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Streik bei der Lufthansa

Arbeitgeberpräsident Hundt kritisiert Piloten

20.02.2010 | Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat den geplanten Pilotenstreik bei der Lufthansa scharf kritisiert. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer appellierte an die Tarifparteien, den Ausstand noch abzuwenden.

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Es handele sich um einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit mit Konsequenzen weit über die Lufthansa hinaus, sagte Hundt der „Welt am Sonntag“. Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte für den Zeitraum von diesem Montag bis Donnerstag mehr als 4000 Kapitäne und Co-Piloten zum Streik aufgerufen. Dies wäre der größte Ausstand in der Geschichte der Fluggesellschaft.

Hundt kritisierte, der geplante Streik sei ein unverantwortlicher Missbrauch der Tarifordnung. Tarifauseinandersetzungen und Arbeitskämpfe dürften seiner Auffassung nach nicht in Unternehmensentscheidungen eingreifen. „Ich fordere die Vereinigung Cockpit auf, ihren gefährlichen Irrweg zu verlassen und sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, sagte er der Zeitung. In dem Konflikt geht es um Gehaltsforderungen, Arbeitsplatzsicherung und den Einfluss der Gewerkschaft auf die Konzernpolitik.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte die Tarifparteien im Lufthansa-Konflikt auf, die ab Montag geplanten flächendeckenden Streiks der Piloten in letzter Minute auf dem Verhandlungsweg zu verhindern. Ramsauer sagte der „Bild am Sonntag“: „Ich appelliere deshalb eindringlich an die Vernunft der Verhandlungsführer von Lufthansa und Vereinigung Cockpit, noch vor Streikbeginn an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Keiner darf mit seinen Forderungen abheben. Ein vernünftiger Kompromiss muss her, um Schaden von der deutschen Volkswirtschaft abzuwenden.“ Bei dem Konflikt geht es um Gehaltsforderungen, Arbeitsplatzsicherung und den Einfluss der Gewerkschaft auf die Konzernpolitik.

Verhandlungen gescheitert

Ein erneuter Versuch für ein Spitzengespräch zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit war zuvor gescheitert. Lufthansa habe konstruktive Vorschläge gemacht, um eine Einigung im Tarifkonflikt herbeizuführen. „Wir sind auf die Vereinigung Cockpit zugegangen“, sagte Konzernsprecher Andreas Bartels. Die Gewerkschaft habe das Angebot aber nicht angenommen. Ein Cockpit-Sprecher sagte hingegen, dass es kein Gespräch gegeben habe. Eine Annäherung über das Wochenende schlossen beide Seiten nicht aus.

Statt täglich insgesamt 1800 Flügen heben nach Planung des Unternehmens von Montag bis Donnerstag jeweils nur rund 1000 Flieger ab. Damit fallen in den vier Tagen zusammen insgesamt rund 3200 Flüge aus.

Die Vorbereitungen der Fluggesellschaft, der Flughäfen und auch der Konkurrenten auf die Streiktage liefen bundesweit auf Hochtouren. Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf die Flughäfen konzentrierten. Auch Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.

„Juristisch überprüft“

VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi verteidigte den Arbeitskampf als verhältnismäßig: „Das ist alles juristisch überprüft. Wir wollen ein Zeichen setzen und zügig zu einer Lösung kommen.“ Er forderte den Luftfahrtkonzern erneut auf, nach einem Jahr Verhandlungen endlich ein Angebot vorzulegen. Die Piloten seien jederzeit in der Lage, weitere Eskalationsschritte zu unternehmen, drohte er. Eine Sprecherin der Lufthansa betonte die Gesprächsbereitschaft des Managements.

Der Streit dreht sich nach Angaben der Gewerkschaft vor allem um die Arbeitsplatzsicherheit der rund 4500 Piloten, die in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags fallen. Sie verlangen einen vertraglichen Schutz vor der Verlagerung von Flügen in kostengünstigere Tochterfirmen des Konzerns. Die Lufthansa sieht darin einen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und will nur über Jobgarantien für die bereits beschäftigten Piloten verhandeln.

Von diesem Montag an werden alle Abflüge aus Deutschland bestreikt, wie der Cockpit-Vertreter sagte. Maschinen aus dem Ausland würden noch in die Heimat geflogen und dann ebenfalls stillgelegt. Insofern sei damit zu rechnen, dass die beiden großen Drehkreuze Frankfurt und München mit abgestellten Maschinen vollliefen. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass es der Lufthansa im Laufe der Woche immer schwerer fallen werde, noch einen Ersatzverkehr anzubieten.

Notfallflugplan in Kraft

Das Unternehmen wollte Details zum Notflugplan auf seiner Website vorstellen. Im Inland sollen die Kunden vor allem auf die Bahn ausweichen, die derzeit aber auch mit fehlenden Kapazitäten im Fernverkehr zu kämpfen hat. Die Deutsche Bahn hält sich nach eigenen Angaben für einen größeren Andrang in ihren Zügen bereit. Gerechnet werde aber mit einer vergleichsweise geringen Umsteigerzahl gemessen an den täglich 330.000 Fernzug-Fahrgästen, teilte der bundeseigene Konzern mit. Sollte es trotzdem zu Engpässen kommen, sollen kurzfristig Zusatzzüge eingesetzt werden.

Die Lufthansa bot den Kunden kulante Umbuchungsmöglichkeiten an. Die ebenfalls bestreikte Tochtergesellschaft Germanwings hat bereits angekündigt, an den vier Streiktagen rund 400 ihrer 600 geplanten Flüge zu absolvieren. Die Lufthansa will ihre Piloten aus dem Management einsetzen und wahrscheinlich in erster Linie die lukrativen Überseeverbindungen aufrechterhalten. (dpa)

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