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Schneechaos im Norden

Verkehr bricht unter Schneemassen zusammen

"Daisy" hat den Norden lahmgelegt. (Bild: dpa)

10.01.2010 | Heftige Schneestürme haben am Sonntag in Norddeutschland das befürchtete Winterchaos ausgelöst. Das Tief „Daisy“ schnitt Dutzende Dörfer an der Küste und auf den Ostseeinseln von der Außenwelt ab. Der hart getroffene Landkreis Ostvorpommern rief Katastrophenalarm aus. Bis zum Morgen saßen in Mecklenburg-Vorpommern auf der Autobahn A 20 zwischen Anklam und Süderholz hunderte Menschen in ihren Fahrzeugen fest. Bei Dahme in Schleswig-Holstein drohte wegen Sturmflut an der Ostsee ein Deich zu brechen. Zahlreiche Helfer kämpften dort gegen die Fluten.

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Schneewehen und umgestürzte Bäume blockierten Straßen auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt fielen wegen starken Schneefalls bis Sonntagmittag mehr als 80 Flüge aus. Bereits am Samstag waren mehr als 200 Flüge gestrichen worden. Rund 100 Passagiere campierten im Flughafen auf Feldbetten, weitere Fluggäste wurden in Hotels untergebracht.

Bundesweit verursachte der fortgesetzte Schneefall im Bahnverkehr für Streckensperrungen und Verspätungen. Schneeverwehungen hätten viele Weichen gestört und einzelne Strecken unpassierbar gemacht, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich in der „Bild am Sonntag“ bei den Fahrgästen. „Wir sind und bleiben ein Verkehrsmittel für jedes Wetter. Aber gerade Eisregen ist ein seltenes Ereignis, für das es keine Abhilfe gibt“, sagte er.

Die Schneefälle dauerten in weiten Teilen Deutschlands den Sonntag über an. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll Tief „Daisy“ allerdings am Montag in Richtung Mittelmeer abziehen. Dann folge jedoch eine neue Kältewelle und lasse die geschlossene Schneedecke festfrieren.

Ausharren in Eiseskälte auf der Autobahn

Bei eisigen Temperaturen harrten in der Nacht zu Sonntag fast 300 Menschen in Autos und Lastwagen zwischen Gützkow und Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern auf der blockierten Autobahn A 20 aus. Auch Busfahrgäste saßen auf der Fernstraße fest. Räumfahrzeuge mussten zunächst die Fahrbahnen vom Schnee befreien, der manchen Autos bis an die Fenster reichte. Erst am Vormittag bargen Rettungskräfte die Eingeschlossenen und brachten sie in Notunterkünfte.

Insgesamt 44 Reisende wurden seit Samstagabend zwischen Stralsund und Anklam aus zwei Zügen gerettet, die in Schneewehen feststeckten. Stundenlang hatten die frierenden Reisenden zuvor in den Waggons ausharren müssen. Beide Züge blieben stehen und sollten später geborgen werden. Landesweit wurden wegen des Unwetters Bahnstrecken gesperrt. Auch in Brandenburg wurden Bahnlinien gesperrt.

Dramatische Lage auf Fehmarn

Dramatisch war die Lage auf Fehmarn, Rügen und Usedom. Dort legten hohe Schneeverwehungen den Verkehr weitgehend lahm. Auf Fehmarn war nur noch die Autobahn befahrbar, die den Fährhafen nach Dänemark mit dem Festland verbindet. Zudem fiel am Sonntag auf der gesamten Insel für eine Stunde der Strom aus. „Im Moment ist alles erstarrt“, sagte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Extremes Hochwasser der Ostsee und der Sturm hätten zudem einen Deich auf 25 Metern Länge beschädigt. „Alle Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten“, sagte Schmiedt.

Auf Rügen behinderten bis zu drei Meter hohe Schneewehen ebenfalls den Verkehr, die Busse fuhren nicht mehr. Viele Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. An der Küste und im Binnenland waren Dutzende Dörfer eingeschneit, Kreis- und Landesstraßen unpassierbar.

Zahlreiche Dörfer abgeschnitten

Abgeschnitten waren auch unzählige Dörfer in Ostholstein. Schnee und Sturm sorgten auch im übrigen Schleswig-Holstein für massive Verkehrsprobleme. Die Räumdienste hielten nur mit Mühe und Not die Autobahnen und andere Hauptverkehrsstraßen frei. Doch selbst die Autobahn A 20 zwischen Bad Segeberg und Lübeck wurde von Samstagabend bis Sonntagvormittag auf 20 Kilometer Länge voll gesperrt. Bei Lübeck schnitten meterhohe Schneewehen den Ort Priwall von der Außenwelt ab. Auch die Priwallfähre stellte ihren Betrieb wegen Hochwassers und Sturm ein. In der Lübecker Altstadt trat die Trave über die Ufer.

Wegen orkanartiger Böen hatte die Reederei Scandlines schon am Samstag ihre Fähren von und nach Schweden und Dänemark ab Rostock und Sassnitz gestoppt. Reisende mussten lange Wartezeiten hinnehmen. „Wir können weder die Passagiere noch die Schiffe gefährden“, sagte ein Sprecher zur Begründung.

In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich am Wochenende mehr als 1000 Verkehrsunfälle, dabei starben zwei Menschen. Bereits in der Nacht zu Samstag hatten rund 400 Lastwagenfahrer an der deutsch-französischen Grenze im baden-württembergischen Neuenburg ausharren müssen. Erst im laufe des Tages normalisierte sich die Lage wieder, nachdem die französischen Behörden die auf der Autobahn A 5 gestauten Lastwagen wieder über die Grenze ließen. (dpa)

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