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Flugzeuge chartern und sie von A nach B quer über den Globus schicken. Das klingt recht einfach. Ist es aber nicht. Denn da wären die Verkehrsrechte, die beantragt werden müssen. Die dokumentarische Arbeit rund um einen Flug gilt es zu erledigen; außerdem gibt es Versicherungen, die dringend erforderlich sind, um Risiken zu vermeiden. Hinzu kommt, dass die Kunden im Vorfeld eines Auftrags umfassend beraten werden wollen. Ferner muss bei der Beladung eines Fliegers mit sperrigen und überdimensionierten Gütern alles ganz korrekt ablaufen. Denn ohne Detailkenntnis passieren leicht gravierende Fehler. Auch sollte der Broker sich vor Abflug eines Frachters vergewissern, dass es am Zielflughafen passende Ladegeräte oder Kräne gibt, mit denen die Sendung aus dem Flieger befördert werden kann. Vor allem aber muss ein Charterbroker eine umfassende Marktkenntnis haben und genau wissen, welcher Flugzeugtyp zu einem jeweiligen Einsatz passt. "Speziell auf diesem Sektor passieren Schlampereien. Denn nicht jede große Sendung muss mit der extrem teuren Antonov 124 transportiert werden", weiß Duran aus Erfahrung. Dieses Kaleidoskop verschiedenster Aufgaben ist das tägliche Brot des 32-Jährigen.
Sein Job: Regionalleiter für die Türkei und Zentralasien beim weltgrößten Charteranbieter Chapman Freeborn (CF). Ein Anforderungsprofil, für das es keine fachspezifische Ausbildung gibt. Denn das Berufsbild Bedarfsflug-Dienstleister existiert offiziell nicht. Eigentlich völlig unverständlich, bewegt die Branche doch Tag für Tag Millionenwerte zwischen Ländern und Kontinenten hin und her. Dabei bleiben die Tätigkeiten der regional oder mitunter nur lokal aktiven Broker oftmals sehr undurchsichtig. "Es gibt in unserer Branche leider viel Wildwuchs", bemängelt Duran. So existieren Anbieter, "die einen Flieger in Afrika chartern, ohne im Vorfeld die Papiere zu prüfen oder sich zu vergewissern, ob der nötige Versicherungsschutz vorliegt", kritisiert er schwarze Schafe. Ob es sich dabei um Vertriebsagenten, Broker oder Spediteure handelt, bleibt mitunter undurchsichtig. Entsprechend wenig ausgeprägt sei bei einigen die fachliche Kompetenz, was die Fehlerquote erhöhe. "Im Unterschied dazu bieten wir Kunden einen identischen Leistungsstandard an, ob in der Türkei, Deutschland oder sonst wo auf der Welt."
Eingestiegen in die Welt der Bedarfsfliegerei ist der gebürtige Mainzer 2001. Beim Broker ProAir in Frankfurt sammelte er damals seine ersten Erfahrungen. Vier Jahre später fragte ihn dann Chapman Freeborns CEO Russi Batliwala, ob er sich einen beruflichen Wechsel vorstellen könne. Er konnte. Und hat diesen Schritt keine Sekunde bereut, wie er sagt. Vermutlich gilt dies auch für seinen Arbeitgeber. Schließlich wurde unter Durans Leitung die Grundlage für das Türkei-Geschäft gelegt, dem mittlerweile zahlreiche Aktivitäten in den Gus-Ländern folgten. "Wir gehen da ganz behutsam Schritt für Schritt vor, um uns in Ländern wie Usbekistan, Kasachstan oder Turkmenistan zu positionieren", kündigt er einen expansiven Kurs an. Der umfasst neuerdings auch den israelischen Markt.
Joint Venture mit AirMark
Die Fäden aller Aktivitäten laufen im Chapman-Büro am Rande des Istanbuler Flughafens Atatürk zusammen. Zehn Mitarbeiter sind dort inzwischen beschäftigt, um im Rahmen des weltweiten Netzwerks einzelne Bedarfsflugprojekte abzuwickeln. Grundlage des Bosporus-Engagements war ein erfolgreiches Joint Venture, das CF vor knapp drei Jahren mit der türkischen AirMark gründete, dem führenden Luftfracht-Vertriebsagenten im Land. "Unser Partner ist mit Stationen an allen wichtigen türkischen Flughäfen vertreten und unterhält dort eigene Abteilungen zur Flugunterstützung. Dies hilft bei der physischen Abwicklung von Flügen und sorgt für zusätzliche Aufträge", sagt der zweifache Vater.
So werden alle Bereiche rund um den Charterflug, von der Anmietung der Maschine über die Verkehrsrechte in oder über die Türkei bis hin zum Handling an türkischen Flughäfen von CF in Eigenregie gehandhabt. Folglich bleibt die Koordination und Abwicklung in einer Hand und innerhalb des CF-Netzwerks.
Gemanagt wird das Ganze von der europäischen Luftfrachtzentrale in Frankfurt aus. Bei diesem Geschäft fungiert Duran quasi als personifizierte Schnittstelle.
Hilfreich ist, dass der Deutsch-Türke sich aufgrund seiner ethnischen Herkunft und Sozialisation in beiden Kulturkreisen zu Hause fühlt und perfekt in den Landessprachen ausdrücken kann. "Multi-kulti ist bisweilen ein echter Vorteil", resümiert er beim lockeren Gespräch in seinem Lieblings-Fischrestaurant in Istanbul. Mit am Tisch: Deutschland-Direktor Stefan Kohlmann. "Stefan und ich entwickeln die einzelnen strategischen Schritte für die Region, die ich dann über unsere Niederlassung in Istanbul zusammen mit den dortigen Mitarbeitern umsetze. Alle sind erfahrene Fachkräfte, die vor ihrem Wechsel zu CF jahrelang in verantwortlichen Bereichen bei örtlichen Fluglinien waren. Fundiertes Fachwissen und Teamwork sind für mich der Schlüssel zum Erfolg", beschreibt er sein Credo. Dies passiere mit "deutscher Gründlichkeit und türkischer Flexibilität", führt er aus.
Offenbar eine gelungene Kombination, wie Hunderte von Bedarfsflügen belegen, die mittlerweile in den Büchern des Türkei-Büros stehen. "Bei rund 70 Prozent davon handelt es sich um Frachtcharter, der Rest sind Vip-Flüge und eilige Passagierbeförderungen", so Duran, der privat lieber im Segelboot auf dem Wasser als in der Luft ist. Die Region sei ein ausbaufähiger Markt für sein Gewerbe. "Aber nur dann, wenn man die lokale Industrie hier gut kennt und entsprechend vernetzt ist." Zu diesen subjektiven Faktoren hinzu kommt die Tatsache, dass Istanbul traditionell ein Brückenkopf für die Verkehre auf der Ost-West- und Nord-Süd-Achse ist. "Wir arbeiten darauf hin, dass die zentralasiatischen Staaten ihre Lufttransporte verstärkt über türkische Flughäfen und weniger über Moskau abwickeln."
Zusätzliche Impulse hat der örtlichen Wirtschaft am Bosporus gebracht, dass die GuS-Länder und teilweise auch Russland ökonomisch stärker eingebunden worden sind. "Wir sind in viele Projekte eingebunden, etwa den Transport von Baugeräten und -materialen nach Afrika, Afghanistan oder Zentralasien, Automobilzubehör nach Westeuropa, Luxusgüter in den Nahen Osten, Textilcharter Richtung Astana oder Touristen von Tel Aviv nach Antalya."
Ausreichend Beförderungskapazität gibt es vor Ort. "Dank der hiesigen Airlines weist die Türkei die höchste Dichte an Airbus-Frachtern auf, ob in den Flotten von ACT Airlines, MNG, ULS oder Turkish Airlines", sagt Manager Duran. "Deshalb sind wir im weltweiten Netzwerk der Chapman-Gruppe der anerkannte Airbus-Spezialist." Darüber hinaus chartert die Istanbuler CF-Station je nach Anforderung und Bedarf Flugzeuge aus den Nachbarländern ein, neben griechischen Maschinen vom Typ Boeing 737 oder Airbus A320 auch in Bulgarien registriertes Fluggerät. "Diesbezüglich betreiben wir aktive Völkerverständigung", weist der Regionalchef auf die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Türken und Griechen hin.
Neue Produkte
Gegenwärtig feilen er und seine zehn Mitarbeiter an zwei zusätzlichen Angeboten: Erstens sollen künftig türkische On-Board-Kuriere brandeilige Sendungen in die zentralasiatischen Staaten begleiten. Doppelter Vorteil für die Türken: Sie benötigen keine Visa für diese Länder, und es gibt Flugverbindungen von Istanbul in nahezu jede größere Stadt der Region.
Zweite Neuerung und als besonderen Service für die Kapazitätsanbieter geplant: die Organisation von Rückfracht bei Charterflügen. Als Beispiel nennt Duran einen Flug von Istanbul nach Shanghai, der auf dem Rückweg im Auftrag Chapman Freeborns in der nordchinesischen Stadt Urumchi Station machte, wo Waren zugeladen wurden. "Das lastet den Transport besser aus und macht den gesamten Umlauf kostengünstiger." DVZ 12.9.2009 (hs)






