
Dr. Andreas Scheuer ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und zugleich Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik. Aus dieser Funktion her ist der Aktionsplan Güterverkehr und Logistik „sein Baby“, das er mit viel Engagement vorantreibt.
Der Weg zum Experten für Güterverkehr und Logistik war bei ihm aber alles andere als vorgezeichnet. 1974 in Passau geboren, absolvierte er nach dem Abitur zunächst ein Lehramtsstudium zum Realschullehrer. Nach dem 1. Staatsexamen legte er noch mit einem Magisterstudium in den Fächern Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaft an der Universität Passau nach. Zu diesem Zeitpunkt war er aber schon lange in der CSU politisch aktiv: 2002 wurde er in den Stadtrat Passau und in den deutschen Bundestag gewählt. Neben seiner politischen Tätigkeit promovierte er 2004 am Lehrstuhl für Politikwissenschaften an der Karlsuniversität Prag über „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“.
Erst nachdem er 2005 in Passau ein Wahlkreisdirektmandat errungen hat, rückte bei ihm die Verkehrspolitik in den Fokus. „Fachlich habe ich in meinen vier Jahren im Bundestags-Verkehrsausschuss die politische Gemeinschaft rund um die Verkehrswirtschaft in Berlin gut kennengelernt“, sagte er Anfang 2010 in einem DVZ-Interview, „gerade im Bereich Güterverkehrslogistik.“ Autonarr war er aber schon vorher: Auch wenn er nicht gerne öffentlich darüber spricht, ist es ein offenes Geheimnis, dass sich der eine oder andere Pkw-Oldtimer in seinem Besitz befindet.
Mit dem Amtsantritt des Oberbayern Peter Ramsauer begann für den oberbayrischen Wahlkreiskollegen Andreas Scheuer ein neuer Karriereabschnitt als Parlamentarischer Staatssekretär und damit seine erste Funktion in der Exekutive. „Die Strukturen im Verwaltungsapparat sind schon gewöhnungsbedürftig“, stöhnte er einige Monate nach der Ernennung.
Dass er aber nicht einem Elfenbeinturm aus Akten sitzen möchte, sondern in einem „offenen Haus“, zeigt er auch auf seine Art. „Ich gelte als SMS-verrückt, da wundert sich mein Vorzimmer oft“, sagt er. „Wenn ich jemanden von einem Verband wegen einer Fachfrage hier brauche, dann schicken wir uns SMS.“ Seine Offenheit hat aber auch dazu beigetragen, dass bei der Arbeit am „Aktionsplan Güterverkehr und Logistik“ trotz teilweise unüberbrückbarer Interessengegensätze keiner der Teilnehmer vom Tisch aufgestanden ist. Das verdient umso mehr Würdigung, als ihm die Bahnlobby wegen seiner unbestreitbaren Affinität zur Straße eher misstrauisch begegnet. Die Straßengüterverkehrsbranche hingegen freut sich, nach vielen Jahren endlich einen ihr wohlgesonnenen Gesprächspartner im Ministerium zu haben. Jetzt hofft er nur noch, dass sich die Logistikbranche im Gegenzug ebenso offenherzig zeigt, wenn es um ihren finanziellen Beitrag zur Vermarktungsinitiative Logistics Alliance Germany zeigt.