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Die Erholungstendenz für die deutschen Reeder belegt eine am Freitag in Hamburg veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Die meisten Schiffe, die zeitweise wegen mangelnder Nachfrage stillgelegt waren, fahren demnach wieder. "Die Erholung der maritimen Wirtschaft ist in Sicht", sagte der PwC-Branchenexperte Claus Brandt. Die Mehrzahl der Reeder (62 Prozent) erwartet in den nächsten Monaten eine steigende Beschäftigung für ihre Schiffe.
Damit ist die Branche aber längst nicht sorgenfrei. Die Piraterie hat trotz der militärischen Sicherungsmaßnahmen im Golf von Aden noch zugenommen und verursacht den Reedern hohe Kosten. "Die Aggressivität der Piraten hat deutlich zugenommen", sagte Brandt. Die Reedereien versuchen, sich mit den unterschiedlichsten Maßnahmen vor Angriffen zu schützen: Sie verstärken ihr Personal und sichern ihre Schiffe mit Nato-Draht, sie fahren in Konvois oder nehmen lange und teure Umwege in Kauf, um den Piraten zu entgehen. 42 der befragten 101 Reeder haben schon erlebt, dass ein Schiff ihrer Flotte von Piraten angegriffen wurde, einige mehrfach. Kosten wie zum Beispiel höhere Versicherungsprämien haben alle zu tragen.
"Die Sicherheitslage auf wichtigen Schifffahrtsrouten hat sich offenbar auch gut ein Jahr nach Beginn der Marineoperationen von EU und Nato kaum verbessert. Für den Schutz ihrer Schiffe sorgen in erster Linie die Reeder selbst, was die Transportkosten in die Höhe treibt", kommentiert Claus Brandt, Partner und Leiter des maritimen Kompetenzcenters bei PwC.
Sicherheitslage nicht wesentlich verbessert
Die "Operation Atalanta", mit der die EU seit Dezember 2008 die Transportwege am Horn von Afrika und vor der Küste Somalias militärisch abzusichern versucht, halten nur 40 Prozent der befragten Reeder für erfolgreich. Besonders kritisch sehen die Befragten allerdings Versuche, sich Sicherheit auf den Seewegen zu erkaufen. So sind drei von vier Reedern der Ansicht, dass vereinzelte Lösegeldzahlungen für gekaperte Schiffe das Piraterieproblem lediglich verschärft und verteuert haben.
Außerdem ist die Liquidität bei vielen Reedern nach der langen Flaute knapp. "Die Schiffsfinanzierung bleibt ein ausgesprochen wichtiges Thema", sagte der Experte. Bei vielen Reedereien seien Tilgungsrückstände für Kredite aufgelaufen; zudem hätten sie in den guten Schifffahrtszeiten Schiffe bestellt, die nun nicht durchfinanziert seien. Da die Schiffsbanken überwiegend selbst in Bedrängnis sind und zudem die Risiken höher einschätzen als in früheren Jahren, sind auch die Kredite teurer geworden und schwerer zu bekommen.
Unerwartete Belastungen drohen der Branche möglicherweise als Folge der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko. Die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ wird nach Einschätzung von knapp 70 Prozent der Befragten zu verschärften Umweltschutzauflagen für die maritime Wirtschaft insgesamt führen. Vier von fünf Reedern erwarten zudem strengere Sicherheitsvorschriften für die Schifffahrt.
Reeder werden umweltbewusster
Die Senkung des Treibstoffverbrauchs und der Schadstoffemissionen ist bereits heute für drei von vier Befragten ein wichtiges Thema. Klimafreundliche Antriebsformen, beispielsweise durch den Einsatz von Windsegeln und -rotoren zur Unterstützung der konventionellen Dieselmotoren, halten allerdings 90 Prozent der Reeder auf absehbare Zeit für keine Alternative.
Für die Studie, die PwC im Vorfeld des maritimen Gipfels der Bundesregierung am 5. Juli veröffentlicht, wurden zum zweiten Mal nach 2009 deutsche Reedereien zu den Auswirkungen der internationalen Seepiraterie und den allgemeinen wirtschaftlichen Erwartungen für die Branche befragt. Gut jedes dritte Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. Euro. (dpa/sm)
PwC: Piraten greifen mehr deutsche Schiffe an






