Musik, Menschen, Monkey Gin

In der Logistikwirtschaft wurde in den vergangenen Monaten vor allem über Digitalisierung gesprochen. Auf der DVZ-Gala am 20. März in Hamburg standen von der ersten Minute an trotzdem die Menschen im Mittelpunkt. Den Anfang machte Dorothee Bär in ihrer Begrüßungsrede. Die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesverkehrsministerium lobte den LEO Award (Logistics Excellence Optimisation) dafür, dass er die Menschen auszeichnet – und nicht die Produkte. „In der deutschen Logistikwirtschaft sind 2,8 Mio. Menschen beschäftigt, also gibt es auch 2,8 Mio. Biografien“, sagte sie. 

Sie spielte allerdings auch auf das Akzeptanzproblem der Branche in der Bevölkerung an: „Die Logistik funktioniert in Deutschland so gut, dass die Menschen sie gar nicht wahrnehmen.“ Jeder Einzelne müsse daher noch mehr als Botschafter fungieren, sagte sie zu den circa 350 Gästen im Curiohaus und fügte hinzu: „Sie sind die Guten!“ Die Logistiker sorgten schließlich dafür, dass die Menschen pünktlich und zuverlässig ihre Waren erhielten. „Das sollten Sie stärker nach außen tragen.“ Die Bevölkerung müsse heute zudem stets eingebunden werden in neue Infrastrukturprojekte, sagte Bär weiter. „Egal was gebaut wird: Ohne die Zustimmung der Menschen funktioniert es nicht.“

Manager des Jahres: „Mutige Jury-Entscheidung“

Welch interessante Menschen in der Logistik tätig sind, bewiesen dann die LEO-Preisträger 2015. Eingeleitet wurde die Verleihung zunächst allerdings mit einer spektakulären Showeinlage der Sängerin Marion Campbell, im Vorjahr Finalistin bei der Castingshow „The Voice of Germany“. Sie endete damit, dass Vertreter der LEO-Sponsoren die Hüften auf der Bühne schwangen.

Nach dieser kleinen Auflockerungsübung ging es dann aber los. Den Anfang machte Hans Ehm. Der Leiter Supply-Chain-Innovation beim Münchner Halbleiterhersteller Infineon sei überrascht gewesen, als er erfahren habe, dass er als Physiker und Maschinenbauer einen LEO erhält. Die Entscheidung der DVZ-Jury bezeichnete er als „mutig“. Doch da wusste der „Manager des Jahres“ noch nicht, dass gleich noch zwei Ingenieure, ein Diplom-Musiker und ein Vertreter aus der humanitären Hilfe folgen sollten. Ehm lobte – ähnlich wie zuvor bereits Dorothee Bär – die Logistik- und Supply-Chain-Kompetenz Deutschlands. „Wir können Dinge besser zusammenführen als alle anderen. Das sollte weiter unser Ziel sein“, sagte der Supply-Chain-Experte, der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern angereist war. Das Besondere: Mit Ehm gewann kein gewöhnlicher Logistik- oder Supply Chain Manager, sondern einer der Innovationen im Lieferkettenmanagement allgemein als auch in seinem Unternehmen vorantreibt.

Diplom-Musiker holt Unternehmer-LEO

Und weiter ging es mit innovativen Menschen. Monika Kentzler und Georg Stefan Hagemann von Daimler gewannen in der Kategorie „Zukunftsmacher“ für die Entwicklung des Future Trucks. Hagemann sagte nach der Laudatio von DVZ-Chefredakteur Günther Hörbst: „Ich bekomme richtige Gänsehaut, wenn ich noch mal alles Revue passieren lasse und jetzt hier oben auf der Bühne stehe.“

Den Unternehmer-LEO wiederum holte ein Diplom-Musiker, der später aber auch noch BWL studierte. Denn für Stefan Noerpel-Schneider spielte die Musik am Ende doch in der Logistik, und zwar bei der Ulmer Spedition Noerpel. Deren Umsatz hat er seit 1998 auf 290 Mio. EUR fast versechsfacht. Über die weiteren Expansionspläne sagte er bei der Preisverleihung: „Wir sind noch damit beschäftigt, alles gut zu verdauen und auf gesunde Füße zu stellen.“ Noerpel hatte ganz in Familienunternehmer-Art sogar seine 81-jährige Schwiegermutter mitgebracht.

Logistik in Ausnahmesituationen

Ein besonders emotionaler Moment jeder LEO-Verleihung ist die Übergabe des Preises an den „Mensch des Jahres“. So war es auch dieses Mal. Der 61-Jährige Wolfgang Herbinger – von Haus aus ebenfalls kein Logistiker – freute sich sehr über die Auszeichnung, aber ohne jeden Überschwang. Dafür ist sein Job als Leiter der Logistikabteilung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen auch viel zu ernsthaft. Er habe es zum Beispiel während seiner Zeit in Pakistan schon erlebt, wie bei einem Selbstmordattentat vier Kollegen starben, sagte er auf der LEO-Bühne. Herbinger und sein Team müssen die Logistik in Ausnahmesituationen zum funktionieren bringen. „Private Dienstleister können hier in Zusammenarbeit mit humanitären Organisationen einen großen Beitrag leisten“, betonte er.

Schließlich erhielt dann doch noch ein Vollblutspediteur einen LEO Award, und zwar Walter Stork für die „Logistische Lebensleistung“. „Das Schöne ist, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat: Man bekommt immer noch etwas geschenkt, was man nie erwartet hätte“, sagte der Hamburger Spediteur auf der Bühne im Curiohaus. Storck schaute sich den Preis an und stellte fest: „Und den kann man nicht vererben, denn da steht mein Name drauf.“

Roulette und Rock 'n' Roll

Im Anschluss startete die große Partynacht – die „LEO Night“. Die Gäste trafen sich am Dessert Buffet und unterhielten sich später bei zum Beispiel Wein, Bier oder einem Glas Tonic mit Schwarzwald-Gin der inzwischen berühmten Marke Monkey 47. Einige tanzten zudem zu Musik von Marion Campbell und den Rockhouse Brothers oder gaben sich den Verlockungen des Glücksspiels hin.

Die Highlights des LEO 2015 (2:54 min.)