GVN-Präsident Krage: „Wettbewerbsfähigkeit wird gefährdet“

Die Logistikbranche in Niedersachsen gerät angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten zunehmend unter Druck.
Falsch. Trotz aller Unsicherheiten zeigt die niedersächsische Logistikbranche bemerkenswerte Widerstandskraft und bleibt eine tragende Säule für die Versorgung und die Wirtschaft. Die Unternehmen passen sich flexibel neuen Herausforderungen an und stützen mit ihrem Engagement den soliden Kurs der Branche.
Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist das größte unmittelbare Problem der Branche und hemmt die Entwicklung erheblich.
Teilweise richtig. Neben vielen anderen Problemen, wie etwa Kostendruck, Bürokratie, Transformation, sinkende Mengen, Zölle, Strukturwandel der Industrie und der Kunden sowie marode Infrastruktur, ist und bleibt der Fach- und Arbeitskräftemangel eines der drängendsten Probleme unserer Betriebe. Ohne gezielte Maßnahmen, wie etwa eine erleichterte Fachkräftezuwanderung und Ausbildungsreformen, wird dieser Engpass unsere Entwicklung weiterhin erheblich behindern.
Die Nachwuchssicherung sowie die Aus- und Weiterbildung im Logistiksektor bleiben Kernthemen für zukünftigen Unternehmenserfolg.
Richtig. Die Zukunft des Logistikstandorts Niedersachsen hängt von einer starken Nachwuchsförderung und praxisnahen Weiterbildungsangeboten ab. Dafür müssen Politik und Wirtschaft gemeinsam attraktive Perspektiven schaffen und das Berufsbild stärken.
Steigende Energie- und Transportkosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit niedersächsischer Logistikdienstleister aktuell stärker als die Konkurrenz aus Nachbarbundesländern.
Teilweise richtig. Unsere Unternehmen sehen sich aktuell durch massiv gestiegene Energie- und Transportkosten mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Sie müssen zum Teil deutlich stärkere Belastungen schultern als die Konkurrenz in anderen Bundesländern, wodurch ihre Wettbewerbsfähigkeit akut gefährdet wird. Niedersachsen ist durch Volkswagen stark vom Automobilsektor abhängig. Lieferkettenstörungen wie die Halbleiterknappheit oder geopolitische Handelshemmnisse wirken sich unmittelbar auf die Produktion und die Arbeitsplätze aus. Das belastet wiederum die Transport- und Logistikbranche in erheblichem Ausmaß.
Insolvenzen und Geschäftsaufgaben nehmen auch in Niedersachsen weiter zu – das mittlere Unternehmenssegment steht unter besonderem Druck.
Richtig. Die Zunahme von Insolvenzen, besonders im Mittelstand, ist eine ernste Entwicklung. Viele Unternehmen stehen unter enormem Druck, nicht zuletzt wegen steigender Kosten und Bürokratiebelastungen. Hier braucht es wirksame Hilfen und Entlastungen.
Mittlerweile sind bürokratische und regulatorische Anforderungen, wie etwa die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), für mittelständische Unternehmen gut umsetzbar.
Falsch. Gerade mittelständische Logistiker geraten durch aufsichtsrechtliche und bürokratische Vorgaben wie die CSRD an die Grenze des Leistbaren. Bürokratieabbau und praktikable Lösungen ohne Überregulierung sind dringend nötig, damit die Unternehmen handlungsfähig bleiben.
Die Investitionsoffensive für die Verkehrsinfrastruktur in Niedersachsen greift bislang zu kurz, besonders mit Blick auf Straßen, Häfen und Schiene.
Richtig. Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur in Niedersachsen reichen nicht aus – vor allem im Straßen-, Hafen- und Schienenbereich. Es braucht endlich einen spürbaren Impuls für den Ausbau und die Modernisierung, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Die zunehmend instabile globale Lage und neue Handelskonflikte wirken sich bereits spürbar auf die Logistikstandorte in Niedersachsen aus.
Richtig. Die internationale Lage mit neuen Handelskonflikten und geopolitischen Unsicherheiten wirkt sich unmittelbar auf die niedersächsischen Logistikstandorte aus. Unsere Unternehmen müssen immer schneller auf volatile Rahmenbedingungen reagieren.
Nachhaltigkeitsanforderungen sind inzwischen elementarer Bestandteil aller Geschäftsprozesse in der Logistik.
Richtig. Nachhaltigkeitskriterien sind heute integraler Bestandteil aller Geschäftsprozesse. Die Branche befindet sich beim Klimaschutz längst im Wandel, allerdings muss die Transformation auch ökonomisch tragfähig bleiben.
Die Antriebswende kann nur gelingen, wenn Unternehmen beim Depotladen zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur austauschen.
Richtig. Die Antriebswende im Transport kann nur erfolgreich sein, wenn Unternehmen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur eng zusammenarbeiten und Erfahrungen transparent austauschen. Die GVN setzt sich dafür ein, diesen Dialog zu unterstützen.
Um langfristig zu überleben, müssen kleine und mittelständische Transportunternehmen die digitale Transformation und Anbindung an Speditionsverbünde beschleunigen.
Richtig. Gerade für kleinere und mittelständische Betriebe ist eine rasche digitale Transformation sowie eine Anbindung an starke Speditionsnetzwerke überlebenswichtig. Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung.



