Kraftpaket fährt auf leisen Sohlen

1000 PS stark, angetrieben von drei Elektrofahrmotoren, leise, emissionsreduziert: die neue Hybrid-Rangierlok von Metrans. (Foto: Tuba)

30. Januar 2017

Es ist eigentlich nur eine Rangierlok. Aber was für eine: Die blaue Hybrid-Maschine „Prima H3“, die der Intermodal-Dienstleister Metrans in der vergangenen Woche im Hamburger Hafen stilvoll auf den Namen „Praha“ taufen ließ, zeigt deutlich, wieviel umweltfreundlicher der erklärtermaßen schon ziemlich grüne Schienengüterverkehr immer noch werden kann. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Hersteller Alstom hat sich ordentlich ins Zeug gelegt. Aus 12 l Hubraum holen die drei stromgetriebenen Deutz-Motoren rund 1000 PS heraus. Damit zieht das Kraftpaket bis zu 2000 t über das Schienennetz – und emittiert dabei bis zu 50 Prozent weniger CO2 und bis zu 70 Prozent weniger Stickstoffdioxid.

Kein Wunder: Das eingebaute Dieselaggregat dient grundsätzlich nur dazu, die drei großen Batteriebänke während der Fahrt wiederaufzuladen, um die Leistung der Hybrid-Lokomotive zu stabilisieren oder zu erhöhen. Nur bei Spitzenlasten unterstützt der Verbrennungsmotor auch den Lokantrieb. Die H3 verbraucht so bis zu 50 Prozent weniger Diesel als vergleichbare herkömmliche Rangierloks.

Roger Mahler, Geschäftsführer der deutschen Metrans-Tocher, ist natürlich begeistert von „seinen“ H3: „Wir sind stolz, dass wir diese Maschinen in Betrieb genommen haben.“ Metrans Rail Deutschland setzt nämlich schon eine dieser modernen Hybridloks ein: seit Sommer vergangenen Jahres. Nun sind es also zwei – von insgesamt fünf Rangierloks.

HPA ermäßigt Netzentgelt

Unternehmerisch sind die H3-Loks schon eine Herausforderung. Eine Maschine kostet laut Mahler rund 1,9 Mio. EUR und damit mehr als eine herkömmliche. Dem stehen niedrigere Betriebskosten gegenüber – unter anderem dadurch, dass die Hamburg Port Authority (HPA) nur die halben Kosten für die Nutzung des Hafenbahn-Netzes in Rechnung stellt. Mahler: „Statt 25 EUR zahlt Metrans deshalb nur 12,50 EUR je Ladestellen-Bezirksfahrt.“ Der Dienstleister absolviert ein paar Hundert davon pro Monat – da kommt schon einiges zusammen. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Noch nicht sicher kalkulierbar sind die vollständigen Betriebskosten. Es gibt einfach noch keine Erfahrungswerte über die Praxistauglichkeit der Hybrid-Technik. Niemand kennt die Lebensdauer der Verschleißteile, insbesondere der teuren Batterien.

Alstom hat deshalb mit Erstkunden wie Metrans ein Servicepaket abgeschlossen. So bekommt die H3 spätestens nach acht Jahren ein neues Batteriepaket von Alstom. Und die Metrans-Mitarbeiter durften von Beginn an mitgestalten, arbeiteten also bei der Feinkonzeption des neuen blauen Zugpferdes mit.

Besonders stolz sind die Entwickler auch darauf, dass die Lokomotive viel leiser ist als ihre Vorgänger. Davon profitiert auch der Lokführer: 12 Dezibel weniger Betriebsgeräusche hört er im Führerstand; gefühlt ist das eine Halbierung des Lärms an diesem ganz speziellen und verantwortungsvollen Arbeitsplatz.

Die H3 bekam übrigens auch radial verstellbare Radsätze spendiert. Die Achsen passen sich also den Radien der Schienen an. Das senkt die Reibung zwischen Rad und Schiene und hat damit gleich mehrere deutliche Vorteile:

  • Die Lok braucht weniger Antriebsenergie
  • die Schienen werden weniger verschlissen
  • die Fahrt wird leiser.

Mahler hat aber noch einen weiteren wichtigen Grund, warum er auf die H3 setzt. Denn die Hybrid-Lok kann und darf auch als Streckenlok eingesetzt werden. „Wir können somit die Loks auch jenseits des Hafens auf unserem Netzwerk einsetzen“, betont der Metrans-Deutschland-Chef.

Strategie: Lieber selbst machen

Rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen inzwischen zur Mannschaft von Metrans Rail Deutschland. Das Unternehmen gehört zur Metrans Gruppe der Hamburger Hafen und Logistik AG, einem großen Player im europäischen Hinterlandgeschäft auf der Schiene.

Gestartet als klassischer Operateur, hat Metrans in den vergangenen Jahren kräftig in eigene Terminals, Waggons und Lokomotiven investiert. Zusammen mit der Schwestergesellschaft Polzug transportierte der Dienstleister im Jahr 2015 rund 1 Mio. Teu. Zumindest bei Metrans hat sich das auch finanziell gelohnt: Die Intermodaltochter wies ein Gesamtergebnis von rund 32 Mio. EUR aus.

Seit drei Jahren engagiert sich das Unternehmen auch im Rangiergeschäft im Hamburger Hafen. Das folgt der Grundlogik, der Metrans seit Jahren konsequent folgt: Möglichst viele Dienstleistungen aus eigener Hand, mit eigenem, technisch optimiertem Equipment und hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Hybridlok H3 passt da bestens ins Bild. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

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