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Reeder Eberhard von Rantzau zu Führungsprinzipien in Familienfirmen

Langfristige Orientierung statt kurzfristiger Gewinne

Von Peter Wörnlein, Hamburg

16.06.2010 | Ein gutes Gedächtnis ist vielleicht nicht die wichtigste Voraussetzung, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Es kann aber helfen, grobe Fehler zu vermeiden. Der Hamburger Reeder Eberhard von Rantzau hat jedenfalls vor fast 40 Jahren eine wichtige Lektion gelernt: "Kern allen Übels ist es, in Boomzeiten jedes Maß zu verlieren und zu glauben, der Markt würde in den Himmel wachsen."

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Die Rantzau-Gruppe erlag auf dem Höhepunkt des Ölbooms zu Beginn der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts dem "Tankerfieber", erinnert sich der Reedereichef. Als die Schiffe dann fertig wurden, mussten sie zum Schrottwert verkauft werden – der Markt war zusammengebrochen.

Krise war unvermeidlich

Von Rantzau erkennt eine klare Parallele zur aktuellen Schifffahrtskrise. Sie war seiner Meinung nach aufgrund des ungezügelten Neubaubooms der vergangenen Jahre unvermeidlich. "Früher oder später wäre die Schifffahrt durch diese Überkapazitäten in Schwierigkeiten geraten, denn die Bestellung von immer neuer Tonnage ist selbst unter dem Aspekt der positivsten Wirtschaftsvoraussagen nicht zu begründen gewesen." Es sei den Reedern und in ihrem Gefolge einer zunehmenden Zahl von Finanzierungsgesellschaften –
"darunter manchem Glücksritter" – zu leicht ­gemacht worden.

Die Rantzau-Gruppe gehe jedenfalls nur noch solche unternehmerischen Risiken ein, die auch bei einem "worst case scenario" verkraftet werden können, unterstreicht der Reeder. "Wir lassen uns nicht von dem Ziel leiten, eine möglichst große Flotte von Schiffen in Fahrt zu halten, sondern beschäftigen nur solche Tonnage, die wir benötigen und auch bezahlen können."

Nachhaltig agieren

Es gehe auch nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung – "im Gegensatz zu vielen managergeführten Unternehmen, die ihre Geschäftsziele häufig nach Quartalsergebnissen ausrichten oder an der Länge der Anstellungsverträge
bemessen".

In dem Familienunternehmen werde "generationsübergreifend gedacht" und mit dem Ziel langfristiger Profitabilität gehandelt. So sei es gelungen, unternehmerische Unabhängigkeit zu bewahren. DVZ 8.6.2010

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