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Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat dazu am Dienstag nach einer Sitzung des Forums Flughafen und Region (FFR) ein erstes Paket konkreter Maßnahmen vorgestellt. Damit soll der in Folge des Flughafenausbaus insgesamt steigende Fluglärm begrenzt und die Zahl der stark vom Lärm belästigten Menschen vermindert werden.
Noch stehen Genehmigungen für die angestrebten Änderungen im Luftverkehr aus. Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Flugsicherung, der Fluggesellschaftsverband Barig, der Pilotenverband Vereinigung Cockpit, der Flughafenbetreiber Fraport und sein Hauptkunde, die Deutsche Lufthansa AG.
Geplant ist unter anderem die Umrüstung der sehr lauten Boeing 737-Jets der Lufthansa mit Schalldämpfern. Europas größtes Luftfahrtunternehmen kündigte an, dies bis zur Inbetriebnahme der neuen Landebahn im Herbst 2011 abzuschließen. Die Dämpfer bringen nach Einschätzung des FFR die größte Lärmminderung. Bis 2015 sollen die 737-Jets komplett aus dem Betrieb genommen werden.
Hier die geplanten Maßnahmen im Einzelnen:
Tempolimit für Flieger: Nach dem Start sollen Flugzeuge die ersten 11 km künftig nur noch mit einem maximalen Tempo von rund 400 km/h fliegen dürfen. Bei gleichem Schub steigen die Maschinen damit schneller in den Himmel auf, der Abstand zum Boden wird früher größer und die Lärmbeeinträchtigung verringert. In einem ersten Versuch soll dies ab Ende 2010 auf bestimmten Abflugrouten von der Startbahn West aus gelten.
Umbauten von Triebwerken: Die Deutsche Lufthansa will ihre 26 am Frankfurter Flughafen stationierten Boeings 737-300 und 737-500 für bis zu 3 Mio. EUR leiser machen. Dazu werden spezielle Platten in die Triebwerke eingebaut, die den Schall im Inneren halten sollen. Im Landeanflug soll dies den Lärm um 2,4 dB mindern. Zum Vergleich: Minus 3 dB gilt als eine Halbierung des Lärms.
Anflugrichtung ändern: Flughäfen werden in der Regel so betrieben, dass die Maschinen gegen den Wind landen und gegen den Wind starten. Künftig sollen aber verstärkt Landeanflüge aus dem Osten statt aus dem Westen stattfinden, weil davon weniger Menschen betroffen sind. Erlaubt ist das Landen derzeit bei maximal fünf Knoten Rückenwind. Die internationale Luftfahrtorganisation prüft sogar eine Ausweitung auf bis zu sieben Knoten.
Krumme Anflugrouten: Um die dicht besiedelten Gebiete im Rhein-Main-Gebiet möglichst zu schonen, sollen die Flugzeuge künftig mehr Kurven fliegen. So könnten Mainz, Offenbach und Hanau entlastet, die Gemeinde Obertshausen südlich von Offenbach aber mehr belastet werden. Begonnen werden soll mit einem Probebetrieb Ende 2010.
Lärmpausen: Die An- und Abflugrouten werden gezielt so gewählt, dass für die betroffenen Anwohner Lärmpausen entstehen. Das kann so weit gehen, dass an geraden Tagen eines Monats die Route A geflogen wird und an ungeraden Tagen die Route B. Ziel: Betroffene sollen planbar wissen, dass sie zum Beispiel zumindest in jeder zweiten Nacht das Fenster offen lassen können oder an ganz bestimmten Tagen zum Grillfest auf die Terrasse laden können.
Kontinuierlicher Sinkflug: Dieses Verfahren wird für die Nacht zum Teil schon genutzt: Die Flugzeuge regeln die Triebwerksleistung noch in großer Höhe praktisch hinunter und „segeln“ quasi bis zur Landebahn. Doch die Umsetzung ist technisch kompliziert: Künftig sollen die Piloten genauere Informationen von den Lotsen erhalten, um möglichst glatt und nicht in Stufen landen zu können.
Steilere Landung: Normalerweise landen Verkehrsflugzeuge mit einem Anflugwinkel zur Landebahn von 3,0 Grad. Dieser Winkel soll zumindest bei der neuen Nordwestlandebahn bei einigen Landungen auf 3,2 Grad angehoben werden. Der Vorteil: Die Flugzeuge haben längere Zeit einen größeren Abstand zur Erde und sorgen so für weniger Lärmbelastung am Boden. (dpa/sm)





