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Das Flugverbot zeigt auf die Logistikketten in Industrie und Handel bisher erste, wenn auch nur geringe Auswirkungen. So können beim Autobauer BMW derzeit wichtige Komponenten wie Getriebe nicht in die USA transportiert werden, wie ein Sprecher am Montag in München sagte. Zwar laufe die Produktion in allen Werken noch regulär, wenn der Flugstopp aber noch zwei Tage weitergehe, könnte es kritisch werden. "Im schlimmsten Fall droht ein Bandstillstand", sagte der Sprecher. Per Luftfracht wird bei den Autobauern nur ein sehr kleiner, zeitkritischer Teil transportiert.
Das trifft auch auf den Handelskonzern Metro zu. Nur ein Zehntel der Waren kommen aus Übersee, 90 Prozent davon wiederum mit dem Schiff. "Derzeit hat das Flugverbot keine Auswirkungen", sagte ein Sprecher am Montag auf Anfrage der DVZ. Das Basissortiment sei davon sowieso nicht betroffen, maximal könnte es in den nächsten Tagen zu Lieferengpässen bei speziellen Waren wie Fisch kommen.
Die Versorgung mit Bananen, Orangen und Kiwi ist in Deutschland ungeachtet der europaweiten Flugverbote weitgehend gesichert. Die Ware werde in der Regel an Bord von Kühlschiffen geliefert, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes, Andreas Brügger, am Montag in Bonn.
Keine Auswirkungen auf Textilhandel
Auch bei Textilhändlern wie H&M oder Charles Vögele ist so schnell nicht mit größeren Einschränkungen zu rechnen. Wie Sprecher beider Unternehmen der DVZ mitteilten, versenden die Lieferanten aus dem asiatischen Raum die fertige Ware fast ausschließlich per Schiff. Die Luftfracht sei Ausnahmen vorbehalten.
Sollte das Flugverbot aufrechterhalten bleiben, sind auch Engpässe bei den Ersatzteilen für Maschinen in der Industrie denkbar. Denn der Anteil an Gütern, die per Luft transportiert werden, ist zwar nicht hoch. Aber es sind meist sehr wichtige und wertvolle Komponenten.
Keine unmittelbaren positiven Auswirkungen des Flugverbotes auf das eigene Geschäft spürt Udo Malkomes, Geschäftsführender Gesellschafter der auf Nachtexpress und Sonderfahrten spezialisierten EM-Log Gruppe. Er führt dies darauf zurück, dass der Großteil der betroffenen Fracht aus Übersee komme. Er will aber auch nicht ausschließen, dass das Aufkommen bei EM-log in den kommenden Tagen noch einmal anziehe, sobald die Waren zumindest den europäischen Kontinent erreicht haben.
Deutsche Post leitet auf Straße um
Wegen der Schließung des Frachtdrehkreuzes der Deutschen Post am Flughafen Leipzig/Halle läuft der Versand in den kommenden Tagen etwas langsamer als normal. Der Großteil der Fracht sei über südliche Flugrouten umgeleitet worden, auf denen der Luftverkehr nicht von der durch den isländischen Vulkanausbruch verursachten Aschewolke betroffen ist, sagte Postsprecher Stefan Heß am Samstag in Leipzig. Außerdem sei der Transport der Pakete auf die Schiene und die Straße verlegt worden. Dadurch komme es zu Verzögerungen bei der Auslieferung, aber zu keinen riesigen Rückständen. Am Drehkreuz des Kurier- und Frachtdienstes DHL starten und landen von Montag bis Freitag normalerweise mehr als 50 Flugzeuge mit bis zu 200.000 Sendungen pro Tag.
Der Vulkanausbruch könnte nach Befürchtung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung einen Dämpfer verpassen. Die Luftverkehrsbranche habe durch den monatelang schwelenden Tarifkonflikt bei den Piloten ohnehin keinen guten Start in das neue Jahr gehabt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Rheinpfalz am Sonntag". Hinzu komme jetzt die zeitweilige Schließung der Flughäfen. Durch den Vulkanausbruch könnten sich Geschäftserwartungen zusätzlich eintrüben. (cs/sr/dpa)





