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Fährreisende zwischen Mecklenburg-Vorpommern sowie Schweden und Dänemark müssen wegen des Sturmtiefs „Daisy“ lange Wartezeiten hinnehmen. „Wir setzen die Fähren zwischen Rostock und Gedser bis Sonntag 15 Uhr vorerst aus“, sagte ein Sprecher der Reederei Scandlines am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Rostock. Auch die zwei nächsten Fähren zwischen Sassnitz und Trelleborg würden nicht fahren. „Wir können weder die Passagiere noch die Schiffe gefährden“, sagte der Sprecher.
Schneefall brachte auch dem Osten Tschechiens ein Verkehrschaos. In Polen führte starker Schneefall zu Staus und Sperrungen. Der Flughafen von Toulouse war am Vormittag komplett gesperrt. In Italien führten Flüsse wie der Tiber weiter Hochwasser, auch wenn es für die Hauptstadt Rom Entwarnung gab. In Norditalien schneite es weiter.
Galicien im Nordwesten Spaniens erlebte die schwersten Schneefälle in 25 Jahren. Deutschland verwandelte sich in ein großflächiges Schneefallgebiet. Die Schneehöhen lagen bei zum Teil nur wenigen Zentimetern bis zu 170 Zentimetern auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg. Es kam zu hunderten Autounfällen, bei denen es meistens bei Verletzten blieb. Auf vielen Autobahnen stockte dennoch der Verkehr. Bundes- und Landstraßen waren unpassierbar. Am Nürnberger Flughafen war der Flugverkehr am Freitagabend nach dem Unfall mit einer Maschine für mehrere Stunden eingestellt worden.
Dramatische Situation auf Fehmarn
Dramatisch war die Situation auf der Ostseeinsel Fehmarn. Die Lage sei katastrophal, sagte der dortige Bürgermeister, Otto-Uwe Schmiedt. Besonders betroffen waren der Norden und der Osten der Insel, die etwa 13.000 Einwohner hat. Laut Bewohnern türmten sich Verwehungen bis zu einer Höhe von zwei Metern auf. „Die Verbindungen zwischen den 42 Dörfern auf der Insel sind blockiert und praktisch nicht mehr passierbar.“
Anders sah es im übrigen Schleswig-Holstein sowie in Hamburg aus: Auf den Straßen gebe es keine Probleme, berichteten die Leitstellen der Polizei. „Hier ist absolut gar nix. Wir haben keine dramatische Lage“, sagte ein Sprecher in Kiel und betonte: „Das ganze Thema ist von den Medien aufgebauscht worden.“ Nur auf einigen Nebenstraßen gab es Verwehungen, etwa in der Nähe von Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg).
Die Streudienste der Stadtreinigung waren in Hamburg bereits am frühen Morgen mit mehr als 100 Fahrzeugen ausgerückt. Am Flughafen kam es zu einigen Verspätungen und Ausfällen. „Nicht ungewöhnlich“, meinte Sprecherin Stefanie Harder, „das ist ein ganz normaler Wintertag. Es ist nicht so gekommen, wie befürchtet wurde“. Wie viele Maschinen mit Verspätung unterwegs waren oder gestrichen wurden, sagte die Sprecherin nicht. Von Ausfällen sei Hamburg allerdings nur deshalb betroffen gewesen, weil die Flüge anderenorts - vor allem in Frankfurt und München - gestrichen wurden.
Eisbrecher halten Hafen eisfrei
Durch den Hamburger Hafen steuerten Eisbrecher wie der Schlepper „Heinrich Hübbe“ mit voller Fahrt, um das Zusammenfrieren der Eisschollen zu verhindern. Täglich halten mehrere Schlepper das Hafengebiet eisfrei.
Der Deutsche Wetterdienst kündigte bis zum Abend weiterhin Sturmböen an der Ostsee an, für den Kreis Ostholstein bis Stärke neun aus Nordost. „So lange der Wind anhält, bleibt die Lage auf Fehmarn kritisch“, sagte Schmiedt.
Spiegelglatte Fahrbahnen und eine geschlossene Schneedecke brachten am Morgen in weiten Teilen Hessens den Verkehr zum Erliegen. Das befürchtete große Chaos blieb aber aus, da viele Autofahrer die Wetterwarnungen ernst genommen hatten: „Die Leute fahren anständig oder bleiben zu Hause“, sagte ein Polizeisprecher.
Lkw blockieren A 5
Lediglich auf der Autobahn von Frankfurt nach Gießen (A 5) ging bei Friedberg nach heftigen Schneefällen zeitweise nichts mehr. Lastwagen blieben an einer Steigungsstrecke in Richtung Norden liegen. „An der Steigung steht's kreuz und quer“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Butzbach. Die Autobahn wurde kurzzeitig voll gesperrt, damit gestreut werden konnte.
Auf dem Frankfurter Flughafen war der Verkehr durch die Schneefälle stark eingeschränkt. Von Freitagabend bis Samstagmittag fielen rund 220 Flüge aus. Viele Maschinen starteten mit Verspätung. „Das Chaos ist aber ausgeblieben“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport.
Im Odenwald fiel in Bad König, Höchst und Michelstadt am Freitagabend der Strom aus, nachdem ein Baum auf eine Hochspannungsleitung gefallen war.
„Entspannte“ Situation in NRW
In Bielefeld in Nordrhein-Westfalen blockierte ein Lastwagen, der ins Rutschen geraten war, stundenlang eine Straße. Die Polizei sprach von einer insgesamt „sehr entspannten“ Verkehrslage. Es sei keine Chaos-Situation eingetreten, wie im Vorwege befürchtet.
Im bayerischen Oberfranken waren Straßen teilweise unpassierbar. Die Autobahn A 96 in Richtung München musste gleich zweimal für mehrere Stunden gesperrt werden. Im Landkreis Coburg kam es auf der Autobahn A 73 zwischen Eisfeld und Ebersdorf zu erheblichen Behinderungen wegen Schneeverwehungen.
Auf dem Main-Donau-Kanal bildeten sich immer mehr Eisschollen, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg am Samstag mitteilte. Die Schifffahrt war zunächst aber nur zwischen den Schleusen Leerstetten und Hilpoltstein behindert.
Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re befürchtet trotz der erwarteten starken Schneefälle keine größeren Versicherungsschäden. Zwar sei mit Schneebruch und starkem Eisansatz zu rechnen. Rekordschäden wie in Bayern vor vier Jahren seien aber nicht zu erwarten, prognostizierte das Unternehmen am Freitag. (dpa)






