Kategorie Unternehmer

Thomas W. Herwig, Offenheit als Weg zum Erfolg

Transparenz Wer etwas über die Unternehmensphilosophie des Bremer Luft- und Seefrachtspezialisten Röhlig Logistics und seines geschäftsführenden Gesellschafters Thomas W. Herwig erfahren will, muss sich ins „Haus am Fluss“ begeben. Dort, direkt an der Weser gelegen, befindet sich die Firmenzentrale des 1852 gegründeten Familienunternehmens. Ein moderner Bau mit großzügigen deckenhohen Fensterfronten rundherum. Jeder Mitarbeiter, sagt+ der Leo-Preisträger, könne von seinem Arbeitsplatz aus in drei Richtungen den Blick nach draußen werfen. Die Lage am Wasser, der Weser, dem Hafen empfindet Herwig als passende Symbolik für eine Firma, die viel mit Seefracht und Logistik zu tun hat. Sein Thema ist die Transparenz, die Offenheit, der Durchblick.

Mit diesem Wertekompass hat Herwig seit 1985 seiner Firma einen verlässlichen Wachstumspfad in der globalen Logistikwelt gewiesen. Mit dieser Offenheit hat er seiner Firma auch neue Märkte erschlossen, Röhlig zum global agierenden Unternehmen mit gut 140 Büros in 31 Ländern der Welt gemacht. Unter den Chefs der Tochterfirmen im Ausland befinden sich kaum Deutsche, und auch die Vorstände, außer ihm und der Personalchefin ebenfalls nur Ausländer, agieren von Miami und Hongkong aus. Herwig sagt: „Wir glauben nicht, dass wir die Länder besser kennen, als die Menschen, die dort aufgewachsen sind.“ Offenbar das richtige Modell: Röhlig konnte in einem schwierigen Geschäftsumfeld 2012 zum dritten Mal in Folge zweistellige Wachstumsraten aufweisen.
Apropos Zahlen. Auch das ist eine Besonderheit bei dem Bremer Traditionsunternehmen. Als Thomas Herwig 2002 das erste Mal Zahlen veröffentlichte, hat er sich den Zorn seiner hanseatischen Kollegen zugezogen. Das sei nicht bremisch, würde die guten Kaufmannssitten verderben, zeihten sie ihn damals. Als hanseatischer Mittelständler habe man sich abzuschotten. „Unsinn“, sagt Herwig. „Abschottung funktioniert nicht in einer globalisierten Welt. Deshalb wollen wir nicht zu bremisch-konservativ werden.“ (hö)

 

Kategorie Manager

Frank Wiemer, Logistik bei Rewe mit Weitblick strukturiert

Strikte Trennung Frank Wiemer ist Mitglied des Vorstandes der Rewe Zentral AG und Rewe-Zentralfinanz eG. Er verantwortet die Ressorts Fachmarkt National, Logistik und Unternehmenssicherheit als Chief Operation Officer (COO). Unter seiner Leitung hat die Handelskette ihre Logistik neu aufgestellt. Ein Logistikzentrum in Neu-Isenburg befindet sich noch in Bau, dann ist die Restrukturierung abgeschlossen. Im Mittelpunkt steht dabei die Trennung der Logistik von Vollsortiment und Discount. Wiemer hat dabei von Anfang an eine klare Strategie verfolgt, die dem Unternehmen erhebliche Einsparungen bescheren soll.
Zu dem Projekt gehört auch die Standardisierung und Modernisierung der IT-Systeme. Vergangenes Jahr wurde auf nationaler Ebene ein Fuhrparkmanagementsystem zur Tourenplanung und Speditionsabrechnung eingeführt. Dieses System wird in diesem Jahr durch ein integriertes Fuhrparkcontrolling finalisiert.
Darüber hinaus gibt es bei dem Handelsunternehmen eine Reihe weiterer, richtungsweisender Logistikprojekte. Erwähnt seien hier nur City-Logistik, Smarti oder das Drive-In-Konzept. All das waren und sind hochanspruchsvolle Vorhaben, die der LEO-Manager des Jahres 2013 vorangetrieben und gestaltet hat. Er bewies damit, dass er nicht nur ein klarer Stratege ist, sondern ein Manager mit Weitblick.
Wiemer, Jahrgang 1959, wechselte im Januar 2009 zu Rewe. Zuvor war er elf Jahre beim Handelskonzern Metro tätig, und zwar als Leiter der MDL Metro Group Distribution Logistics und zuletzt als Vorsitzender der Geschäftsführung der MGL Metro Group Logistics GmbH.
Der LEO-Preisträger in der Kategorie Manager wurde in Mainz geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann im elterlichen Betrieb, die er 1979 abschloss. Ein Abendstudium an der Akademie für Welthandel in Frankfurt schloss er 1985 mit dem Verkehrsfachwirt ab.
Frank Wiemer ist passionierter Koch und Frühaufsteher. Er hält sich mit Joggen fit und geht gern wandern. (rok)

 

Kategorie Logistische Lebensleistung

Hermann Grewer, Ein Leben mit Lastern

Ehrenamtliches Engagement „Ich lebe von meinen Lastern“, lautet ein Credo von Hermann Grewer. Und: „Wer meckert, muss auch mit gestalten“, ein zweites. Beide trieben den bald 70-Jährigen Zeit seines Berufslebens an.
Der im Ruhrgebiet aufgewachsene Grewer und studierte Maschinenbauer führt seit Ende der 60er Jahre ein erfolgreiches Transportunternehmen – spezialisiert auf den Silo- und den Gastransport. In Spitzenzeiten waren bis zu 140 Grewer-LKW unterwegs.
Mit dem LEO gewürdigt wird indes Grewers außerordentliches ehrenamtliches Engagement für das Transportgewerbe. Bereits Anfang der 80er Jahre begann es im Verkehrsausschuss der IHK Gelsenkirchen. Es folgten zahlreiche Ämter und Spitzenämter unter anderem in seinem gewerbepolitischen Heimatverband, dem heutigen VVWL Nordrhein-Westfalen, dem heutigen Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und beim Weltverband IRU.
Sein wichtigstes Amt war zweifellos das des BGL-Präsidenten. 17 Jahre stand der LEO-Preisträger an der Spitze und sprach somit für bis zu 15 000 Unternehmer des Straßengüterverkehrs. Nicht nur die Fusion der nationalen Nahverkehrs- und Fernverkehrsverbände zum BGL fielen in seine Amtszeit, auch gravierende Umwälzungen der LKW-Märkte mussten gewerbepolitisch begleitet werden. Dabei war Grewer immer verbindlich im Ton, aber um klare Worte auch nicht verlegen. Und immer auf der Suche nach Kompromissen, denn „nur Kompromisse bringen weiter, wenn auch nur in kleinen Schritten, aber sie bringen weiter.“ Das Teamwork habe ihm dabei besonders Spaß gemacht, die zunehmende Polemik weniger, so Grewer rückblickend.
Und was macht der Träger des Verdienstkreuzes erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland, wenn er sich einmal nicht mit seinen LKW oder der Gewerbepolitik beschäftigt? Dann pflegt er ein anderes Laster leidenschaftlich – seine fünf Oldtimer. Bei einer kleinen Spazierfahrt kann er herrlich entspannen. Ein Mann der Straße eben. (la)

 

Kategorie Mensch des Jahres

Andreas Buß, Tee trinken, aber nicht abwarten

Jugend fördern Als gebürtiger Ostfriese ist Andreas Buß in der Laurens Spethmann Holding (LSH) bestens aufgehoben. Denn bei dem Seevetaler Unternehmen geht es nicht nur, aber eben auch um Tee.
Das Geschäft ist in der Ostfriesischen Teegesellschaft, der OTG, gebündelt und steht für solch traditionsreiche Marken wie Meßmer oder Milford. Buß ist im Vorstand der Holding verantwortlich für Logistik und einen Teil der Produktion. Den Leo-Preis als „Mensch des Jahres“ aber hat er sich in seinem dritten Vorstandsfeld verdient, dem Personalressort: Mit einem ebenso mutigen wie sozial engagierten Projekt, das benachteiligten Jugendlichen den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben öffnet.
Die OTG Zukunft durch Ausbildung GmbH hat 115 Spätstartern seit ihrer Gründung im Jahr 2004 eine Ausbildung ermöglicht. Sie alle kamen von der Hauptschule, sie alle waren schlechte Schüler. Und galten damit als schwer oder gar nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar. Buß aber war überzeugt, dass nur das richtige Umfeld geschaffen werden müsse – „dann kommt auch die Leistung“. Der „Menschenfänger“, wie ihn Mitarbeiter im positivsten Sinne des Wortes gern bezeichnen, behielt Recht. Unterstützt von dem Fundament der LSH, in dem es heißt, Menschen machen den Unterschied, entwickelte Buß ein ausgefeiltes Modell, das vorbildlich soziale und wirtschaftliche Ziele verbindet.
75 Prozent seiner Schützlinge haben das Ausbildungsziel erreicht, freut sich Buß. Dafür hat LSH auch einiges getan – zum Beispiel Nachhilfe insbesondere bei sprachlichen Schwächen organisiert und Mentoren bereitgestellt.
Aber auch LSH selbst profitiert. Das Unternehmen, das seine Logistik bis zur Rampe selbst steuert, wird in den eigenen Abläufen flexibler und bietet inzwischen mit bestens ausgebildeten Mitarbeitern Lagerlogistik auch für Dritte an. Und: Fachkräftemangel ist zumindest in diesem Geschäftsfeld bei LSH ein Fremdwort. (kl)

 

Kategorie Newcomer

Lucius Bunk und Alexander Tebbe, Zehn Schiffe in fünf Jahren

Alles aus einer Hand Viele haben sie für verrückt erklärt, aber sie haben es durchgezogen. 2010, mitten in der bis heute andauernden Schifffahrtskrise haben Lucius Bunk (34) und Alexander Tebbe (31) ihre Reederei Auerbach Schifffahrt mit Sitz in Hamburg gegründet. Ihr Ziel war und ist, mit ihrem Unternehmen „an der gesamten Wertschöpfung in der See- und Handelsschifffahrt zu partizipieren“, wie es in der Unternehmenspräsentation heißt. Dazu zählen Tebbe und Bunk die Finanzierung und Bereederung der Schiffe, vor allem aber den Zugang zu Ladung und Fracht.
Die beiden Jungunternehmer, die sich bei der Reederei Ernst Russ kennen und schätzen gelernt haben, ergänzen sich gut. Alexander Tebbe, der aus Haren an der Ems kommt und dessen Großvater schon zur See gefahren ist, hat in London Schiffsfinanzierung studiert und anschließend in diesem Bereich gearbeitet. Lucius Bunk, der weitab der Küste in Bad Homburg aufgewachsen ist, ist Volkswirt und Sinologe und hat für Ernst Russ in China gearbeitet.
Gemeinsam gehen sie nun ihren eigenen Weg. Einerseits treten sie sehr jung und dynamisch auf, mit eigener Facebook-Seite und Youtube-Videos. Andererseits achten sie sehr darauf, auch ja solide zu wirtschaften. Sie wissen, zu welchen Exzessen die reichlich vorhandene Liquidität und das KG-Modell geführt haben. Beim Auf- und Ausbau ihres Unternehmens haben sie sich daher nicht das Geld vieler Kleinanleger gesichert, sondern Kapital und Know-how einer handverlesenen Anzahl an Investoren. Die meisten von ihnen sind erfahrene Geschäftsleute, viele von ihnen kommen sogar aus der Schifffahrtsbranche.
Bisher hat sich das Modell bewährt. Im Februar 2011 kauften sie ihr erstes Schiff, den Mehrzweckfrachter „Maple Ingrid“. Im Juni 2012 ersteigerten sie auf Aruba die „Maple Lotta“ und im Juli bekamen sie in Rotterdam den Zuschlag für die „Maple Lea“. Mindestens in diesem Tempo soll es weitergehen. Bunk und Tebbe hoffen, noch in diesem Jahr eine weitere Einheit für ihre Flotte zu finden. Denn bis 2015 wollen sie zehn Schiffe unter der Auerbach-Flagge haben. (sr)