
Als Hausherr von Deutschlands größter Luftverkehrs-Drehscheibe könnte Dr. Stefan Schulte eigentlich zufrieden sein. Mit der Fertigstellung der neuen Landebahn hat der von ihm geführte Flughafenbetreiber Fraport einen wesentlichen Teil der ehrgeizige Ausbaupläne vollbracht. Doch damit wird der 51-Jährige auch für die Lärmbelastung verantwortlich gemacht. Und durch das Nachtflugverbot droht dem Drehkreuz ein empfindlicher Bedeutungsverlust.
Schulte kennt das im M-Dax geführte Unternehmen gut. Der gebürtige Wuppertaler fing 2003 bei Fraport als Finanzvorstand an und verantwortete zunächst den kaufmännischen Bereich, die IT-Dienstleistungen und das Beteiligungsgeschäft. Seine Laufbahn begonnen hatte der gelernte Bankkaufmann und promovierte Betriebswirt (Uni Köln) anno 1991 bei der Deutschen Bank. Nach Stationen bei Mannesmann Arcor und Infostrada stieg der Vater zweiter Tochter beim Maschinenbauer Deutz zum Vorstand auf.
Spätestens als der Fraport-Aufsichtsrat Schulte 2006 zum Stellvertreter des langjährigen Fraport-Vorstandschefs Prof. Wilhelm Bender machte, war klar, wohin Schultes Laufbahn gehen würde. Im Laufe der Jahre knüpfte der Sohn eines Möbelhändlers ein enges Beziehungsnetz in der Branche – insbesondere auch zum wichtigsten Fraport-Kunden Lufthansa. Im Spätsommer des Krisenjahres 2009 nahm Schulte schließlich auf dem Chefssessel der Airport-Betreibergesellschaft Platz. Vorgänger Bender ging in den Ruhestand.
Energisch trieb Schulte die Fertigstellung der 600 Mio. EUR teuren neuen Landebahn voran. Kurz vor der Inbetriebnahme der Nordwestbahn verdarb der Hessische Verwaltungsgerichtshof die gute Stimmung. Die Richter untersagten vorläufig die pro Tag vorgesehenen 17 Nachtflüge und verordnetem dem Flughafen eine Betriebsruhe zwischen 23 und 5 Uhr. Schulte setzt jedoch darauf, dass das letztinstanzliche Bundesverwaltungsgericht bei seiner Entscheidung im kommenden März die vom Land Hessen genehmigten Nachtflüge doch noch zulässt.
Nach zwölf Jahren Debatte, Planung und Bau eröffnete Schulte gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel im vergangenen Oktober die vierte Startbahn des Flughafens. Seitdem versammeln sich Montag für Montag Tausende von Anwohnern im Terminal, um gegen den Fluglärm im allgemeinen und die neue Bahn im besonderen zu protestieren. Denn mit der vierten Bahn wurden An- und Abflüge und damit der Lärm neu verteilt. Dagegen wächst der Protest der Bürger. Ihnen hatte die Politik im Gegenzug zum Ausbau eine ruhige Nacht zugesagt. Für den neuen Lärm machen sie nun Schulte verantwortlich.
Trotz neuer Bahn dämpft Schulte allzu große Erwartungen im laufenden Jahr. Das erwartete Passagierplus von vier Prozent liegt am unteren Ende der bisherigen Prognose, die bis zu sieben Prozent reichte. Als Grund nennt der Fraport-Chef die unsichere konjunkturelle Entwicklung. Dennoch soll der Umsatz in 2012 über die für 2011 angekündigten gut 2,3 Mrd. EUR wachsen. (ma)