Deutsche Verkehrs-Zeitung
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Sachsen-Anhalt setzt den Güterverkehr auf die Schiene

Das Land fördert die Sanierung der regionalen Eisenbahninfrastruktur und entlastet so zukünftig die Straßen vom Verkehr

1,7 Millionen Tonnen Kalk- und Kalksteinprodukte rollen jedes Jahr aus den Kalkwerken der Fels-Werke GmbH in Sachsen-Anhalt über die Gleise des Unternehmens im Landkreis Harz. Der Kalk aus den Steinbrüchen Hornberg und den riesigen Kalkwerken Rübeland und Kaltes Tal wird in Waggons verladen und über drei sogenannte Anschlussbahnen abgefahren. Mehr als 60 Prozent der Fels-Werk-Produkte werden per Bahn transportiert - zu Unternehmen der Stahl- und Baustoffindustrie sowie zu Kraftwerken in ganz Ostdeutschland, wo sie in erster Linie für die Luftreinhaltung eingesetzt werden. Das Unternehmen betreibt mit der Fels Netz GmbH sogar ein öffentliches Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen, das einen Abschnitt der ehemaligen Rübelandbahn bewirtschaftet. Keine Frage, der Gütertransport per Bahn hat in Sachsen-Anhalt für den zweitgrößten Hersteller von Kalksteinprodukten Deutschlands eine große Bedeutung - und die Nutzung der Schiene entlastet gleichzeitig die Straßen der Region vom LKW-Verkehr.

Land fördert Sanierung der privaten Anschlussbahnen im Harz

Damit dies auch bei der Rübelandbahn so bleibt und sogar der Anteil der per Bahn abgefahrenen Kalkprodukte weiter steigen kann, fördert Sachsen-Anhalt die Instandhaltung der drei privaten Fels-Werke-Anschlussbahnen mit rund 458.000 Euro. Die Fels-Werke GmbH investiert mit der Landesförderung fast eine Million Euro in die Sanierung der Anlagen. „Wir unterstützen das Unternehmen dabei, den Schienengüterverkehr auf der Rübelandbahn auch künftig auf hohem Niveau beizubehalten. Das ist unser gemeinsames Ziel“, sagt Thomas Webel, Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt. Das Land hat bereits in den vergangenen Jahren die für den Kalk-Gütertransport genutzte Strecke der traditionsreichen Harz-Bahn saniert. Nun sollen auch die Anschlussgleise entsprechend ertüchtigt werden, damit der Kalkstein künftig auf umweltschonende Weise transportiert werden kann. Mit 50 Prozent der Gesamtkosten einer der höchstmöglichen Sätze, sei die Förderung eine große Unterstützung bei der Instandsetzung der Schiene, betont Sinisa Mauhar, technischer Geschäftsführer der Fels-Werke GmbH.

Potenziale der Eisenbahn künftig noch stärker nutzen

Die Förderung des privaten Bahnanschlusses in Rübeland ist das Projekt einer Offensive, mit der Sachsen-Anhalt die regionale Schieneninfrastrukur sanieren und weiterentwickeln will, um den Gütertransport von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene zu verlegen. „Die Eisenbahn bietet viele Möglichkeiten und große Potenziale, die wir künftig noch stärker nutzen müssen. Die Güterströme werden zunehmen, zugleich steigen die Anforderungen an deren Umweltverträglichkeit. Mit der Verlagerung von mehr Transporten auf die Schiene kann beidem Rechnung getragen werden“, so Thomas Webel.

Anfang 2020 hat das Land die „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Investitionen zur Stärkung des regionalen Schienengüterverkehrs in Sachsen-Anhalt“ erlassen. Drei Millionen Euro stellt das Land bis 2024 für den Bau, die Modernisierung und die Renovierung von Gleisanlagen, Schienenverbindungen sowie Be- und Entladeeinrichtungen zur Verfügung, deren Betreiber eine direkte oder indirekte Verbindung an das Netz eines öffentlichen Eisenbahninfrastruktur-Unternehmens nutzen. Im Rahmen des Förderprogrammes können Eigentümer privater Schienengüter-Verkehrsinfrastruktur die Hälfte der Investitionskosten als Zuschuss beantragen. „Den Güterschienenverkehr zu fördern, stillgelegte Anschlussgleise an Unternehmen zu beleben, dafür bedarf es mitunter nur vergleichsweise kleinerer baulicher Maßnahmen wie der Reaktivierung vorhandener Gleisanschlüsse“, sagt der Verkehrsminister.

Sachsen-Anhalt ist mit seinem Engagement für private Gleisanschlüsse Vorreiter: Es ist eines von nur zwei Bundesländern, die eine entsprechende Richtlinie des Bundes auf Landesebene umgesetzt haben. Mit der finanziellen Unterstützung wolle man einen Anreiz und zugleich die Voraussetzungen dafür schaffen, künftig immer mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dies bedeutet nicht zuletzt auch weniger Lärm für Anwohner und eine deutliche Entlastung der Straßen.

Das Land setzt traditionell auf die Schiene. Mit 18,3 Streckenkilometern pro 100 Quadratkilometer liegt die Netzflächendichte über dem Durchschnitt der neuen Bundesländer und erreicht auch weltweit einen der höchsten Werte für ein Land. Die Streckenlänge des Schienennetzes in Sachsen-Anhalt umfasst knapp 2.000 Kilometer der Deutsche Bahn Netz AG und 1.115 Kilometer nicht-bundeseigene Eisenbahnen, von denen circa 800 Kilometer ausschließlich für den Güterverkehr genutzt werden. Nachdem Anfang der 2000er Jahre die Güterverkehrs-Sparte der Deutschen Bahn AG im Zuge eines Sanierungsprogramms einen Großteil der privaten Gleisanschlüsse gekündigt hatte, verloren auch in Sachsen-Anhalt viele Unternehmen einen Anschluss an das öffentliche Schienennetz. Nun fördert das Land wieder private Schieneninfrastruktur.

Sanierung im Kaliwerk Zielitz und im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen

Den Anschluss an das öffentliche Schienennetz nutzt auch das Kaliwerk Zielitz (Landkreis Börde). Das größte Einzelwerk der K+S Minerals and Agriculture GmbH gehört mit 1 850 Mitarbeitern zu den größten Unternehmen Sachsen-Anhalts. Die Förderleistung des Werkes beträgt 40.000 Tonnen Rohsalz pro Tag, im vergangenen Jahr wurden in Zielitz rund 1,6 Millionen Tonnen Kalidüngemittel hergestellt, wovon rund 80 Prozent per Bahn verladen wurden. Jährlich verlassen rund 18.000 Waggons den Verladebahnhof auf dem Betriebsgelände bei Magdeburg. Die Güter gehen direkt mit dem Zug zum Hamburger „Kalikai“ und von dort aus per Containerschiff auf die Reise nach Südamerika oder Asien. Mit der jetzigen Landesförderung in Höhe von 265.000 Euro werden auch im Kaliwerk die Gleise und Weichen des Unternehmens gewartet, um weiterhin die energieeffiziente Schiene nutzen zu können.

300.000 Euro stellt das Land zudem für die Sanierung weiterer Gleisanlagen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen bereit. Insgesamt sollen vier Stellsignale und 1.900 Meter Gleis saniert werden. Das sind drei bis fünf Prozent des gesamten Netzes, das die RBB für den Güterverkehr im Chemiepark betreibt. Sämtliche Transportleistungen auf der Schiene werden dort von der Regiobahn Bitterfeld Berlin GmbH (RBB) erbracht. An deren öffentliche Eisenbahninfrastruktur sind derzeit 14 verladende Unternehmen angeschlossen, insgesamt wurden vergangenes Jahr 920.000 Tonnen Güter über die Schienen des Areals bewegt. „Bereits in der Vergangenheit sind im Chemiepark zahlreiche Investitionen in Gleisanlagen, Weichen und Abstellanlagen, aber auch in die Leit- und Sicherungstechnik mit finanzieller Unterstützung des Landes getätigt worden“, sagt Verkehrsminister Webel. Ein leistungsfähiger Eisenbahnbetrieb ist die Basis für den Erfolg des Chemieparks mit seinen über 300 Unternehmen und 11.000 Beschäftigten.

Die ersten drei nach der Landes-Richtlinie zur Stärkung des regionalen Schienengüterverkehrs unterstützten Projekte in Sachsen-Anhalt zeigen, dass diese Landesförderung ein wichtiger Anreiz für Betreiber privater Schienennetze ist, in den Neu- und Ausbau sowie in die kontinuierliche Instandhaltung der vorhandenen privaten Gleisanschlüsse zu investieren.