Die Luftfracht trauert um Dieter Haltmayer

1974 war kein gutes Jahr, um eine Luftfrachtspedition zu gründen. Dass er es trotzdem tat, dürfte einiges über ihn aussagen. Damals hatte der Jom-Kippur-Krieg und das Öl-Embargo die Kosten der Airlines in die Höhe getrieben. Kerosin wurde teuer, Carrier strichen Flüge, der Welthandel geriet ins Stocken.
In diese Situation hinein also gründete Dieter Haltmayer in Frankfurt am Main sein Unternehmen Quick Cargo Service (QCS). Dabei hätte er es einfacher haben können: Bei Air Canada hatte eine Führungsposition in London auf ihn gewartet, mit klaren Strukturen und wenig persönlichem Risiko. Er lehnte ab. Und wusste, worauf er sich einließ.
Seine Laufbahn hatte mit einer Ausbildung zum Speditionskaufmann bei Rhenus in Düsseldorf begonnen. Danach arbeitete er bei British European Airways und bei der British Overseas Airways Corporation, den beiden staatlichen britischen Fluggesellschaften, aus denen später British Airways hervorging, später bei Air Canada. Er kannte die Luftfracht aus der Perspektive der Airlines; und er hatte das praktische Wissen des Spediteurs. Das war sein Startkapital.
Mühsamer Beginn
Die Anfänge waren bescheiden. Über Hans-Jürgen Fischer, den damaligen Frachtleiter des Frankfurter Flughafens, bekam Haltmayer ein kleines Büro. Die ersten sechs Monate waren mietfrei. Heute ist QCS eines der großen inhabergeführten Luftfrachtunternehmen in Deutschland.
Rund 220 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das in mehreren europäischen Ländern präsent ist. Die operative Verantwortung liegt bei seinen Kindern: Stephan Haltmayer führt das Unternehmen, Heidi Haltmayer verantwortet Organisation und Verwaltung, Jennifer Melnyk die Finanzen.
Haltmayer ging es nie allein um Größe. Ihn interessierte, ob Abläufe funktionierten, ob Zusagen hielten und ob ein Geschäft tragfähig war. Wachstum war für ihn kein Ziel, sondern eine Folge davon, dass etwas zuverlässig lief.
Als im Jahr 1999 der damalige Lufthansa-Cargo-Chef Wilhelm Althen erklärte, für kleine und mittelständische Speditionen gebe es langfristig kaum noch Platz und die Zukunft gehöre den multinationalen Konzernen, war das für Haltmayer nicht weniger als ein Affront. Und die Motivation zum Handeln.
Nüchterner Blick auf die Branche
Er trieb im Jahr 2000 die Gründung der Interessengemeinschaft Luftfracht, IGLU, voran, in der mittelständische Speditionen ihre Kräfte bündelten, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Kein Konzern, keine Fusion, sondern ein pragmatisches Bündnis.
Die Entwicklung der Branche sah Haltmayer dennoch nüchtern. In einem Text aus dem Jahr 2021 in der DVZ schrieb er, die Konzentration in der Logistik sei bedenklich. Für viele Mittelständler könne es das Ende bedeuten, wenn Sendungen unter den eigenen Kosten verkauft würden.
Über Übernahmeangebote, die ihn immer wieder erreichten, sprach er dennoch unaufgeregt. Sie interessierten ihn nicht. QCS war für ihn unverkäuflich. Entscheidend war, dass das Unternehmen funktionierte und die Nachfolge geregelt war.
Sein Berufsleben steht für eine Luftfracht, die überschaubarer war als heute, näher an den Menschen der Branche. Die Entscheidungen waren persönlicher, ihre Folgen direkter.
Dieter Haltmayer ist am 2. Januar im Alter von 91 Jahren gestorben.



