwortung geklärt werden. Auch Sven Eichler von TSS moniert die Langsamkeit. Trotz Straßenumbau und Rückbau alter Rohrbrücken sei in seinen ersten sieben Monaten noch kein neuer Kunde gekommen. Er fordert ein schnelleres, weniger bürokratisches Vorgehen.

Die Schiene ist auch zentrales Thema beim 38. Treffen des Wirtschaftsverkehrsnetzwerks Lausitz. Ende Mai treffen sich rund 40 Unternehmer, Bürgermeister und Spediteure in Rothenburg in der Oberlausitz. Ein Vertreter der Deutschen Bahn berichtet über Schienenprojekte, vor allem im Güterverkehr. Christoph Biele, Bürgermeister der 1.600-Einwohner-Gemeinde Horka nahe der polnischen Grenze, wirbt für ein Industriegebiet, das er nach dem Treffen zeigt.

Traum vom Güterverkehrsknoten Horka

Bisher ist dort noch nicht viel zu sehen. Die ausgebaute Rothenburger Straße führt an dem Gebiet vorbei. Biele stapft durch hohes Gras und zeigt auf eine betonierte Fläche von etwa 10 Hektar, wo sich früher ein Sägewerk befand. An einer Seite liegen überwucherte Gleise, die reaktiviert und an die nahe Hauptstrecke angeschlossen werden sollen. Auf der anderen Seite breitet sich ein grüner Acker über weitere 70 Hektar aus. Viel Platz, wenig Nutzung.

„Horka ist ein Schienenkreuz von internationaler Bedeutung“, ist Biele überzeugt. Der Ort und der neu gebaute Güterbahnhof liegen an der niederschlesischen Magistrale, einer Strecke von Kohlfurt in Polen bis nach Roßlau in Sachsen-Anhalt. Täglich fahren rund 30 Güterzüge mit Chemieprodukten, Elektronik und Autoteilen vorbei. In Horka hält keiner. Dabei wären mit einem 740-Meter-Gleis die Voraussetzungen ideal, sagt Biele. Zu sehen sind nur einige Holzstämme am Gleis, die auf den Abtransport warten. „Wir haben hier Platz“, sagt der Bürgermeister. Es wäre eine Chance für Industrie und Logistik, doch es fehlen Straßenanbindung und ein Investor.

Derzeit fahren die Züge auf dem Weg nach Duisburg durch Horka hindurch. Die Waren kommen anschließend per Lkw zurück in die Lausitz, schildert Biele. Diese Umwege sind für ihn Sinnbild eines Systems, das regionale Potenziale übergeht. Besser wäre es, direkt in Horka „Wertschöpfung zu generieren“, sagt er. „Und warum halten die hier nicht?“ Seine Antwort: „Weil sie uns gar nicht auf dem Schirm haben.“ Mit „sie“ meint er chinesische Akteure im internationalen Verkehr. „Die kennen nur Duisburg. Wir haben bisher keine Rolle gespielt.“

Um solche blinden Flecken sichtbar zu machen, wurde das Projekt DISTILL gestartet. Es ist ein Simulations- und Analysetool, das reale Güterverkehrsdaten mit den Infrastrukturnetzen der Lausitz verknüpft. Unternehmen, Planer und öffentliche Akteure können Transportketten testen, Engpässe erkennen und Entwicklungsszenarien bis 2040 durchspielen. Eingebettet sind auch die großen europäischen TEN-V-Korridore. So wird sichtbar, wie sich die Lausitz – mit Standorten wie Schwarze Pumpe oder Horka – an Nordsee–Ostsee und Skandinavien–Mittelmeer-Korridore andocken könnte. Für Orte wie Horka liefert das eine selten dichte Datengrundlage: Aus einer regionalen Industriefläche wird im Modell ein potenzieller Knoten im europäischen Netzwerk. In der Realität fehlen bislang Investoren und politische Entscheidungen.

Industriegebiet Kodersdorf platzt aus allen Nähten

Mit etwas Neid blickt Biele nach Kodersdorf, nur wenige Kilometer weiter südlich. Mit der Fertigstellung der A4 entstand dort östlich des Ortes ein rund 1.000 Hektar großes Industriegebiet. Heute kommen hier unter anderem ungereifte Bananen an, ein Felgenbauer produziert, ein Flugzeugzulieferer ist vor Ort, eine Biogasanlage speist ins Netz. Wasser, Abwasser, Internet, Strom gibt es auch. „Die Basis stimmt“, sagt Bürgermeister René Schöne. Sein Problem: Er würde gern erweitern, doch es fehlen zusätzliche Flächen. Und die Anwohner klagen schon heute über Lärm und die 250 bis 300 Lkw pro Tag.

Im Industriegebiet Kodersdorf liegt auch eines von vier Terminals des Kombinierten Verkehrs, das die Spedition Lion Group 2020 gebaut hat. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Forst an der deutsch-polnischen Grenze. Dort betreibt Unternehmer Sven Noatzke auf rund 6 Hektar einen Railport, verschickt Möbel, Schuhe, Bananen, Glas und empfängt zudem Transporte aus der Ukraine. Wöchentlich fahren acht bis zehn Ganzzüge von Kodersdorf Richtung Hamburg und Bremerhaven. Erweitern kann Noatzke nicht – das Industriegebiet ist voll. Auch Bürgermeister Schöne bedauert das.

Lion Group in Forst hat viele Expansionspläne

„An unserer Geschichte sieht man ganz gut, wie die Transformation läuft“, sagt Noatzke. 2003 gründete er die Lion Spezialtransport, erkannte früh das Potenzial der Lausitz und investierte. Das KV-Terminal in Forst und der Railport in Kodersdorf entstanden nicht mit Geldern aus dem Kohlestrukturwandeltopf, sondern mit Förderungen des Eisenbahn-Bundesamts. „In Forst bauen wir aus“, sagt Noatzke. Das Terminal wird zurückgebaut und ab Ende Juni neu errichtet – auf etwa 10 Hektar mit rund 160 Lkw-Stellplätzen und zwei Gleisen für Ganzzüge, später sollen zwei weitere und ein Lager mit 10.000 bis 15.000 Quadratmetern dazukommen, um ein Güterverkehrszentrum aufzubauen.

„Wir sind der Platzhirsch in der Region“, sagt er auf die Frage nach vergleichbaren Logistikakteuren. Die Qualität der Verkehrsinfrastruktur bewertet er kritisch. Im Rahmen des Strukturwandels sei „noch nicht viel passiert“. Den Ausbau der Autobahnen hält er für notwendig, sieht aber kaum Fortschritte. Die Autobahn Richtung Berlin sei trotz Sanierung vor wenigen Jahren erneut eine Baustellenstrecke. Auch die Verbindung Cottbus–Forst, die zu den 22 Bahnprojekten in der Lausitz gehört, ist noch nicht elektrifiziert – immerhin laufen inzwischen die Vorplanungen.

Zurück in Cottbus fährt Jens Krause noch zum Cottbuser Ostsee, Deutschlands größtem Bergbaufolgesee. Sandflächen, Gebüsch, ein Radweg rundherum. Auf dem Wasser schwimmen große Solarpanels, ein Projekt des Energieversorgers LEAG, das etwa 8.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Für Krause ist es ein Symbol dafür, dass in der Region tatsächlich Neues wächst.

Er ist zufrieden, dass sich Journalistinnen und Journalisten ein eigenes Bild machen. „Wenn Sie nicht gesehen haben, was es hier für Projekte gibt, können Sie auch nicht darüber schreiben“, sagt er. Und er freut sich über Rückenwind: Das IW Köln hat der Region Cottbus bescheinigt, sich in den vergangenen zwei Jahren so stark verbessert zu haben wie keine andere. Ob diese Dynamik reicht, um aus Plänen Wirklichkeit zu machen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. 

Ihr Feedback
Teilen
Drucken

Sie sind noch kein Abonnent?

Testen Sie DVZ, DVZ-Brief oder DVZ plus 4 Wochen im Probeabo und überzeugen Sie sich von unserem umfassenden Informationsangebot.

  • Online Zugang
  • Täglicher Newsletter
  • Wöchentliches E-paper

 

Zum Probeabo

Jetzt 4 Wochen kostenlos testen

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Sie sind noch kein Abonnent?

Testen Sie DVZ, DVZ-Brief oder DVZ plus 4 Wochen im Probeabo und überzeugen Sie sich von unserem umfassenden Informationsangebot.

  • Online Zugang
  • Täglicher Newsletter
  • Wöchentliches E-paper

 

Zum Probeabo

Jetzt 4 Wochen kostenlos testen

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben