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Cargo Community System nimmt Testbetrieb auf

Neue Datenplattform soll Cargo-Abläufe optimieren

Von Ulrich Wrage

14.08.2011 | Der Rhein-Main-Airport baut ein Cargo Community System auf. Im kommenden Frühjahr startet der Testbetrieb. Spediteure, Airlines und Abfertiger sind dabei.

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Knapp 2,3 Mio. t Fracht haben die deutschen Flughäfen in der ersten Hälfte dieses Jahres umgeschlagen. Das ist ein 10,7-prozentiges Plus gegenüber dem Vergleichswert im ersten Halbjahr 2010. Entsprechend der positiven Entwicklungsprognose der Weltwirtschaft und der damit verbundenen Zunahme der weltweiten Warentransporte wird eine weitere Steigerung im Luftfrachtumschlag erwartet.

Der Frankfurter Flughafen – der größte europäische Frachtflughafen – strebt daher eine noch effizientere und transparentere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur an. Auch müssen die steigenden Anforderungen für die Security- und Zollabwicklung in die Prozesse eingebunden werden, ohne die Abläufe in der Frachtabfertigung zu verzögern. Frühzeitige Informationen werden dabei für alle Beteiligten zu einem wesentlichen Schlüsselfaktor.

Vertreter aller Branchen, die in die Umschlagprozesse involviert sind – hierzu gehören die Airlines, die Ground Handling Agenten (GHA), die Luftfrachtspediteure und die Trucking-Unternehmen –, sowie die Infrastrukturgeber haben sich zu einer hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe geformt. Diese durchleuchtete in den vergangenen Monaten die bestehenden ex- und importseitigen Transportabläufe hinsichtlich der Effizienzpotenziale, welche sich durch den Aufbau einer branchen- und unternehmensübergreifenden Kommunikationsplattform ergeben können.

Im Ergebnis kristallisierte sich heraus, dass zahlreiche, zum Teil noch papiergestützte Abwicklungsprozesse durch einen frühzeitigen und standardisierten Datenaustausch weiter beschleunigt werden können. Wenn die Informationen allen Beteiligten vor dem Eintreffen oder der Abholung der Ware zur Verfügung stehen, können Planungen und Folgeprozesse frühzeitig gestartet werden. Zeit- und Effizienzgewinne für alle Beteiligten und somit für den gesamten Standort sind die Folge.

Durch den Aufbau eines modernen und leistungsfähigen Cargo Community Systems (CCS), das alle Aspekte der Frachtabfertigung inklusive der Anforderungen an die Security und die Zollabfertigung umfasst, planen die Beteiligten, zukünftig eine schnellere und optimierte Frachtabwicklung zu realisieren.

Erfahrung aus Hamburg. Die Projektpartner haben beschlossen, eine Pilotplattform unter der Projektleitung des IT-Dienstleisters Dakosy Datenkommunikationssystem AG zu entwickeln. Dakosy verfügt bereits über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung und dem Betrieb eines CCS für den Seehafen Hamburg. Der Pilot für den Frankfurter Flughafen wird einen gemeinsam abgestimmten Teil der geplanten Gesamtfunktionalität des CCS unterstützen und soll bereits im ersten Quartal 2012 in den Testbetrieb starten. Nach erfolgreichem Abschluss der Testphase soll das CCS weiter ausgebaut werden und über offene Schnittstellen allen Akteuren aus der Luftfrachtbranche zur Verfügung stehen.

Die Liste der Pilotpartner liest sich wie das Who is Who der Luftfrachtbranche: Dachser, DHL Global Forwarding, Kühne + Nagel und Panalpina vertreten die Speditionsseite. Als Frachtfluggesellschaft engagiert sich Lufthansa Cargo ebenso wie die Cargo-Handlingsagenten Fraport Cargo Services, LUG aircargo handling und Worldwide Flight Services. Wichtig ist auch die Unterstützung der Fraport AG, die als Betreiber des Frankfurter Flughafens und damit wesentlicher Infrastrukturgeber das Vorhaben mit initiiert hat und seither aktiv begleitet. Die Aufnahme weiterer Partner in die Arbeitsgruppe ist derzeit noch möglich.

Transporte anmelden. Die zentrale Schlüsselfunktion des CCS nimmt die Transportvoranmeldung für zulaufende beziehungsweise abgehende Transporte ein (siehe Grafik). Die Nachricht beinhaltet die Sendungsdaten und Informationen über den Versender und Empfänger sowie Angaben zum Transport. Die Voranmeldung wird in der Regel vom Luftfrachtspediteur an die Airline oder den Ground Handling Agent (GHA) gesendet, der für die jeweilige Airline das Frachthandling übernimmt.

Die Transportvoranmeldung durchläuft einen Lebenszyklus, der mit Statusänderungen verbunden ist. Anfangs versteht sie sich als Ankündigung, die bereits zu Zwecken der Planung verwendet werden kann. In einem zeitlich späteren Schritt wird die Transportvoranmeldung verbindlich und bietet verlässliche Informationen über zugesicherte Wareneingänge beziehungsweise -ausgänge. Zusätzliche Statusmeldungen, vor allem zu Ladezeitpunkt, Transportverzögerungen und Einfahrt in die Sicherheitsbereiche der Cargo City (Nord + Süd) kommen hinzu. Mit der Bestätigung durch den GHA beziehungsweise die Airline kommt es zu einer Verabredung. Spezifiziert werden dabei auch Zeitpunkt und der vereinbarte Leistungsumfang. Durch diese Abstimmung können beide Parteien frühzeitiger disponieren, Lade- und Entladeprozesse an der Rampe werden entzerrt.

Infos anreichern. Weitere Optimierungspotenziale bestehen für die Beteiligten, indem die Transportvoranmeldung durch Informationen zu Security, Zollstatus und Gefahrgut angereichert wird. Für die Erfüllung der Anforderungen der Security werden über das CCS Daten bereitgestellt, die zum Beispiel im Export Unterstützung beim Nachweis der sogenannten „sicheren Luftfrachtkette“ bieten, nach welcher der Gesetzgeber spezifizierte Angaben zum aktuellen Versender, Transporteur und Fahrer und dem zugewiesenen Sicherheitsstatus verlangt. Im Import soll die beleglose Aushändigung der Ware an den Transporteur unterstützt werden. Über das CCS können Abholscheine elektronisch abgerufen werden, die eine beschleunigte Abfertigung beim GHA (fast lane) beziehungsweise der Airline ermöglichen.

Für die Unterstützung der Zollabwicklung stellt das CCS Informationen bereit, die den aktuellen Zoll- und Beförderungsstatus der Ware betreffen. Bei Einfahrt in die Cargo City ist über das Torkontrollsystem der Fraport AG eine Nummernschilderkennung der Lkws vorgesehen. Die Informationen über die einfahrenden Lkw werden über das CCS an die verantwortlichen Spediteure weitergeleitet, die mit Einfahrt des Lkw in den Zollausgangsbezirk die zweite Stufe des Zollverfahrens auslösen können. Das Zoll-Clearing mit ATLAS erfolgt dabei weiterhin über die bestehenden Systeme der Spediteure oder deren Dienstleister.

Im Bereich Gefahrgut ist vorgesehen, dass die Daten zu den Gefahrguteigenschaften (im Export) elektronisch im CargoIMP-Format vom Versender der Ware über das CCS dem Handling Agenten verfügbar gemacht werden. Bisher erhält dieser die Informationen häufig erst in Papierform beim Eintreffen der Ware. Für Importvorgänge sieht das Konzept den umgekehrten Datenaustausch vor. Eine Airline oder ein GHA kann dem CCS die Gefahrgutdaten übermitteln, damit der Empfänger-Spediteur sie in die für den Landtransport notwendigen ADR-Begleitpapiere übernehmen kann.

Für Importvorgänge sieht das CCS eine weitere Funktionalität vor: Über ein automatisiertes Matching von Angaben aus den Flugmanifesten und dem Fluginformationssystem wird eine Vorabinformation des Spediteurs über zulaufende Sendungen (gestartet, im Anflug, gelandet) erreicht.

Insgesamt erwarten die Akteure am Frankfurter Flughafen, dass sie durch das CCS erhebliche Effizienz- und Zeitgewinne in der Transportabwicklung realisieren können. Durch die Plattformunabhängigkeit und Neutralität der Plattform kann der Zugang zum CCS von allen Akteuren nach erfolgreichem Abschluss der Testphase einfach und unkompliziert realisiert werden. Neben der standardisierten EDI-Schnittstelle werden Web-Applikation bereitgestellt, über die die CCS-Funktionen ebenfalls bedient werden können. (DVZ 18.8.2011)

Der Autor: Ulrich Wrage, Vorstand Dakosy, Hamburg.


Hintergrund

Dakosy

Als einer der führenden IT- und Softwaredienstleister für die Transportwirtschaft und die logistischen Bereiche von Handel und Industrie bietet die in Hamburg ansässige Dakosy AG seit 1982 zukunftsweisende Lösungen an, insbesondere für die internationale Speditions- und Zollabwicklung. Über die Dakosy- Rechenzentren wickeln mehr als 2000 Unternehmen ihre Geschäftskommunikation ab. Zu diesem Verbund gehören sowohl international agierende Handelshäuser, Markenartikler und Industrieunternehmen als auch Spediteure, Carrier (Luft und See), Linienagenten, Verkehrsträger und Behörden (Zoll, Wasserschutzpolizei, Feuerwehr. Darüber hinaus betreibt Dakosy das Port Community System für den Hamburger Hafen.

 www.dakosy.de

 Dieser Artikel ist eine Vorab-Veröffentlichung aus der DVZ-Sonderbeilage "100 Jahre Luftfracht", die am 18.8.2011 erscheint. Sie kennen die DVZ noch nicht? Hier geht es zum kostenlosen Probeabonnement.

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